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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimaschutz in Kriegszeiten
Zwischenüberschrift:
Junge Libyer setzen sich für die Umwelt ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Tripolis Es ist Krieg, es geht ums Überleben. Auch für die 24-jährige Jusor Benali und ihre Freunde. Doch die junge Libyerin blickt weiter: Selbst in Zeiten des Konfliktes tut sie, was immer möglich ist, um das Klima zu retten und die Umwelt zu schonen. Als Mitglied der Libyschen Jugendbewegung für das Klima″ (LYCM) will sie das Bewusstsein im Land verändern auch für die Zukunft nach dem Krieg.

Beim Treffen in der Hauptstadt Tripolis hat Benali ihre Mitstreiter Hamed Elhuni und Sadik Nuri mitgebracht. In Libyen seien die Veränderungen des Klimas schon deutlich spürbar, berichten die jungen Leute. Es regnet weniger, und wegen der Verwüstung der Böden ist viel mehr Staub in der Luft″, sagt der 23 Jahre alte Elektroingenieur Nuri.

Gegründet wurde die LYCM im September 2012 als Teil einer Bewegung der arabischen Jugend. Der libysche Ableger hat mittlerweile gut 50 Mitglieder. Der Kern ihrer Arbeit liegt in der Aufklärung über die Gefahren des Klimawandels, über Schritte im Kampf gegen die weitere Erderwärmung und über andere Möglichkeiten, die Umwelt zu schonen.

In Libyen gibt es dazu einiges zu sagen. Das Land verfügt über die größten Erdölreserven des Kontinents. Das stark subventionierte Benzin ist billiger als Wasser und wird entsprechend gedankenlos verbraucht. Solarenergie ist kein Thema. Wegen der geringen Bevölkerung von nur sechs Millionen und dem geringen Industrialisierungsgrad empfinden sich die wenigen Libyer, die überhaupt über so etwas nachdenken, trotzdem eher als Opfer und nicht als Verursacher des Klimawandels.

Bei der Aufklärung spielen das Internet und soziale Medien eine wichtige Rolle. Außerdem gehen Benali und ihre Freunde in Schulen und Universitäten, veranstalten Seminare und Workshops. Oder sie werden selbst aktiv, sammeln Müll am Strand von Tripolis. Die meisten Passanten fänden das toll, schauten aber nur zu, sagt Benali. Sie halten es für selbstverständlich, dass wir das machen, das hätten wir uns als Aktivisten schließlich ausgesucht.″ Die Umweltschützer versuchen dann, diesen Leuten klarzumachen, dass solche Aufgaben alle angehen″. Ohne solche Auseinandersetzungen und Diskussionen wäre das Müllsammeln aus ihrer Sicht nahezu nutzlos.

Darüber hinaus werben die Mitglieder der Jugendbewegung für Klima″ auf politischer Ebene für klimafreundlichere Gesetze. In Libyen ist das keine einfache Aufgabe, schon weil es seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 keinen wirklichen Staat mehr gibt. Die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch hat faktisch kaum die Hauptstadt Tripolis im Westen des Landes unter Kontrolle. Im Osten machen ihr eine Gegenregierung und vor allem General Chalifa Haftar, Befehlshaber der Libyschen Armee″, die Macht streitig.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich in diesen Tagen vor allem der Klimawandel beunruhigt″, räumt der 37-jährige Hamed Elhuni ein. Der Mechatronik-Ingenieur war 2012 Mitgründer der Libyschen Jugendbewegung für das Klima″. Hier ist Krieg, im Moment interessiert uns das Überleben.″ Trotzdem halte er weiter Vorträge über den Klimawandel. Auch wenn sie wegen des Krieges ihren Lebensstil kaum grüner machen könnten, sei es doch immerhin möglich, das Bewusstsein zu verändern, betont er. Für die Zeit danach, für den Frieden.
Autor:
Bettina Rühl, epd


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