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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schokolade und Gin aus der Eisengießerei
 
Genuss im Industrie-Ambiente
Zwischenüberschrift:
Alte Eisengießerei Schmidt wird zum Eldorado für Schokolade, Kaffee und Gin
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Kaum jemand kennt die Metallgießerei Schmidt an der Hannoverschen Straße, die vor zwei Jahren in die Insolvenz gegangen ist. Aber das könnte sich bald ändern. Am Montag beginnt ein neues Kapitel für den Industriebetrieb, der 86 Jahre lang an seinem Standort Gussprodukte hergestellt hat. Mit der industriellen Produktion ist es allerdings vorbei, bei der neuen Nutzung kommt es auf das Ambiente an. Drei Investoren aus Osnabrück wollen das 4000 qm große Areal in eine Genusswelt verwandeln, in der vor den Augen der Besucher Kaffee geröstet, Schokolade conchiert und edler Gin eingeschenkt wird. Auf dem Gelände ist aber auch noch Platz für andere Nutzungen.

Osnabrück Kaffee rösten und Schokolade conchieren in einer ehemaligen Eisengießerei, alles aus den besten Zutaten, alles vor den Augen der Kunden das ist der Traum, den sich drei wagemutige Investoren im Industriegebiet Fledder erfüllen wollen. Die staubige Immobilie der Metallgießerei Schmidt an der Hannoverschen Straße soll zu einem Eldorado für Genießer werden.

Alte Kräne und Schmelzöfen, roter Ziegel und Sheddächer dieses Ambiente haben Rene Strothmann, Christoph Sierp und Achim Weitkamp lange gesucht. Und keiner der drei hätte gedacht, dass sich ihr Sehnsuchtsort so innenstadtnah im vorderen Teil der Hannoverschen Straße finden würde.

Vor zwei Jahren ging die Metallgießerei Wilhelm Schmidt in die Insolvenz, zum zweiten Mal schon und damit endgültig, nachdem ein Sanierungsversuch gescheitert war. 45 Mitarbeiter verloren ihren Job. Seit 1931 hatte der Betrieb Werkstücke gegossen und gedreht, inzwischen ist das Unternehmen abgewickelt, und die wichtigsten Maschinen sind verkauft. Für das Erbpachtgrundstück, das dem Klosterrentamt gehört, fand sich kein Investor mit industriellen Ambitionen. Stattdessen soll das etwa 4000 Quadratmeter große Areal als Alte Gießerei Genusshöfe″ frischen Esprit in die alten Mauern bringen.

Das wird Bombe″, sagt Rene Strothmann voller Begeisterung. Als Geschäftsmann verdient er sein Geld mit der Sanderstrothmann Cosmetic & Healthcare Factory und leistet sich zum Vergnügen, wie er betont, den Spirituosenhandel Spirit 49, in Osnabrück bekannt für den Gin O 49. Seine Partner, Genussmenschen wie er, sind der Veranstaltungsmanager Christoph Sierp, der auch Ferdinands Kaffeerösterei betreibt, und der Immobilienspezialist Achim Weitkamp, zugleich Gründer der Schokojungs″-Schokoladenmanufaktur.Wie im Tatort-Krimi

Die drei haben große Pläne für ihr Gießereiprojekt im Fledder, an dem sie seit einem Jahr arbeiten. Und das soll sich nicht auf Kaffee, Schokolade und Gin beschränken. Auf dem Gelände ist viel Platz, und deshalb werden Mieter gesucht, die sich auf hochwertige Speisen und Getränke spezialisiert haben. In den alten Mauern sollen aber auch Events und Veranstaltungen stattfinden. Sierp und Strothmann sind überzeugt, dass der Industriekomplex die ideale Kulisse für Hochzeitsfeiern, Geburtstagspartys und Betriebsfeste ist.

Am Montag sollen die Umbauarbeiten auf dem Areal an der Hannoverschen Straße 13–15 beginnen. Den drei Initiatoren liegt sehr daran, dass der Charme der alten Gießerei erhalten bleibt. Im Mittelpunkt ihrer Pläne steht eine Halle aus der Anfangszeit des Betriebes, dessen Sheddach zum Markenzeichen der Genusshöfe werden soll. Um den Blick auf die markante Zackenarchitektur mit dem roten Ziegelmauerwerk freizugeben, müssen allerdings diverse Anbauten verschwinden, mit denen die Metallgießerei Schmidt im Laufe der Jahrzehnte gewachsen ist.

Dazu gehört eine Kranhalle auf der Nordseite, die sich als düstere, aber stimmungsvolle Kulisse für manchen Tatort-Krimi anbieten würde, wegen der baulichen Anforderungen aber nicht ins Genuss-Zeitalter hinübergerettet werden kann. Die Kräne, eine Waage und die alten Deckenleuchten wollen Sierp und Strothmann aber unbedingt erhalten, damit ihre Location nach Arbeit aussieht. Oder nach dem, was man sich früher einmal darunter vorgestellt hat.

Bestandsschutz haben die Investoren auch den 20 Meter hohen Rundsilos verordnet, in denen der Sand für die Gießerei gelagert wurde. Rene Strothmann konnte es beim Ortstermin nicht lassen, die senkrechte Leiter zur Plattform über den Behältern zu erklimmen, um den Blick über das verwinkelte Betriebsgelände schweifen zu lassen.

Auf dem Grundstück ist übrigens auch noch Platz für andere Nutzungen. So ist auf der stadtauswärts gelegenen Seite ein Trakt mit Büros geplant. Für eine Halle im Westen soll es schon einen Interessenten geben, der ein stilvolles Geschäftslokal sucht. Die Investoren sind zuversichtlich, dass die Genusshöfe beim Publikum gut ankommen werden. Ende 2020 sollen die ersten Betriebe eröffnen, mit der endgültigen Fertigstellung wird 2021 gerechnet.

Bildtexte:
Das sieht nach Arbeit aus: Rene Strothmann und Christoph Sierp haben noch viel vor mit der ehemaligen Metallgießerei Schmidt an der Hannoverschen Straße.
Ein neues Kapitel für einen alten Industriebetrieb: die Eisengießerei Schmidt im Fledder.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Etwas Verrücktes wagen

Das Vorhaben ist fast so kühn wie Loriots Behauptung, rein produktionstechnisch bestehe zwischen einem Schützenpanzerwagen und einer Marzipankartoffel kein nennenswerter Unterschied. Die Idee, in einer ehemaligen Eisengießerei edle Speisen und Getränke zu kredenzen, hat einen umwerfenden Charme. Gut, dass es Leute gibt, die den Mut haben, so etwas Verrücktes zu wagen.

Die Genusshöfe, die in dem verlassenen Industriebetrieb an der Hannoverschen Straße entstehen sollen, können Osnabrück zu einem neuen gastronomischen Highlight verhelfen. Es ist gut zu wissen, dass hinter dem Konzept drei Investoren stehen, die in der Osnabrücker Szene verwurzelt sind und einen guten Ruf zu verlieren haben.

Die drei brennen vor Begeisterung, und sie verstehen es, auch andere mitzureißen, wenn es etwas zu bewegen gilt. Sie sind nah dran und bringen sich selbst ein. Das ist der wohltuende Unterschied gegenüber den Managern von Unibail Rodamco Westfield, die am grünen Tisch ein Einkaufscenter geplant und dann verworfen haben. Die Ortsnähe der drei Investoren ist noch kein Garant für den Erfolg. Aber sie macht einen Erfolg wahrscheinlicher. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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