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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Lebensgefahr für Spaziergänger
Zwischenüberschrift:
Warum die Landesforsten in Osnabrück 145 Jahre alte Buchen fällen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Seit Freitag lassen die Niedersächischen Landesforsten im Wäldchen Nürenburg″ bei KME zwischen Knoll- und Schlachthofstraße die Motorsäge aufheulen. Rund 50 Buchen und einige Eichen müssen weichen 30 Meter hoch, 145 bis 160 Jahre alt. Geplant war das nicht.

Eigentlich wollte das zuständige Forstamt Ankum nur im Bereich der Wege tätig werden und sicherstellen, dass dort niemand von einem herabfallenden Ast oder umstürzenden Baum erschlagen wird, sagt Forstamtsleiter Reinhard Ferchland. Doch dann stellten seine Mitarbeiter fest: Mitten im Wäldchen sind so viele Buchen morsch und teilweise bereits abgestorben, dass Gefahr für Leib und Leben besteht. Das Wäldchen ist beliebt bei Spaziergängern, Hundebesitzern und Radfahrern, außerdem grenzt ein Kindergarten an das Wäldchen an.

Durch die Trockenheit in den Sommern 2018 und 2019 sind die Buchen, die dort einen Großteil des Bestandes ausmachen, teilweise so angegriffen, dass so Ferchlands Vermutung ein Pilz ihnen den Garaus gemacht hat.

Forstwirtschaftsmeister und Ausbilder Erik Lohmeyer legt den Kopf in den Nacken und deutet in die Krone einer stattlichen Buche. Wipfeldürre und Vergreisung″ sind die Stichworte, die er nennt. Einige Äste sind kahl, auch wenn an anderen noch Blätter hängen, die sich langsam von grün zu braun färben, es ist ja schießlich Herbst. Einen Frühling wird es für diesen Baum nicht geben. Der wird absterben″, sagt Lohmeyer. Wenn die Forstleute nichts unternehmen, sieht er bald aus wie sein Nachbar: die Rinde abgeblättert und keine Blätter mehr an den Ästen, tot.

Bevor Lohmeyer und seine Kollegen die Motorsäge ansetzen, befestigen sie ein Seil am Stamm. Mit einem Fahrzeug wird der angesägte Baum gezogen, bis er fällt.

So ein Baum kann jederzeit umfallen″, betont Forstamtsleiter Ferchland. Im Harz hatte vorige Woche erst ein Forstmitarbeiter einen schweren Unfall, als ein Baum unvermittelt umstürzte. Das ist saugefährlich″, so Ferchland. Schon ein abbrechender Ast, der nach einem Regen wie an diesem Wochenende mit Wasser vollgesogen ist, könne Spaziergänger erschlagen, warnt der Forstamtsleiter.

Er blickt auf die bereits gefällten Exemplare. Wir hatten die stille Hoffnung, dass wir das noch als Industrieholz vermarkten können.″ Doch das Holz sei zu angegriffen und werde vermutlich nur noch als Brennholz genutzt werden können. An einigen Stämmen sind außerdem Bohrlöcher von Schädlingen erkennbar, die dem angegriffenen Baum zusätzlich zugesetzt haben.

Den Verbindungsweg zwischen Knollstraße und Schlachthofstraße, den viele Fahrradfahrer nutzen, um auf den Radschnellweg in Richtung Innenstadt zu gelangen, haben die Waldarbeiter für die Fällungen gesperrt, heute finden dort die letzten Arbeiten statt. Obwohl die Motorsäge zu hören ist, laufen oder fahren trotzdem Leute an der Absperrung vorbei. Ferchland mahnt: Wenn gesperrt ist, sollen sich die Leute bitte auch daran halten.″ Es könne immer passieren, dass ein gefällter Baum beim Fallen einen anderen mitreiße und dann auf dem Weg lande.

Kahlschlag im Heger Holz

Auch im Heger Holz, Osnabrücks vielleicht bekanntestem Naherholungsgebiet, kämpfen die Bäume mit der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer. Unsere stärkste Buche, ein sogenannter Baumzwiesel, trocknet seit Juni in der Krone ein″, sagt Gerhard Gust, Wort- und Buchhalter bei der Heger Laischaft. Vier Mann seien nötig, um diesen stattlichen Baum zu umfassen. Derzeit stehe die Buche unter Beobachtung, erläutert Gust.

Probleme bereitete im Heger Holz zuletzt vor allem der Borkenkäfer. Wir haben an drei Stellen im September regelrechte Kahlschläge machen müssen″, so Gust. Betroffen waren Fichten. Zum Glück sei der Baumbestand im Heger Holz gut durchmischt, Fichten machen dort nur 18 Prozent des Bestandes aus. Doch auch wenn es in den vergangenen Tagen ergiebig geregnet habe, seien die Böden nur oberflächlich durchfeuchtet. Die Folgen durch die beiden trockenen Jahre würden noch über Jahre wahrnehmbar seien, sagt Gust.

Bildtexte:
Forstamtsleiter Reinhard Ferchland.
Dieser Baum wird gefällt, bevor er von alleine umstürzt.
Geschwächt durch Trockenheit, ist die Buche gestorben.
Viele Passanten ignorieren die Sperrung.
Fotos:
Gert Westdörp
Autor:
Sandra Dorn


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