User Online: 1 | Timeout: 13:05Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erste Privatschule in Osnabrück
 
Eine Schule zum Mitgestalten
Zwischenüberschrift:
Montessori-Grundschule soll bereits 2020 starten / Verein verfolgt ehrgeizige Pläne
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der Verein Lebendig Lernen wird Osnabrücks erste Privatschule gründen. Zunächst nur für Grundschüler und mit alternativem pädagogischen Konzept geplant, haben die Initiatoren große Pläne: eine Schule für Eltern, die Regelschulen eher skeptisch sehen.

Osnabrück Fast fünf Jahre sind vergangen, seit die ersten Überlegungen für eine Freie Schule in Osnabrück das Licht der Welt erblickten. Heute sind die Initiatoren einen großen Schritt weiter: Schon zum Schuljahr 2020/ 21 soll die erste Freie Montessori-Grundschule an den Start gehen. Konzept, Finanzierung und Standort sind gefunden. Erste Anmeldungen gibt es auch schon.

Was treibt vor allem Eltern an, eine eigene Schule an den Start zu bringen? Wir können hier Schule für unser Kind selber mitgestalten″, sagt Gunnar Meemken, dessen Kinder die Schule ab dem kommenden Jahr besuchen sollen. Viele Eltern seien unzufrieden mit den Regelschulen. In unserer Schule können die Kinder stressfrei für sich selbst und nicht nur für eine gute Note lernen″, ergänzt Robert Wasser vom Vereinsvorstand.

Eine private Schule fällt allerdings nicht einfach so vom Himmel. Bis die ersten Kinder unterrichtet werden können, bedarf es einer Menge Arbeit. Ein Konzept muss her, die Finanzierung muss sichergestellt werden, ein Gebäude gefunden werden, und nicht zuletzt braucht es Eltern und Pädagogen, die das Konzept mit Leben erfüllen. All diese Hürden hat der Osnabrücker Verein Lebendig Lernen″ jetzt offensichtlich genommen.

Das Konzept: Das pädagogische Konzept fußt auf der Montessori-Pädagogik und deren Fortschreibung in den Konzepten der Freien Alternativschulen. Die Montessori-Pädagogik gesteht den Kindern ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu. Schule stellt die Rahmenbedingungen, die diese Form des Lernens nach den individuellen Bedürfnissen möglich machen. Die Schule schafft die Lernumgebung, die den Kindern vielfältige Entscheidungen und hiermit verbundene Erfahrungen ermöglicht. Die Kinder arbeiten in Freiarbeit mit den nach Maria Montessori (1870–1952) konzipierten Materialien. Sie lernen im freien Spiel, durch die freie Bewegung und durch die Kommunikation untereinander.

Schüler und Lehrer: Die Schule wird mit 15 Schülern im ersten Jahrgang beginnen. Die Schülerzahl soll pro Jahrgang die Zahl 15 nicht überschreiten, sodass am Ende insgesamt 60 Grundschüler auf dem ehemaligen Kasernengelände unterrichtet werden. Die Schüler kommen nicht nur aus Osnabrück, sondern auch aus dem Landkreis und dem benachbarten Nordrhein-Westfalen. Zwei Lehrer (die im Montessori-Konzept Lernbegleiter″ heißen) haben bereits eine Stellenzusage. Sie verfügen über eine Zusatzausbilung in Montessori-Pädagogik. Hinzu kommt eine pädagogische Mitarbeiterin.

Der Standort: Der Verein hat im Landwehrviertel im ehemaligen Offizierskasino der Briten den geeigneten Standort für die Schule gefunden. Er teilt sich das Gebäude zunächst mit einer städtischen Kita. Ein Mietvertrag soll in Kürze unterzeichnet werden.

Die Finanzierung: Eine Freie Schule gibt es nicht umsonst. Eine Schule in freier Trägerschaft muss ihre Finanzierung selbst organisieren. Ab dem vierten Jahr erhält sie Fördermittel vom Land Niedersachsen, mit denen aber lediglich etwa 75 Prozent der Betriebskosten gedeckt werden können. Der Rest muss durch Eltern und zum Beispiel durch Spenden finanziert werden. Die Freie Montessori-Grundschule Osnabrück wird für den ersten Jahrgang 100 Euro Schulgeld monatlich erheben. Danach ist für jeden Schüler ein monatlicher Obolus von 240 Euro zu entrichten.

Der Blick in die Zukunft: Der Verein plant, einen Kindergarten sowie eine weiterführende integrierte Schule zunächst von Klasse fünf bis zehn nach gleichem Konzept zu errichten. Derzeit baut die Stadt in unmittelbarer Nähe eine Kita. Wenn diese fertig ist, könnten die jetzt im ehemaligen Offizierskasino genutzten Räume möglicherweise an den Verein fallen, um die eigene Kita zu errichten. Auch auf das Nebengebäude hat der Verein ein Auge geworfen. Es könnte sich für die geplante weiterführende Schule eignen.

Termin: Der nächste Elterntreff, auf dem sich Interessierte über die Freie Montessori-Grundschule informieren können, findet am Donnerstag, 21. November, um 20 Uhr im Café-Restaurant am Rubbenbruchsee statt. Anmeldungen für 2020/ 21 sind derzeit noch möglich.

Bildtext:
Im ehemaligen Offizierskasino auf dem Landwehrgelände will der Verein Lebendig Lernen, hier vertreten durch (v.l.) Ricarda Hedwig, Robert Wasser, Julke Heitbrink und Gunnar Meemken, eine Freie Montessori-Grundschule errichten.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Unwille ist der Motor

Zunächst einmal gebührt den Initiatoren Respekt für ihre Initiative, die schulische Ausbildung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen. Sie schaffen damit ein ergänzendes Angebot. Dass dieses Privatangebot unberührt von der Frage, ob man das dahinterstehende pädagogische Konzept nun mag oder nicht teuer ist und somit nicht allen Eltern zur Verfügung steht, die es gerne in Anspruch nehmen würden, macht das Angebot nicht schlecht. Es wirft aber einen Schatten auf die niedersächsische Bildungspolitik. Es gibt viele Eltern, die mit Recht den Betrieb an Regelschulen kritisieren, was und das sei an dieser Stelle ausdrücklich betont in keinster Weise an den dort arbeitenden Pädagogen liegt.

Die Gründung einer privaten Schule sollte also nicht als Anlass für eine Neiddebatte genutzt werden. Vielmehr sollte der Blick auf die gerichtet werden, die Bildungspolitik in unserem Land verantworten. Ihre Unfähigkeit und ihr mangelnder Wille, die Schulen in diesem Land so auszustatten, dass sie den Anforderungen, die an sie gestellt werden, gerecht werden können, sind der Motor für die Gründung von Privatschulen. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste