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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück bekommt neue Radstation
 
Platz für mehr als 2000 Fahrräder
Zwischenüberschrift:
Am Osnabrücker Bahnhof entsteht Deutschlands zweitgrößte Radstation
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Radstation am Osnabrücker Hauptbahnhof bekommt neue Räume und viel mehr Platz. Nach den Plänen der Stadt und der Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) soll dafür das Untergeschoss der Bahnhofsgarage umgebaut und für mehr als 2200 Fahrräder hergerichtet werden. Nur in der Nachbarstadt Münster gibt es deutschlandweit eine noch größere Radstation sie liegt ebenfalls direkt am Hauptbahnhof. Bislang ist die Osnabrücker Radstation im Westflügel des Bahnhofsgebäudes untergebracht. Dort können etwas mehr als 850 Fahrräder untergebracht werden. Der Mietvertrag für diesen Standort läuft nach 20 Jahren Ende 2020 aus eine günstige Gelegenheit also für einen Umzug.

Osnabrück Die Radstation am Osnabrücker Hauptbahnhof wird ihren Standort wechseln: Nach 20 Jahren läuft der Mietvertrag für die Radstation im Westflügel des Bahnhofsgebäudes Ende 2020 aus. In der Halle können 856 Fahrräder untergestellt werden, außerdem gibt es unter der Regie der Arbeitslosenselbsthilfe einen Fahrradverleih, eine automatische Waschanlage und einen Pannenservice. Für die Nutzer ist vorteilhaft, dass zwischen dem Bahnhofsportal und der Radstation nur gute 100 Meter liegen.

Zur neuen Radstation wird der Weg noch kürzer sein. Um die Radler ins Parkhaus auf der anderen Seite des Theodor-Heuss-Platzes zu locken, will die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) einen eigenen Zugang zum Bahnhofsvorplatz schaffen, während die Autos weiterhin an der Bruchstraße ein- und ausfahren sollen. Geschäftsführer Wigand Maethner macht deutlich, dass die Kundschaft mit zwei Rädern den gleichen Komfort erwarten darf wie die mit vier Rädern: Wir arbeiten sehr intensiv daran!″, versichert der OPG-Chef im Gespräch mit unserer Redaktion.Erfahrung aus Münster

Bei der Planung soll auf die Erfahrungen aus Münster zurückgegriffen werden. Dort feierte die größte Radstation Deutschlands″ kürzlich ihren 20. Geburtstag. 3500 Velos lassen sich unter der Pyramide am Hauptbahnhof abstellen. Mit Abstellmöglichkeiten für 2265 Fahrräder würde Osnabrück zahlenmäßig auf Platz 2 kommen, rechnet Maethner vor. Da könnte das Know-how aus Münster helfen, dass es auch in den Stoßzeiten am Morgen nicht zu langen Wartezeiten kommt.

Ein Automat mit Chipkarte soll die Abfertigung vor allem für die Tagesparker beschleunigen. Sie könnten ihre Velos dann auch nachts abholen, was bislang nicht möglich ist. Um dem Trend zum E-Bike Rechnung zu tragen, sieht die Planung 234 Stellplätze mit Lademöglichkeit vor. Im Untergeschoss der Bahnhofsgarage steht zwar deutlich mehr Platz zur Verfügung als in der alten Radstation, aber nicht überall reicht die Deckenhöhe, um die Fahrräder doppelstöckig zu parken.

Bei der Finanzierung der neuen Radstation hofft die Stadt auf eine Förderung durch die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG). Schon im Mai wurde ein entsprechender Antrag gestellt, eine Entscheidung ist aber erst im kommenden Jahr zu erwarten. Es steht auch noch nicht fest, wer die Radstation in Zukunft betreiben wird.ASH will weitermachen

Die Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) hat jedenfalls großes Interesse, den Vertrag mit der Stadt zu verlängern, wie ASH-Geschäftsführer Hubert Thole versichert. Über die Betreiberfrage wird voraussichtlich eine Ausschreibung im nächsten Jahr entscheiden.

In Osnabrück gab es Überlegungen, auch andere öffentliche Parkhäuser für Fahrräder zu öffnen. Davon ist die Stadtverwaltung inzwischen jedoch weitgehend abgerückt. Nach den gängigen Standards müssten Zufahrten und Stellflächen von denen für Autos konsequent getrennt werden, heißt es in einer Vorlage für den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Schon deshalb kämen nur ebenerdige Parkhäuser infrage. Doch für die sichere Unterbringung von Fahrrädern eigneten sich auch die aus verschiedenen Gründen nicht.

