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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimawandel und Borkenkäfer schlagen zu
Zwischenüberschrift:
Die Heger Laischaft macht sich große Sorgen um ihr Heger Holz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Extreme Trockenheit und Borkenkäfer bedrohen den Baumbestand in den Osnabrücker Wäldern. Das betrifft auch das Heger Holz und das Natruper Holz. Die Heger Laischaft, in deren Besitz sich diese Wälder befinden, ist alarmiert. Man müsse sich ernste Sorgen″ machen um den Zustand des 300 Jahre alten Waldes, sagte Gerd Gust nun bei der Generalversammlung im Rathaus. Als Chef der traditionsreichen Laischaft, die es mindestens seit 1560 gibt, trägt er den für heutige Ohren ungewöhnlichen Titel Wort- und Buchhalter″.

Zuvor hatte Gust den Interessenten (Mitgliedern) der genossenschaftlichen Forst- und Weidegemeinschaft anhand von Bildern anschaulich gezeigt, welche Auswirkungen Trockenheit und Schädlinge haben. Da sind die ungewöhnlich vielen und großen Astabbrüche und Schneisen, die das Sturmtief Friederike in den Wald geschlagen hat. Sie sind aber längst nicht alle Symptome für waldtypische Gefahren″, denen das Holz in den vergangenen 24 Monaten ausgesetzt war. Eine nie geahnte Trockenheit″, die sich nicht nur in den Sommermonaten über mehr als ein halbes Jahr lang hingezogen hat, habe für einen extremen Wassermangel in den Gräben und eine unzureichende Spannung″ im Holz gesorgt - und aufgrund der hohen Publikumsfrequenz im Heger Holz auch die Angst vor einer Waldbrandsituation″ genährt, führte Gust aus. Dazu komme ein Dauergefecht″ nicht nur gegen den Eichenprozessionsspinner, sondern auch und vor allem gegen den Borkenkäfer, dessen Anzahl sich laut Gust fast verdreifacht hat und der dem hohen Fichtenbestand zu schaffen macht. Gut zu sehen war auf den Bildern des Wort- und Buchhalters, wie binnen zweier Wochen aus grünen Bäumen braune werden, die nicht mehr zu retten sind. Erschwerend komme hinzu, dass das zwangsweise dem Wald entnommene und entwertete Käferholz″ auf einem übersättigten Markt nicht mehr verkäuflich sei, betonte der Forstenvorsteher der Laischaft, Ulrich Läer. Das gelte auch für das von Pilzen befallene Eschenholz. Mit zu Poltern aufgeschichteten, nicht absetzbarem und auch nicht für Kaminfeuer geeignetem Problemholz″ am Wegesrand werden Waldbesucher also noch eine Weile leben müssen.

Auch eine kostspielige Durchforstung und Neubepflanzung der infolge der Entfichtung″ kleinteilig kahl gestellten, inselartigen Flächen im Wald gestalte sich nicht einfach. Zum einen müsse gut überlegt werden, welche Baumarten für welche Standorte und Bodenverhältnisse geeignet seien und zum anderen müsse aufgrund des Wilddrucks″ jede Aufforstungsmaßnahme mit einer Umzäunung begleitet werden, um die Naturverjüngung nicht durch Abbisse zu gefährden. Ein Beispiel für Bäume, die dem Klimawandel trotzen könnten, sind jene Esskastanien, die der Heger Laischaft kürzlich von der Stadt gespendet und die im vergangenen Jahr mit dem Titel Baum des Jahres″ ausgezeichnet wurden so wie in diesem die Flatterulme.

Die extreme Trockenheit habe aber auch positive Aspekte, hieß es vonseiten des Laischaftsvorstehers Ingo Klute, immerhin seien keinerlei Schäden an Wegen und Gräben zu beheben gewesen. Er berichtete auch von Investitionen, die im vergangenen Geschäftsjahr getätigt werden konnten. Neben einer Außentreppe für eine vor sechs Jahren neu gebaute Scheune konnte vor allem der alte Traktor der Laischaft gegen ein neues Modell ausgetauscht werden, das die Genossenschaft in Zukunft in die Lage versetzen wird, laufende Arbeiten wie das Fällen und den Abtransport trockener Fichten nicht mehr an Fremdunternehmer vergeben zu müssen, sondern selbst durchzuführen.

Bei allen Sorgen um den Baumbestand und Probleme mit dem Waldumbau konnte so auch Positives vermeldet werden. Dazu gehörte auch ein Rückblick auf den Schnatgang im vergangenen Jahr. Alle sieben Jahre schreitet die Laischaft die Grenzen der von ihr bewirtschafteten Flächen ab begleitet vom Ruf Olle Use″, der so viel bedeutet wie das gehört alles uns″. Kapellen der Angelaschule und des Ratsgymnasiums begleiteten den Fackelzug mit Waldhorn und alter Wolfstrommel durch die Altstadt. Bereits heute gebe es Anfragen für die Teilnahme am nächsten großen Schnatgang im Jahr 2025, verriet Gust.

Gespannt darf man heute darauf sein, wie dann das gebeutelte Heger Holz aussehen wird.

Bildtext:
Der Rückblick auf einen gelungenen Schnatgang ließ die Laischafts-Interessenten einen Moment lang die Sorge um ihren Wald vergessen, der den Abend ansonsten überschattete.
Foto:
Matthias Liedtke
Autor:
Matthias Liedtke


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