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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Affentheater im Zoo: Schimpanse Tatu muss gehen
Zwischenüberschrift:
Gruppe nun erst einmal ohne Männchen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Zwei Jahre lang ging es bei den Schimpansen drunter und drüber. Jetzt wollte der Zoo Osnabrück das gefährliche Affentheater nicht länger mit ansehen. Hordenführer Tatu musste den Schölerberg verlassen. Zurück bleibt eine neunköpfige Gruppe ohne zuchtfähiges Männchen.

Wie der Zoo am Freitag mitteilte, sei Tatu bereits Anfang der Woche an den Zoo Basel abgegeben worden. Als Grund werden anhaltende Spannungen in der Schimpansengruppe″ genannt.

Dabei hätten die Tiere sehr lange Zeit äußerst harmonisch″ zusammengelebt, berichtet Kurator Tobias Klumpe. Als jedoch die Weibchen vor zwei Jahren damit begannen, die Rangordnung neu festzulegen, sei es mit der Eintracht vorbei gewesen. Bis zuletzt habe sich unter den Primaten am Schölerberg kein Frieden mehr herstellen lassen. Und das, obwohl dem Zoo Osnabrück ein internationales Expertenteam zur Seite stand bestehend aus den Mitgliedern des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Schimpansen und dem sogenannten Species Committee″. Dies sind Biologen anderer Zoos, die ebenfalls sehr erfahren in der Haltung von Schimpansen sind.

Wir haben die Gruppe nun längere Zeit in verschiedenen Untergruppen getrennt gehalten. Außerdem haben wir versucht, durch zwei neue Weibchen die Gruppenstruktur neu aufzubauen″, erklärt Klumpe. Leider habe sich die Situation aber nicht entspannt, weshalb am Ende mit dem 30-jährigen Tatu das einzige ausgewachsene Männchen gehen musste.

Sein Platz in der Osnabrücker Schimpansenanlage, die zu den größten in Europa gehört, soll jedoch nur vorübergehend frei bleiben. Nach einem geeigneten Nachfolger werde bereits Ausschau gehalten. Klumpe: Auch in der Natur übernehmen Männchen eine Gruppe von Weibchen. Um den passenden Schimpansen aus einem anderen Zoo zu finden, sind wir weiterhin mit den zuständigen Stellen in Kontakt.″

Allerdings sei Streit auch bei einer neuen Zusammensetzung der Gruppe nicht ausgeschlossen. Leider können Schimpansen recht aggressiv werden, sodass die Tiere sich eventuell auch gegenseitig Verletzungen zufügen″, so der Kurator. Auch in der Natur würden Schimpansen andere Artgenossen überfallen oder sogar töten. Ihr Verhalten sei für Menschen oft schwer zu verstehen.

Die Osnabrücker Schimpansengruppe besteht derweil aus neun Schimpansen: Weibchen Lady mit Tochter Tisa, Weibchen Vakanga mit Tochter Tamika und Sohn Mshango, Weibchen Vanessa mit Sohn Helmut sowie den Weibchen Buba und Amelie.

Männchen Tatu lebte seit seiner Geburt im Jahr 1989 im Zoo Osnabrück, zeugte dort dutzendfach Nachwuchs. Entsprechend schwer fiel den Tierpflegern der Abschied: Tatu war ein liebevoller Vater″, sagt Revierleiter Wolfgang Festl. So eine Persönlichkeit abzugeben ist für uns Tierpfleger immer schwierig. Aber ihn hierzubehalten war keine Option. Und die ständige Trennung der Gruppe ist auch für die Tiere selbst keine dauerhafte Lösung.″

Im Moment sei die Weibchengruppe recht ruhig und scheint auch mit Tatus Rückkehr zu rechnen. Ich gehe aber davon aus, dass die Gruppe sich ab Anfang nächster Woche an die neue Situation gewöhnt hat und dann auch eine neue Rangordnung erarbeitet. Dabei kann es noch mal etwas rabiat zugehen″, vermutet Festl.

Die systematische Erhaltungszucht von Schimpansen in Zoos ist laut Biologe Klumpe zwar manchmal herausfordernd, aber sehr wichtig. Auch wenn Zoogegner die Haltung von Menschenaffen kritisieren, muss man der Entwicklung in der Wildbahn ins Auge sehen: Die Bestandszahlen in der Natur sind dramatisch zurückgegangen.″ Allein die Anzahl der frei lebenden Westafrikanischen Schimpansen also jener Unterart, die auch der Zoo Osnabrück hält sei in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent geschrumpft: auf nur noch 15 000 bis 20 000 Tiere.

Bildtext:
Schimpanse Tatu wurde 1989 im Osnabrücker Zoo geboren und lebte hier 30 Jahre. Jetzt musste er den Schölerberg in Richtung Schweiz verlassen.
Foto:
Zoo Osnabrück/ Lisa Simon
Autor:
Sebastian Stricker


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