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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Stolpersteine″ für Felix und Felka
Zwischenüberschrift:
Gunter Demnig verlegt Plaketten am letzten Brüsseler Wohnort des ermordeten Künstlerpaares
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
BRÜSSEL. Am 31. Juli 1944 wurden sie mit dem letzten Transport, der aus Belgien abging, nach Auschwitz verschleppt und dort kurz nach ihrer Ankunft ermordet: der in Osnabrück geborene Maler Felix Nussbaum und seine Frau Felka Platek. Jetzt erinnern zwei Stolpersteine″ des Künstlers Gunter Demnig an das letzte Brüsseler Domizil des Paares in der Rue Archimède.

Unweit der Stelle, an der sich seit 1943 Felix Nussbaum und Felka Platek in einem Mansardenversteck verbargen, schlägt heute das Herz des vereinten Europa. Am Rond Point Robert Schuman, einem ausladenden Kreisverkehr, streckt sich das Palais Berlaymont, Sitz der EU-Kommission, mit seinen drei gewaltigen Flügeln in den Stadtraum. An spiegelnden Glasfassaden der Büroblöcke flutet der Verkehr vorüber auch in die Rue Archimède, die den Rond Point Robert Schuman mit einem Park verbindet. Mit Restaurants, Geschäften und durchgehendem Baumbestand macht die Straße einen einladend freundlichen Eindruck. Passanten eilen vorüber, Autos fahren vorbei auch an der Hausnummer 22, heute ein unauffälliges Hotel.
Passanten schauen nur für einen Augenblick auf, als sie die Gruppe von Menschen wahrnehmen, die sich vor dem Haus der Nummer 22 versammelt haben. Am Straßenrand steht ein Lastwagen des Brüsseler Straßenbauamtes, daneben das Auto des Künstlers Gunter Demnig aus Frechen bei Köln. Der hat auf dem Straßenpflaster nicht allein sein Werkzeug ausgebreitet, sondern dort auch zwei Steinwürfel hingelegt, die golden glänzende Messingplaketten tragen. Es sind die Stolpersteine″ für Felix Nussbaum und Felka Platek.
Rund 30 000 solcher Stolpersteine″ hat Demnig inzwischen seit 1996 verlegt. Jeder erinnert an einen von den Nationalsozialisten deportierten und ermordeten Menschen. Demnig platziert die Stolpersteine″ vor den letzten Wohnadressen der Nazi-Opfer und macht so jeden einzelnen Stein zu einem kleinen, aber unübersehbaren Denkmal.
Wir freuen uns sehr über diese Verlegung″, sagt in Brüssel Ruth Breuer. Die aus Bonn stammende Psychoanalytikerin lebt seit 1964 in Brüssel, aus freiem Willenim Exil″, wie sie selbst sagt. Ich wohne zehn Gehminuten von hier, sozusagen im gleichen Viertel wie Nussbaum und Platek″, erläutert Breuer weiter, die im Namen der Association pour la Mémoire de la Shoah″, einer privaten Vereinigung, Gunter Demnig angefragt hat.
Demnig, der Mann mit Künstlerhut und Knieschutz, macht sich in der Rue Archimède ans Werk, nachdem Handwerker der Stadt das Straßenpflaster aufgestemmt haben. Er setzt die beiden Steine passgenau in die Löcher ein, füllt Sand nach, klopft alles mit dem Hammer fest. Das Erinnerungswerk ist in diesen Momenten ganz nüchterne Handarbeit. Unterdessen klicken nicht nur die Kameras der Mitglieder der Association″, auch Medienleute filmen, führen Interviews. Das ist schon etwas ganz Besonderes. An Nussbaum kommt man schließlich nicht vorbei″, kommentiert Demnig die Verlegung. Am gleichen Tag hat er schon in Lüttich Stolpersteine″ verlegt. InBrüssel stehen noch weitere Termine an. Demnig arbeitet auf Anfrage von Initiatoren, wie etwa der Brüsseler Gedenkvereinigung.
Es ist wichtig, den Namen Felix Nussbaums auch hierwieder ins Bewusstsein zuholen″, sagt Inge Jaehner, Direktorin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses, die zu der Verlegung nach Brüssel gereist ist. Sie hofft, dass die beiden Steine dazu beitragen, vielleicht noch auf Zeitzeugen zu stoßen, die etwas zu Nussbaums Zeit in Brüssel sagen können. Welche Netzwerke hatte er eigentlich?″, stellt Inge Jaehner eine wichtige, bis heute nicht befriedigend geklärte Frage. Auf die Verlegung folgt ein kleiner Empfang in der nahegelegenen Berliner EU-Vertretung, die diese Stolperstein″-Verlegung unterstützt. Uns fehlen die Menschen, die wir auf so schreckliche Weise verloren haben″, sagt die stellvertretende Büroleiterin Christa Mientus-Schirmer in ihrer Ansprache. Alle nicken dazu, still und nachdenklich.

Bildtext:
Es ist vollbracht: Die Stolpersteine″ für Felix Nussbaum und Felka Platek (oben, unmittelbar vor ihrer Verlegung) sind eingesetzt. Stolz präsentieren Inge Jaehner, Direktorin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses, Ruth Breuer von der Brüsseler Initiative Association pour la Mémoire de la Shoah″ und Künstler Gunter Demnig (von links) die in das Pflaster der Brüsseler Rue Archimède eingelegten beiden Gedenksteine.
Fotos:
Stefan Lüddemann

KOMMENTAR
Am Ort des Exils nicht vergessen

Das Haus, in dem sich Felix Nussbaum und Felka Platek vergeblich vor ihren Verfolgern zu verbergen suchten, steht seit Jahren nicht mehr. Umso wichtiger ist nun die Verlegung der beiden Stolpersteine″, mit denen der letzte Wohnort auch dieser beiden Opfer des Holocaust kenntlich gemacht wird. Wie die anderen Stolpersteine″ sind nun auch die für Nussbaum und Platek kleine Störstellen im Alltag. Sie markieren Schauplätze des Unrechts, geben zugleich den oft lange vergessenen Opfern ihren Namen zurück und ihren Ort in den Städten, in denen sie als Mitbürger lebten.
Das Brüsseler Gedenken ist einer lokalen Initiative zuverdanken. Ihr Engagement zeigt, dass Nussbaum auch am Ort seines letzten Exils nicht vergessen ist. Das ist eindrucksvoll. Weiter als jeder Stolperstein″ reicht hingegen eine Erinnerung, die sich im kreativen Umgang mit Nussbaums Werk manifestiert. In Ausstellungen und Kunstprojekten muss Nussbaum immer wieder befragt werden. Damit erfüllt sich, was er sich wünschte mit seinen Bildern weiterzuleben.
s.lueddemann@ noz.de
Autor:
Stefan Lüddemann


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