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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bei offenem Fenster schlafen ist bald vorbei
Zwischenüberschrift:
Drei Jahre Bauarbeiten in der Knollstraße gehen ihrem Ende entgegen / So haben die Anwohner es ausgehalten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Am 15. November, vielleicht ein paar Tage früher, soll die Straße nach aktueller Auskunft der Stadt wieder freigegeben werden. Wie sehr hat die Baustelle den Anwohnern zugesetzt? Und was erwartet sie nun? Ein Besuch. Wir starten dort, wo am 17. Oktober 2016 um 7 Uhr morgens alles begann: Am unteren Ende der Knollstraße, vom Nonnenpfad kommend in der Kurve. Damals wurde hier der erste Abschnitt für Autofahrer gesperrt und damit die zentrale Verbindung zwischen dem Zentrum und den östlichen Stadtteilen gekappt. Gekappt ist sie bis heute, nur dass die Baustelle inzwischen knapp zwei Kilometer hoch an den Haster Weg gewandert ist. Abschnitt für Abschnitt. Sechsmal wurden auf 300 Metern Kanäle, Fahrbahn und Gehewege erneuert.

Bei offenem Fenster schlafen ist bald vorbei″, sagt eine Anwohnerin aus der unteren Knollstraße. Dass sie wegen des Baustellenlärms die Fenster geschlossen hielt, ist schon zwei Jahre her und fast vergessen. Seitdem herrscht himmlische Ruhe. Nur vereinzelt fahren Autos durch die Straße ein Traum für Radfahrer, für die es hier überwiegend nur schmale Schutzstreifen gibt.

Gebaut wird aktuell anderthalb Kilometer weiter nördlich, wo die Baustelle ihren letzten Abschnitt erreicht hat und die Mitarbeiter der Baufirma Dieckmann die Straßendecke fit machen für den Durchgangsverkehr. Das Ende, der Haster Weg, ist in Sicht.

Vier Wochen noch, dann soll die Durchfahrt freigegeben werden, und es ist vorbei mit der Ruhe. Durchschnittlich 8000 Fahrzeuge täglich wurden vor der Sperrung in der Knollstraße gezählt.

Die Fahrbahn auf den fertigen Abschnitten ist sauber geteert, die Gehwege nebst Parkstreifen sind tipptopp gepflastert. Ist schön geworden″, findet die Anwohnerin der unteren Knollstraße. Doch das hat sie einiges an Nerven gekostet. Mein Mann hat ein Büro in Wersen″, berichtet sie mit Blick auf die lange Sperrung in Richtung Innenstadt in der Anfangsphase. Es hat doppelt so lange gedauert, dort hinzukommen.″ Davon können nicht nur Anwohner, sondern auch diverse Pendler ein Lied singen, die den Bereich seit drei Jahren umfahren müssen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der neuen Straße variiert: 50 Stundenkilometer, dann 30, dann wieder 50 immer im Wechsel. Das irritiert unheimlich″, ärgert sich die Anwohnerin. Ein anderer Anwohner findet: Auf der ganzen Straße sollte Tempo 30 gelten.″Ärger über die Busse

Wir fahren ein paar Hundert Meter weiter nach Norden. An der Bushaltestelle Klinikum Gertrudenberg″ warten Passagiere auf den Bus in Richtung Neumarkt, die meisten von ihnen Anwohner, aber auch eine Mitarbeiterin das Ameos-Klinikums.

Man weiß nie: Fährt der Bus oder fährt der nicht″, wettert eine ältere Dame. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich zu Fuß gelaufen bin.″ Der Ärger auf die Stadtwerke ist groß. Ein anderer Wartender sagt: Man nimmt schon extra einen Bus früher, um sicherzugehen, dass man rechtzeitig auf der Arbeit ist.″ Immer wieder hatte es während der Bauphase Beschwerden über den Busverkehr gegeben. Geblieben ist Frust, auch wenn der Bus dieses Mal pünktlich kommt.

Viele Senioren leben in der Knollstraße. Für sie waren die Einschränkungen im Busverkehr ein großes Problem. Ich bin auf den Bus angewiesen″, sagt etwa Erika Georth, die wir im oberen Drittel der Straße treffen. Die 82-Jährige geht mit ihrem Rollator langsam und vorsichtig von der derzeitigen Endstation der Linie 35 am Karl-Luhmann-Heim zu ihrer Wohnung. Sie ist froh, dass überhaupt wieder ein Bus in der Nähe hält. So kommt sie zumindest wieder bis zum Neumarkt. Vorher musste sie 20 Minuten bis zur Haltestelle Widerhall″ am Haster Weg laufen. Je nach Tagesform ging das oder eben nicht.

