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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Center-Investor Unibail am Pranger
Zwischenüberschrift:
Warum CDU-Fraktionschef Brickwedde Beifall von den Linken bekommt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Mit einem Aufschrei reagiert der Rat auf die Hinhaltetaktik des Center-Investors Unibail Rodamco Westfield. Über den Deutschen Städtetag soll der Konzern mit Sitz in Paris an den Pranger gestellt werden. Ein entsprechender Vorstoß von Fritz Brickwedde brachte dem CDU-Fraktionschef sogar Beifall von der Linken ein.

Am Neumarkt verrotten die leer stehenden Gebäude, die dem Einkaufszentrum weichen sollten, aber Unibail Rodamco Westfield (URW) hat fünf Monate nach seiner Absage noch nicht einmal den Bauantrag zurückgezogen. Stattdessen versucht der Konzern, das mehr und mehr vom Verfall bedrohte Areal als baureifes Grundstück zu vermarkten. Darüber ist die Stadt verärgert, weil auf unabsehbare Zeit Stillstand droht. Im Rat ist inzwischen Konsens, das Quartier nach den Vorschlägen der Konzeptgruppe Plan B neu zu ordnen.

Das Thema im Rat: CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde hat die Initiative ergriffen, um den Druck auf den Konzern zu erhöhen. Es gebe landes- und bundesweit auch andere Fälle, in denen Kommunen von großen Investoren hingehalten würden, um dann zu erleben, wie deren lange geplanten Projekte fallen gelassen würden. Solche Praktiken sollten auf der Jahrestagung des Städtetages aufgegriffen werden. So lasse sich eine überregionale Öffentlichkeit für das Thema erzeugen. Investoren wie URW müssten dann mit einem Imageverlust rechnen.

Vereint gegen Unibail: Mit den Worten Kauft zum Buchwert, sonst passiert hier jahrelang nichts! drückte Brickwedde aus, wie er die Haltung des Konzerns gegenüber der Stadt versteht. Das entspreche dem sonst von Linken verwendeten Klischee von einer Sozialisierung der Verluste und einer Privatisierung der Gewinne. Sie haben′s gelernt!″, rief die Linke-Fraktionsvorsitzende Giesela Brandes-Steggewentz ihrem bisherigen politischen Gegner anerkennend zu.

Wir werden nicht akzeptieren, dass es weiterhin einen jahrelangen Stillstand am Neumarkt gibt″, legte Brickwedde nach. Seine Fraktionskollegin Anette Meyer zu Strohen nannte es unverschämt″, wie Unibail Rodamco Westfield mit der Stadt und den Politikern umgehe. Es sei wichtig, ein starkes Signal nach Paris zu senden.

Der Antrag der CDU: Der Oberbürgermeister und die Verwaltung werden gebeten, Kontakt mit anderen Kommunen aufzunehmen, in denen Bauprojekte des Konzerns Unibail-Rodamco-Westfield gescheitert sind. Das Thema soll im Anschluss gemeinsam auf dem Deutschen Städtetag eingebracht und erörtert werden″.

Die anderen Fraktionen: Etwas zugeknöpft reagierte der SPD-Politiker Heiko Panzer auf die von der CDU losgetretene Breitseite gegen den Center-Investor. In der Intention sei man sich zwar einig, meinte er, es bestehe aber eine Absprache, solche Schritte erst gemeinsam zu besprechen. Für politische Ränkespiele sei das Thema nicht geeignet.

Diese Kritik verstehe ich nicht so ganz″, meinte Michael Hagedorn von den Grünen. Unibail sei nicht auf die paar Millionen″ am Neumarkt angewiesen. Mit dem trostlosen Anblick seiner Immobilie versuche der Konzern, die Stadt unter Druck zu setzen. Da sei es nur konsequent, diesen Erpressungsversuch″ öffentlich zu machen. Unterstützung gab es auch von den anderen Fraktionen, aber einem Ratsmitglied ging der Antrag nicht weit genug.

Pirat Nils Ellmers nahm Anstoß an einer Formulierung: „, Der Oberbürgermeister wird gebeten′ ist zu schwach formuliert″, meinte er und enthielt sich bei der Abstimmung. Alle anderen Ratsmitglieder votierten aber für die Attacke gegen den Konzern.

Bildtext:
Es geht nicht voran am Neumarkt, weil der Center-Investor URW die Flächen nicht freigibt.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Peanuts

Alles eine Frage des Preises? Na ja, Branchenkenner schätzen, dass Unibail Rodamco Westfield für die Flächen am Neumarkt 30 Millionen Euro gezahlt hat. Als der Konzern das Center fallen ließ, rutschte der Preis für die Immobilie ab. Wenn der Vorstand nicht aufpasst, rutscht auch der Börsenwert des Unternehmens.

URW wird das Fehlinvestment vom Neumarkt verschmerzen und mindestens ein Drittel des ursprünglichen Immobilienwerts abschreiben müssen. Die Manager wären gut beraten, sich bald darauf einzulassen, denn ihr Zögern lässt ein wichtiges innerstädtisches Quartier veröden. Das erzeugt Frust, und den wird der Konzern noch spüren.

Innerhalb eines Jahres hat seine Aktie schon 10, 6 Prozent eingebüßt. Nicht gerade eine Einladung für Anleger. Mit Aktionen wie in Osnabrück droht URW ein Rufschaden. An der Börse kann daraus schnell ein größerer Verlust werden. Dagegen sind die verlorenen Millionen vom Neumarkt nur Peanuts. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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