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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einst der Schrecken aller Autofahrer
Zwischenüberschrift:
Anfangs traten Tüv-Prüfer auch in Osnabrück auf wie Beamte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Seit 1996 residiert der Osnabrücker Tüv in der Rheinischen Straße in Hellern. Seine Geschichte ist aber weitaus älter sie geht zurück bis ins Jahr 1889. Warum der Tüv seither mehrfach umzogen ist und warum er früher Düv hieß.

Die drei Buchstaben Tüv waren früher, als die Autos noch deutlich stör- und rostanfälliger waren als heute, für viele Halter durchaus angstbesetzt. Manch einer, der seine Gurke″ dem Überwachungsverein vorführen musste, studierte schon mal insgeheim den Busfahrplan für den Rückweg, falls der Prüfingenieur den alten Käfer oder die betagte Ente sofort stilllegen würde in Gestalt der berüchtigten Meldung an die Zulassungsstelle″.

Dazu passt der altbekannte, auf so manchen Aufkleber gebannte Treueschwur des autoverliebten Deutschen: Bis dass der Tüv uns scheidet″. Ältere Autofahrer erinnern sich an das gefürchtete Hämmerchen, mit dem der Prüfer gegen den Unterboden klopfte. Blieb das Hämmerchen im zerbröselnden Blech stecken, gab es die begehrte Plakette natürlich nicht. Ebenso wenig bei schief ziehenden Bremsen, die der Prüfer damals, als es noch keine Bremsenprüfstände gab, auf einer kurzen Probefahrt im öffentlichen Straßenverkehr aufdeckte.

Seit 1951 ist die wiederkehrende Hauptuntersuchung von Kraftfahrzeugen nach Paragraf 29 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) vorgeschrieben, seit 1961 besteht zudem die Pflicht, die bestandene Untersuchung durch eine Plakette auf dem Kennzeichenschild nachzuweisen.

Monopol für HU

Das waren noch Zeiten, als die Technischen Überwachungsvereine ein Monopol auf die Durchführung von Hauptuntersuchungen besaßen! Stundenlange Wartezeiten waren ebenso an der Tagesordnung wie der barsche Kasernenhofton mancher Prüfer, die in den Fahrzeughaltern keine Kunden, sondern Bittsteller sahen. Da glaubten viele Autofahrer, der Tüv sei eine Behörde und dessen Prüfer Beamte.

Das war schon damals falsch. Der Tüv war und ist ein Privatunternehmen, an das der Staat die technische Überwachung lediglich delegiert hat. Aber seit 1989 ist er nicht mehr allein auf der Prüfwelt. Im Zuge der Deregulierung haben Wettbewerber wie Dekra und GTÜ ebenfalls die Prüfzulassung bekommen und dem Tüv Marktanteile weggenommen. Das hat aber nichts daran geändert, dass Tüv″ zum Gattungsbegriff für jegliche neutrale, amtliche Überprüfung geworden ist, siehe Schul-Tüv″ oder Pflege-Tüv″.

Der Tüv und das Auto, beide scheinen untrennbar miteinander verbunden. Dabei ist der Tüv viel älter als das Automobil. Bevor die Überwachung der Verkehrssicherheit von Automobilen zu einer Hauptaufgabe wurde, kümmerte er sich als Düv″ um Dampfkessel. Am 28. Januar 1865 war es zu einer folgenschweren Kesselexplosion bei der Mannheimer Aktienbrauerei gekommen. Das war sozusagen der Urknall für die Gründung regionaler Dampfkessel-Überwachungs- und Revisions-Vereine″. Als Selbsthilfe-Organisationen der Wirtschaft stehen sie für ein frühes Beispiel erfolgreicher Privatisierung zuvor staatlicher Prüfungen. Weil die Unfallverhütung im Bereich der sich rasch weiterentwickelnden Dampfkessel-Technologie gut klappte, wurden die Düvs/ Tüvs später auch mit Sicherheitsprüfungen auf anderen technischen Gebieten beauftragt, unter anderem bei der wiederkehrenden Prüfung von Kraftfahrzeugen sowie bei der Führerscheinprüfung.

