User Online: 1 | Timeout: 02:22Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Stehen Sie auf, kommen Sie mit!″
Zwischenüberschrift:
Straßentheater gegen Abschiebung irritiert die Zuschauer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Irritiert bleiben einige Passanten vor dem Theater stehen, als die dicht gedrängte Gruppe auf die auf einer Matratze am Boden hockende schwangere Frau einredet, sie bedrängt: Stehen Sie auf! Kommen Sie mit! Sie werden Zeuge eines Vorganges, der oft unbemerkt abläuft: Hier wird jemand abgeschoben allerdings nur fiktiv.

Bleiberecht und sicherer Hafen statt Abschiebung und Zentrale Abschiebebehörde″ lautet das Motto eines Positionspapiers von Organisationen und Initiativen in Niedersachsen. Und eines gemeinsamen, dezentralen Aktionstages am Samstag. Zum Beispiel in Osnabrück: Hinter dem Infostand des Osnabrücker Bündnisse gegen Abschiebung steht Niels Kropp. Und er weiß, dass mit einem schlichten Infostand im Wettstreit und die Aufmerksamkeit der Passanten kaum noch ein Blumentopf zu gewinnen ist. Also legt das Bündnis mit einer Theater-Performance in Sachen Aufmerksamkeits-Generierung nach.

Und die Performance ist durchaus überzeugend. Denn wer unvorbereitet auf die Aufführung trifft, fragt sich unwillkürlich, was der jungen Schwangeren angetan wird, was die Gruppe von ihr will, warum überhaupt jemand auf einer Matratze vor dem Theater liegt und fleht. Und wer stehen bleibt und sich auf das Stück einlässt, bekommt zumindest eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen könnte, wenn man unvorbereitet meist am frühen Morgen aus dem Bett geholt und von einer Übermacht mitgenommen wird.

Und wie es ist, verzweiftelt einer Staatsgewalt gegenüberzustehen, die sich zwar korrekt verhält, von der aber eine fast greifbare Bedrohung ausgeht, die sich auf keine Diskussionen einlässt, selbst den Wunsch nach einem Telefonat mit dem Ehemann beharrlich ignoriert und die Schwangere am Ende abführt und etwas ratlose Zuschauer zurücklässt.

Ja, in der Performance wird dick aufgetragen: Dass das Opfer″ eine Frau ist, ist wohl kein Zufall. Und nein, im echten Leben ist die Hauptdarstellerin keineswegs schwanger. Und ob die Polizei wirklich so nachdrücklich auftritt, wer weiß das schon?

Aber genau das mit dem nicht wissen ist der Punkt: Abschiebungen fänden oft am frühen Morgen statt, so Kropp. Quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenn man das miterlebt auch nur gespielt kann man sich plötzlich auch in die Perspektive des Abzuschiebenden versetzen. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst, wie das abläuft″, erklärt Kropp.

Nach dem knapp zehn Minuten dauernden Stück schon. Und ja, danach ist man zumindest bereiter, über Kropps Frage nachzudenken: Wann wird Recht zu Unrecht? Denn Abschiebungen nur als Durchsetzung des Rechtsstaates zu sehen, das fällt schwerer, wenn man die Bilder der Performance im Kopf hat.

Stempeln im Takt

Und damit die gesehenen Bilder auch nachhaltig bleiben, bekommen die Passanten gleich noch einen Abschiebebescheid in die Hand gedrückt. So sieht sie also aus, die im kalten Behördendeutsch des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verfasste ultimative Aufforderung, die Bundesrepublik zu verlassen.

Und die zentrale Abschiebebehörde, für die zwischenzeitlich auch Osnabrück mal als Standort angedacht war? Auch die bekommt bei der Theaterperformance ihr Fett weg: Hinter einem hölzernen Schreibtisch sitzen auf hölzernen Stühlen zwei Beamte, die im Gleichtakt robotergleich stempeln und stempeln: Abgeschoben, abgeschoben, abgeschoben

Bildtext:
Aufstehen und mitkommen: Die Performance des Bündnisses gegen Abschiebungen Osnabrück machte am Samstagnachmittag vor dem Theater auf die Realitäten von Abschiebungen aufmerksam.
Foto:
Frank Wiebrock
Autor:
Frank Wiebrock


Anfang der Liste Ende der Liste