Parkhaus Kollegienwall: Die Hochgarage besteht aus versetzten Halbebenen. Sie bringen es mit sich, dass sich die Wege für Radler und Autofahrer kreuzen. Fazit: zu gefährlich. Es soll geprüft werden, ob auf der Grünfläche vor dem Parkhaus Radkäfig oder Radboxen erstellt werden können.

Parkhaus Lotter Straße: Auch hier gibt es das Problem mit den Halbebenen, außerdem lasse sich kein separater Eingang für Fahrräder schaffen, heißt es im Bericht der Verwaltung.

Nikolai-Garage: Hier könnten Radler zwar die für Fußgänger geschaffenen Eingänge nutzen, müssten aber die Straße kreuzen, auf denen Autos und Busse das Gebäude umrunden. Ein Sicherheitsrisiko, vermerkt der Fachbereich Städtebau. Außerdem ginge das Fahrradparken zulasten von Stellplätzen, die vorrangig als Frauen- und Behindertenparkplätze dienen. Als Alternative sollen demnächst Radboxen im Bereich Kamp/ Nikolaiort aufgestellt werden.

Stadthaus-Garage: In dem ebenerdig erreichbaren Parkhaus gibt es schon gesicherte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in einem vorgelagerten Gebäude, allerdings nur für Mitarbeitern der Verwaltung. Das sollen sogar noch mehr werden, weil die Stadt das betriebliche Mobilitätsmanagement fördert.

Vitihof-Garage: Weil die Parkebenen als Schrägrampen gebaut sind, fehlen in dem Parkhaus gerade Flächen zum Abstellen von Fahrrädern. Außerdem gibt es Bedenken, dass sich Radler und Autofahrer in dem unterirdischen Einbahnsystem in der nördlichen Altstadt in die Quere kommen.

Bildtext:
Autos raus, Fahrräder rein: Im Untergeschoss der Bahnhofsgarage soll demnächst Osnabrücks neue Fahrradstation entstehen die zweitgrößte in Deutschland.
Der Mietvertrag für die Immobilie im Westflügel des Hauptbahnhofs läuft Ende 2020 aus.
Fotos:
Jörn Martens

Kmmentar
Kreativität ist gefragt

Was machen wir eigentlich mit den vielen Parkhäusern in Osnabrück, wenn die Verkehrswende zieht? Wenn es überall Sunglider, E-Busse und überdachte Radschnellwege gibt, um bequem und trocken die Innenstadt zu erreichen? Wenn der motorisierte Individualverkehr am Ende nur noch von Polizei und Feuerwehr, Lieferanten und Gehbehinderten in Anspruch genommen werden muss? Dann stellt sich die Frage, ob die Katakomben der Autogesellschaft noch für etwas Sinnvolles taugen.

Es liegt vielleicht nahe, Parkhäuser als Fahrradgaragen zu nutzen. Am Bahnhof wird das auch funktionieren, weil der Bedarf riesig ist und die Lage kaum besser sein könnte. Denkbar, dass nach dem Untergeschoss auch noch weitere Ebenen von den Velos erobert werden. Aber das gilt nur für die Bahnhofsgarage.

Die meisten Parkhäuser in Osnabrück sind für den Fahrradverkehr der Zukunft kaum oder gar nicht geeignet: falscher Standort, ungünstige Bauweise und vor allem: viel zu groß. Auf einen Autostellplatz passen zehn Fahrräder, mit Doppelstockständern noch mehr. Selbst wenn drei von vier Fahrten mit dem Velo zurückgelegt würden, brauchte niemand so viel Platz.

Und was soll dann mit den Parkhäusern geschehen, die niemand mehr braucht? Verkehrsexperten schlagen Zwischenlager für die City-Logistik vor. Von dort aus könnten die Waren im Idealfall mit einer Art Rohrpost in die Einzelhandelsgeschäfte befördert werden. Eine andere Idee sind Wohnungen. Ein Problem ist dabei häufig die zu geringe lichte Höhe und die große Tiefe der Parkhaus-Ebenen. Kreative Architekten haben in Köln und Münster die oberen Etagen von Hochgaragen abtragen lassen, um dort Wohnungen zu bauen. Vielleicht erleben wir das ja auch eines Tages in Osnabrück.

rll@ noz, de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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