Osnabrücker Dampferzeuger wie die Steinkohlenzeche Piesberg, die Papiermühlen oder die Schnapsbrennerei Gosling gehörten zunächst dem 1873 gegründeten Düv Hannover an. 1889 bekam Osnabrück eine eigene Dienststelle. Für sie wurde 1927 das Verwaltungsgebäude auf dem Eckgrundstück Alte Poststraße/ Hackländerstraße errichtet. Zunächst noch ganz auf Außer-Haus-Prüfungen von Druckbehältern aller Art, elektrischen Anlagen etwa in Lichtspieltheatern, Seilfahrten im Bergbau, Aufzügen und Krananlagen eingestellt, nahmen die Fahrzeugprüfungen nach dem letzten Krieg einen immer breiteren Raum ein. Auf engstem Raum entstand eine Prüfstation im Innenhof. Sogar Busse wurden dort über die viel zu kleine Grube manövriert.

Die beschränkten Prüfmöglichkeiten waren auslösender Faktor für die Verlagerung der Dienststelle in den Schinkel. 1958 zog die Station Osnabrück des Tüv Hannover in den neu errichteten dreigeschossigen Ziegelbau an der Mindener Straße 108. Hier war auf dem Hof ausreichend Platz für eine große Prüfanlage mit sechsspuriger Wartezone.

1970 kam, als Antwort auf neue Geschäftsfelder wie etwa Reaktorsicherheit oder Röntgenanlagen, das siebenstöckige Hochhaus mit den markanten farbigen Glasal-Brüstungsplatten hinzu.

Klimakatastrophe″

Beliebt waren die Büros in dem Hochhaus nicht. Im Sommer wurden sie schnell zu heiß, im Winter blieben sie kühl. Das Hochhaus war ein energietechnisches Monstrum und nicht sanierungsfähig″, erinnert sich der frühere Dienststellenleiter Gernot Wolf. Im Ziegelbau von 1958 herrschte zwar ein angenehmeres Raumklima, aber das konnte den Standort nicht retten. Die unzulänglichen Büros waren ein Grund dafür, dass Mitte 1996 der nächste Umzug anstand, der andere wiederum Platzmangel und die veraltete technische Ausstattung, die sich nicht wirtschaftlich erneuern ließ. So mussten die Abgasprüfungen etwa in Zelten auf dem Hof durchgeführt werden, die Fahrzeugwaage stand gar ungeschützt im Freien.

Discounter Lidl übernahm den Standort Mindener Straße und machte im Jahr 2000 Tabula rasa. Mit dem Schutt aus den pulverisierten Tüv-Gebäuden wurde der Kundenparkplatz angehoben.

Im November 1996 bezog der Tüv die neue Station in der Rheinischen Straße 17 im Fledder zunächst mit der Kfz-Untersuchung, im Frühjahr 1998 folgte die gesamte Verwaltung. Um das alte Image gründlich hinter sich zu lassen, wird jetzt Kundenorientierung großgeschrieben. Von hellen Prüfgassen″ ist die Rede, in denen der Kunde dem auskunftsfreudigen Prüfingenieur über die Schulter gucken darf, von großzügigen Empfangsräumen, in denen er sich zuvor beraten lassen kann, von der Cafeteria zur Überbrückung von Wartezeiten. 1998 ist der Tüv Hannover/ Sachsen-Anhalt in der Tüv Nord Group aufgegangen. Die Gruppe ist neben dem Bereich Mobilität auch in den Bereichen Industrie, Bildung und Gesundheit aktiv. Außer dem Fledder betreibt sie in unserer Region Prüfstellen in Atter, Bersenbrück und Melle. Seit der Marktliberalisierung machen sich auch Tüv-Gesellschaften untereinander Konkurrenz. So ist neben dem Tüv Nord der Tüv Süd in Osnabrück präsent mit einer Prüfstelle beim Ingenieurbüro Gutzmann+ Krause in Hellern.

Bildtexte:
Das waren noch Zeiten, als der Tüv das Monopol für Hauptuntersuchungen besaß. 1974 stauen sich die Autos auf den Wartespuren vor der Osnabrücker Prüfhalle.
Noch ziemlich allein auf weiter Flur stand 1958 der neue Ziegelbau des Tüv Hannover/ Dienststelle Osnabrück an der Mindener Straße 108. Das flache Gebäude rechts daneben ist die Kfz-Prüfhalle.
Heute besetzt ein Lidl-Markt das ehemalige Tüv-Grundstück an der Mindener Straße.
Das Tüv-Hochhaus an der Mindener Straße stand nur 30 Jahre. Im Juli 2000 verschwand der 28 Meter hohe Turm, hier kurz vor Beginn des Abrisses.
Fotos:
Archiv TÜV Nord, Joachim Dierks, Joachim Behrens
Autor:
Joachim Dierks


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