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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kunstprojekt hinterlässt bleibende Spuren
Zwischenüberschrift:
Gemeinde St. Marien verstimmt: Streifen wohl noch Jahrzehnte sichtbar
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Als temporäres Kunstwerk waren die vier blauen Kreise gedacht, die in Osnabrück vor zwei Jahren viele Blicke auf sich zogen. Doch die Installation des Schweizer Künstlers Felice Varini hinterlässt dauerhafte Spuren auf dem Kupferdach der Marienkirche. Sie zu beseitigen wäre außerordentlich teuer. Die Kirchengemeinde drückt gnädig ein Auge zu.

Geometrische Figuren, die im Raum zu schweben scheinen für viele Osnabrücker und viele Besucher der Stadt war es ein besonderes Vergnügen, sich mit einem Selfie vor den dunkelblauen Ringen zu verewigen. Es gab nur eine Stelle, an der das funktionierte, und die befand sich unweit des Löwenpudels vor der Bischöflichen Kanzlei.

Natürlich schwebten die Kreise nicht in der Luft Felice Varini hatte Klebestreifen an Gebäuden anbringen lassen, die überwiegend zum Eigentum der evangelischen und der katholischen Kirche gehören. Das passte dem Künstler gut ins Konzept, denn die Installation sollte im Lutherjahr 2017 an das Jubiläum 500 Jahre Reformation″ erinnern.

Die mit blauer Acrylfarbe bemalte Folie wurde auf Fassaden und Fensterrahmen geklebt, auf Dachrinnen und Gauben, auf die gotischen Sandsteinfialen von St. Marien und sogar auf die Kupfereindeckung über dem Chor der Kirche. Zuvor hatte Julia Draganovic, die damalige Leiterin der Kunsthalle Dominikanerkirche, das Versprechen abgegeben, dass alle Bestandteile der Installation nach einem halben Jahr rückstandsfrei von den Oberflächen entfernt würden.

Dieses Versprechen konnten Draganovic und Varini allerdings nicht halten, weil sie die chemischen Prozesse auf Kupferoberflächen offensichtlich falsch eingeschätzt hatten. Mit der Folge, dass das Dach von St. Marien wohl noch in 20 oder 30 Jahren an den Kunstsommer 2017 erinnern wird. Ein Umstand, über den die Kirchengemeinde not amused″ ist, zumal mit der Folie am Ende auch etwas Material vom Sandstein und von anderen sensiblen Bauteilen abgetragen wurde. Aber man hat sich inzwischen arrangiert.

Was die Klebefolie auf dem Dach des Kirchenschiffs angerichtet hat, erklärt Pastor Frank Uhlhorn so: Die Kupferhaut, die 1982 erneuert wurde, setzt langsam eine grüne Patina an, weil sie an der Oberfläche oxidiert. An der Ostseite, die meist beschattet ist und weniger Regen abbekommt, geschehen diese Prozesse über einen längeren Zeitraum als im Süden oder Westen. An den Stellen, auf denen die Klebefolie haftete, wird sich die Oxidierung noch ein wenig verzögern, sodass sich gegenüber dem unbeklebten Kupfer noch für Jahrzehnte ein deutlicher Kontrast zeigen dürfte.

Kein Materialschaden″

Ein Experte des Kupferkonzerns KME hat den Kirchenleuten aber versichert, dass es sich nur um einen ästhetischen Schaden″ handelt und nicht um einen Materialschaden″, wie Pastor Uhlhorn erleichtert konstatiert. Das Kunstprojekt war zwar versichert, aber eine Wiederherstellung des gewohnten Anblicks hätte ja Zehntausende gekostet″, vielleicht sogar noch mehr. Und dann wäre die Kirche wieder für unbestimmte Zeit zur Baustelle geworden. Das wollte niemand, und deshalb verzichtete St. Marien auf Schadenersatz.

Uhlhorn räumt ein, dass es zeitweise zu einer erheblichen Verstimmung mit der Leiterin der Kunsthalle gekommen ist. Aber im Grunde, fügt er hinzu, fanden wir das Kunstprojekt alle klasse″. Letztlich habe die Installation der Kirche viel Aufmerksamkeit und positive Effekte″ beschert.

So sieht es auch Küster Carsten Niemeyer, der über die blauen Ringe sogar nach Jahrzehnten wieder Kontakt zu einem früheren Studienkollegen bekommen hat. Dass ihm die Streifen auf dem Dach als langlebiges Souvenir″ erhalten bleiben, sieht er mittlerweile gelassen: Die Zeit heilt alle Wunden!

Bildtexte:
Ein ungewolltes Souvenir hat der Künstler Felice Varini auf dem Kupferdach der Marienkirche hinterlassen.
Vier blaue Kreise, die im Raum zu schweben scheinen dieses Kunstwerk von Felice Varini erfreute die Osnabrücker vor zwei Jahren.
Fotos:
Michael Gründel, Swaantje Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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