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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Krematorium soll erweitert werden
 
Konkurrenz für das Krematorium?
Zwischenüberschrift:
Erweiterung in Osnabrück hängt von Entwicklung in Lingen ab
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Wandel der Bestattungskultur zwingt die Stadt wahrscheinlich zu einer Millioneninvestition: Das Krematorium soll um einen Anbau mit Kühlkammern und Funktionsräumen erweitert werden. Unklar ist, ob ein dritter Ofen nötig wird.

Osnabrück Der Trend zur Feuerbestattung bringt das Osnabrücker Krematorium an seine Grenzen. Es soll erweitert werden. Doch der Plan birgt ein Risiko.

Mitte der Neunzigerjahre wurden noch zwei Drittel der Verstorbenen in der Erde bestattet, ein Drittel verbrannt. Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt. Das Krematorium verbrennt pro Jahr 4500 Leichname und kommt damit an seine Kapazitätsgrenzen. Vor allem die würdige Lagerung der Toten bis zur Kremierung kann zum Problem werden, wenn plötzlich viele Särge angeliefert werden. Deshalb plant der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB), in dessen Zuständigkeit das Krematorium liegt, eine schrittweise Erweiterung.

Zunächst soll ein Zweckbau mit zwei weiteren Kühlkammern und einem angemessenen Raum für die amtsärztliche Schlussuntersuchung geschaffen werden. Darüber hinaus soll es einen neuen Abschiedsraum für Angehörige von Verstorbenen geben. Das ist mir besonders wichtig″, sagte Eva Güse, beim OSB für Friedhöfe und Bestattungswesen zuständig. Der Umgang mit Trauer hat sich verändert, dem wollen wir damit Rechnung tragen.″ Der Erweiterungsbau von 1993 sei unter anderen Gesichtspunkten gebaut worden nämlich unter technischen. Der neue Abschiedsraum werde die Technik verbergen und eine angenehmere Atmosphäre schaffen.

Im zweiten Schritt ist eine Erweiterung um einen dritten Ofen möglich. Der Neubau soll so gestaltet werden, dass die Anlage komplikationslos eingebaut werden kann.

Das Krematorium ist ein Ort, an dem tiefste menschliche Gefühle mit hocheffizienter Technik und knallharter Wirtschaftlichkeit aufeinandertreffen. Pietätvoll muss es zugehen, gleichzeitig darf die Verbrennungsanlage inmitten städtischer Besiedlung nicht den Hauch irgendwelcher Schadstoffe aus dem Zwillingsschornstein entweichen lassen.

Und natürlich muss das Krematorium wirtschaftlich arbeiten und die Gebühren für die Bürger möglichst gering halten. Der Service-Betrieb kalkuliert mit Kosten für den Zweckbau von 3, 1 Millionen Euro. Darin sind die Investitionen für die dritte Ofenlinie nicht enthalten. Dem Finanzausschuss liegen für die Sitzung in der kommenden Woche mehrere Szenarien über die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Krematoriums vor. Der Unterschied liegt in einem Punkt: Wird es bald ein konkurrierendes Krematorium in Lingen geben? Sollte der Plan dort umgesetzt werden, dürften die Einäscherungen in Osnabrück deutlich teurer werden. Gebühren steigen

Für die Emsländer ist Osnabrück das nächstgelegene Krematorium. Fast ein Fünftel der Kremierungen auf dem Heger Friedhof entfallen auf Kunden aus dem Emsland. In Lingen steht nun ein Investor bereit. Auch die Politik ist gewillt, der gesellschaftlichen Veränderung Rechnung zu tragen und eine ortsnahe Einäscherung zu ermöglichen. Allein am Standort der geplanten Anlage in Lingen-Brögbern wehren sich Bürger gegen den Bau eines Krematoriums.

Diese Ungewissheit in Lingen bringt eine Variable in die Osnabrücker Kalkulation: Kommt die Konkurrenz an der Ems, rechnet der OSB mit einem Rückgang der Zahl der Einäscherungen um 960 pro Jahr. Tritt das ein, steigen hier die Kosten pro Einäscherung. Die Rechnung bezahlen die Bürger: Die Gebühren würden dann nach OSB-Berechnungen bis 2031 um 40 bis 50 Prozent steigen.

Zurzeit kostet eine Einäscherung 235 Euro. Kommt Lingen auf den Markt, werden die Gebühren in Osnabrück auf 345 bis 375 Euro steigen. Hinzu kommen Gebühren für die amtsärztliche Untersuchung (derzeit 53 Euro) und die Urnenbestattung (75 Euro). Wird die Anlage an der Ems nicht realisiert, rechnet der OSB mit einer Gebühr von 275 bis 280 Euro was der normalen Inflationsentwicklung (18 Prozent über zehn Jahre) entsprechen würde.

Der Stadtrat hat im Juni dem OSB den Auftrag erteilt, einen Vorentwurf und eine Kostenschätzung zu erarbeiten. Am Dienstag befasst sich der Finanzausschuss damit, am 5. November entscheidet der Rat, ob die Erweiterung in Angriff genommen wird.

Bildtexte:
4500 Einäscherungen pro Jahr, Tendenz (vermutlich) steigend. Deshalb braucht das Krematorium unter anderem mehr Kühlräume. Ob es einen dritten Ofen geben wird, hängt von der Entwicklung in anderen Orten ab.
Bürgerinitiative gegen Bau eines Krematoriums in Brögbern bei Lingen.
Fotos:
Archiv/ David Ebener, Thomas Osterfeld, Ludger Jungeblut

Kommentar
Neue Wege

Wer sich mit dem Wandel der Bestattungskultur und der Zukunft des Krematoriums beschäftigt, muss den Blick zwingend auch auf die Friedhöfe richten. Nicht nur in Osnabrück bahnen sich erhebliche Probleme an.

Durch die sinkende Zahl der Erdbestattungen ist das Friedhofswesen längst ein Zuschussgeschäft für die Stadt. Über eine Million Euro fließen jährlich aus dem Kernhaushalt in die Friedhofsbewirtschaftung. Wollte der OSB die Gebühren kostendeckend machen, müssten Erdbestattungen um 55 Prozent teurer werden, Das kann niemand wollen.

Die Stadt steht wie viele andere Kommunen vor der Wahl, immer mehr Geld in die Pflege der zu groß gewordenen Friedhofe zu stecken oder neue Wege zu gehen: Aus Friedhöfen werden Parks, aus früheren Friedhofserweiterungsflächen Bauplätze. Und auch der nächste Schritt muss ernsthaft zu Ende gedacht werden: die Bebauung früherer Bestattungsflächen. Heute noch ein Tabu, in zehn Jahren vielleicht gesellschaftlich akzeptiert.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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