Das große Problem ist: Hier wohnen unheimlich viele alte Leute″, sagt Anwohner Thomas Gärtner. Die Zuwegung und die Bussituation waren eine Katastrophe.″ Nicht zu vergessen die Autofahrer, die eine Zeit lang den Bauabschnitt vor der Zufahrt zum Ameos-Klinikum über einen Fußweg illegal umfuhren bis die Stadtwerke den Schleichweg im Oktober 2017 mit Betonrohren blockierten.

Jeder Anwohner, den wir treffen, weiß von Baulärm zu berichten, Stromausfälle gab es hier und da, und mal war auch das Wasser weg. Und die Bauarbeiter? Die waren nett″, sagt Seniorin Georth und ist mit dieser Meinung nicht alleine.Hohe Umsatzeinbußen

Wirklich gebeutelt waren und sind die wenigen Geschäfte. Bei Apothekerin Anastasia Riedel reicht das Stichwort Baustelle″, und schon sprudelt es aus ihr heraus. Das war so eine schwere Zeit für uns″, sagt sie. Als die Baustelle vor ihre Pelikan-Apotheke gewandert war, von April 2018 bis nach den Sommerferien 2018, haben wir wirklich gelitten.″ Von 40 Prozent Umsatzeinbußen spricht sie. Aber wir haben durchgehalten.″ Jetzt wartet sie sehnsüchtig auf die komplette Freigabe der Straße.

Den Betreibern der Pension und des Imbisses Sonnenblume″, vor der die Bauarbeiten in die Endzüge gehen, geht es ähnlich. Ich muss erst zu den Pommes!″, sagt Jürgen Schwermann. Er ist der Einzige, der beim heutigen Mittagstisch die Kunden bedient. Personal können sie sich in der Sonnenblume nicht mehr leisten. Wir haben 70 Prozent Umsatzrückgang.″ Der Betrieb gehört seiner Partnerin, und wenn die Schwiegereltern nicht mithelfen würden, könnten sie dichtmachen, erzählt er. Wir leben von unserer Pension.″ Zwölf Zimmer haben sie und zumindest da laufe das Geschäft gut, sagt Schwermann.

Die Öffnungszeiten des Restaurants haben sie auf ein Minimum reduziert, dienstags bis freitags von 11.30 bis 14.30 Uhr. Für ihre Stammgäste. Und da sitzen sie, beide einen Teller Rindergulasch vor sich: Beate Heuckmann-Laarmann und ihr Mann Wilhelm. Wir sind jeden Tag hier″, sagt Beate Heuckmann-Laarmann. Das Paar lebt in einer Seitenstraße und wird wie alle anderen aufatmen, wenn die langen Umwege mit dem Auto nicht mehr nötig sind.

Vor dem Fenster schaltet ein Bauarbeiter die Fräse aus. Mittagspause. Die Baustelle selbst ist ja eigentlich in Ordnung″, findet Jürgen Schwermann, der trotz allem seine gute Laune nicht verloren hat und Wilhelm Laarmann in die Jacke hilft. Wir brauchen die neue Straße ja, die alte war auf.″

Bildtext:
Bereit für den Durchgangsverkehr: Die Knollstraße ist fast fertig. Nach Baulärm und Staub wird nun wieder Verkehrslärm einsetzen.
Wilhelm Laarmann und seine Frau Beate Heuckmann-Laarmann haben dem Restaurant Sonnenblume die Treue gehalten.
Erika Georth ist auf den Bus angewiesen. Die eingeschränkte Erreichbarkeit war für sie ein größeres Problem als der Baulärm.
Das kann weg: Viel ist nicht mehr zu tun für die Baufirma Dieckmann.
Apothekerin Anastasia Riedel und ihre Kollegin Susanne Schmalge waren in der Bauphase kaum erreichbar.
Das Ende in Sicht: Auf dem letzten Abschnitt vor dem Haster Weg werden Straße und Gehwege fertiggestellt.
Fotos:
Jörg Martens
Autor:
Sandra Dorn


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