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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nachhaltigkeit statt Konsum
Zwischenüberschrift:
Die grüne Nische auf Instagram: Wie Influencerinnen sich für den Umweltschutz starkmachen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Frankfurt Auf einem Schiff ist kein Platz für unendlich viel Kram. Deshalb lernte Laura Mitulla schon früh, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Von ihrer minimalistischen Lebensweise, geprägt durch die Kindheit auf einem Binnenschiff, berichtet die 24-jährige Berlinerin seit 2016 bei Instagram und in dem Onlinemagazin The OGNC″. Es fühlte sich falsch an, den Laptop zu schließen und niemandem zu zeigen und zu beweisen, wie vielfältig eine nachhaltige Lebensweise sein kann″, sagt Mitulla.

So ist die 24-jährige Bloggerin und Influencerin mittlerweile Teil eines Gegenpols zu dem Lifestyle, der oft auf Instagram vorgelebt wird. Mit all den perfekt wirkenden Reisebildern, vorteilhaft inszenierten Körpern, vorgegaukeltem Glück und massenweise Influencer-Marketing hat das Bilder-Netzwerk zwar eher den Ruf einer Konsum- und Scheinwelt. In den vergangenen Jahren hat sich auf der Plattform allerdings eine Gegenbewegung gebildet – „ Sinnfluencerinnen″, eine Art grüne Nische.

Jung und weiblich

Ein Großteil der Szene ist jung und weiblich: Vreni Jäckle, Jana Braunmüller und Nina Lorenzen setzen sich auf dem Kanal Fashion Changers″ für mehr Transparenz und faire Bedingungen in der Textilindustrie ein. Shia Su zeigt auf dem Account Wasteland Rebel″, wie man Zero Waste leben kann, also ohne Müll zu verursachen.

Louisa Dellert hat sich von einer Fitness-Bloggerin zur Klima-Aktivistin entwickelt, spricht mit Politikern und Unternehmerinnen über Umweltfragen und informiert etwa über Ökostrom und Umweltbilanzen von Produkten. Madeleine Alizadeh zeigt auf ihrem Account DariaDaria″, dass ein Leben weitgehend ohne tierische Produkte, mit sozialem Engagement und fair produzierter Kleidung nicht Selbstkasteiung bedeuten muss, sondern Spaß machen kann.

Das soziale Netzwerk eigne sich mit seinem Fokus auf visuelle Kommunikation, Inhalte prägnant und wenn nötig emotional zu vermitteln, sagt der Medienwissenschaftler Jan-Hinrich Schmidt. Am Hamburger Hans-Bredow-Institut forscht er zu digitalen Medien und politischer Kommunikation. Die Influencerinnen können Themen ganz anders kommunizieren, als es Ministerien und Fachmagazine könnten″, erklärt er. Durch die Personalisierung fällt es Nutzerinnen und Nutzern leichter, komplexe Sachverhalte zu verstehen.″

Zwischen Influencerinnen und Nutzern bestehe eine enge, fast schon persönliche Beziehung″, erklärt Benjamin Borgerding, Digital Campaigner bei Greenpeace Deutschland. Deshalb beeinflussten sie ihre Follower deutlich stärker als klassische Markenbotschafter. Das gilt auch für positives oder wünschenswertes Verhalten wie einen bewussteren Umgang mit Konsum, Nahrung oder Plastik″, sagte Borgerding.

Kritisch sieht er es allerdings, wenn sich Influencerinnen nur oberflächlich für ein Thema interessierten, weil es gerade im Trend sei. Dann bestehe die Gefahr, dass ein bestimmtes Problem trivialisiert wird, weil es nur mal eben schnell zur Selbstdarstellung benutzt wird″, gibt der Digitalstratege zu bedenken.

Hinzu kommt: Um von ihrer Arbeit bei Instagram leben zu können, sind viele darauf angewiesen, Kooperationen mit Unternehmen einzugehen und Werbung für Produkte, Firmen oder Organisationen zu machen. Einige verkaufen auch eigene Produkte: Dellert betreibt einen Onlineshop für nachhaltige Gebrauchsgegenstände wie Einkaufsnetze und Brotdosen, Alizadeh eine fair produzierte Modelinie.

Zwar sehe sie den Verkauf von Neuware auch als problematisch″ und mahne immer wieder, nur das zu kaufen, was auch wirklich gebraucht werde, sagte Alizadeh der Süddeutschen Zeitung″. Trotzdem sei es ihr lieber, wenn die Leute fair″ bei ihr kauften als bei herkömmlichen Herstellern.

Weg vom Überkonsum″

Die Zero Waste Bloggerin Shia Su geht noch einen Schritt weiter. Sie heiße selbst nachhaltigen Konsum ohne Reduktion nicht gut, denn das trägt dazu bei, das kapitalistische, auf Wachstum basierte System zu erhalten und behindert die dringend nötigen systematischen Änderungen″, sagte sie. Um wirksam gegen den Klimawandel vorzugehen, müsse man weg vom Überkonsum.

Das Engagement der Influencerinnen findet nicht nur online statt. So erklärt Mitulla in Workshops, wie ein klimaschonender Lebensstil funktionieren kann: Wenn ich es schaffe, mehrere Tausend Menschen zu inspirieren, weniger und bewusster zu konsumieren, dann ist es mir relativ egal, auf welchem Medium das passiert″, sagt sie. Hauptsache, es passiert. Und es wird gehandelt statt diskutiert.″

Bildtext:
Grüne Minimalistin: Laura Mitulla berichtet als Bloggerin, wie ein umweltfreundlicher Lebensstil funktioniert.
Foto:
epd/ Christian Ditsch

Influencer

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Goldmedia gab es 2018 rund 30 000 Influencer, also digitale Meinungsführer, im deutschsprachigen Raum in den sozialen Medien. Sie sind vor allem bei Instagram, Youtube, Facebook, Twitter, Snapchat und auf eigenen Blogs aktiv.

Das sogenannte Influencer-Marketing hat sich zu einem neuen Feld für Werbung entwickelt. Mit dieser Art der Werbung wurden laut Goldmedia schon 2017 netto rund 560 Millionen Euro im deutschsprachigen Raum umgesetzt. Unter den klassischen Influencern liegen die Social-Media-Zwillinge Lisa und Lena (15 Millionen) und die Beautybloggerin Bianca Heinicke von Bibis Beautypalace″ (6, 6 Millionen) vorne. Seit einigen Jahren bekommen auch Accounts zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz Zulauf. Verglichen mit den Top-Influencern, ist die Nische allerdings eher klein. Der Klima-Aktivistin Louisa Dellert folgen rund 384 000 Nutzerinnen, bei der Fair-Fashion-Influencerin DariaDaria (Madeleine Daria Alizadeh) sind es rund 237 000 Follower, und der Zero-Waste-Bloggerin Shia Su folgen 102 000 Menschen.
Autor:
Nora Frerichmann, epd


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