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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stüveschacht wird zur „begehbaren Ruine″
Zwischenüberschrift:
Die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt sollen Ende November abgeschlossen sein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Jetzt noch eine Rampe, ein paar Gitterroste und Geländer, dann kann der Stüveschacht wieder betreten werden. Als begehbare Ruine″ soll das 130 Jahre alte Zechengebäude am Piesberg Ende November zeigen, was in ihm steckt. Keine Dampfmaschine mehr, aber ein Stück Industriegeschichte, das zum Nachdenken anregt.

Hinter den historischen Mauern mit den neuromanischen Rundbogenfenstern soll ein Lernstandort entstehen, der sich der Industriegeschichte am Piesberg und seiner Kulturlandschaft widmet. Das Vorhaben wird von der Stadt Osnabrück unterstützt und könnte ein Teil des Museums Industriekultur werden. Aber wenn es um den Stüveschacht geht, setzt Franz Heidemann ganz ruhig einen Schritt vor den anderen. Der Vorsitzende des Fördervereins weiß, dass er noch viel Überzeugungsarbeit bei Stiftungen und Sponsoren leisten muss, bis aus dem immer noch offenen Baudenkmal ein lebendiges Haus werden kann.

Vor zwei Jahren wuchsen noch Birken aus dem Mauerwerk. Wer sich ins Innere des einstigen Pumpenhauses wagte, musste mit herabfallenden Steinen rechnen. Mit dem ersten Bauabschnitt, der Anfang dieses Jahres abgeschlossen wurde, ist diese Gefahr gebannt. 371 000 Euro hat das alles gekostet, und am Ende war das Bauwerk eine immerhin gesicherte Ruine.

Jetzt wird schon wieder an dem 130 Jahre alten Industriedenkmal gearbeitet. Das Ziel ist eine begehbare Ruine″. Zu diesem Zweck wird das Pumpenhaus des Stüveschachts mit einer Rampe aus verzinktem Stahl versehen, die einen barrierefreien Zutritt ermöglicht. Auch im Innern des Gebäudes gibt es einiges zu tun: Die gemauerten Gräben, in denen die Balanciers der Dampfmaschinen auf und ab stampften, wurden vom Schutt befreit, und nun tun sich 5, 40 Meter tiefe Abgründe auf. Sie sollen auf der einen Seite mit Gitterrosten und auf der anderen mit einem Geländer gesichert werden.

Ende November, so hofft Franz Heidemann, wird die zweite Etappe geschafft sein, für die der Förderverein 116 000 Euro aus verschiedenen Quellen akquiriert hat.

Wenn sich die Stiftungen und Sponsoren weiterhin gnädig erweisen, kann es gleich 2020 weitergehen. Architekt und Vereinsmitglied Markus Wiekowski hat die Pläne für Bauabschnitt Nr. 3 schon fertig. Mit einem Tonnendach aus Blech wie anno 1888 soll das offene Baudenkmal wetterfest gemacht werden. Ein Stromanschluss ist geplant und eine Beleuchtung. 225 000 Euro werden für diese Arbeiten veranschlagt, und die Förderanträge sind gestellt.

Wenn alle diese Arbeiten ausgeführt sind, wird immer noch der Wind durch die offenen Rundbögen pfeifen. Fürs Erste sollen Gitter unerwünschte Besucher fernhalten. Aber wenn es eine Vereinbarung über die endgültige Nutzung gibt, könnte auch der Stüveschacht Türen und Fenster, vielleicht auch eine Heizung bekommen.

Bildtext:
Abgründe: In der 5, 40 Meter tiefen Grube für die Balanciers fanden sich Maschinenteile aus dem 19. Jahrhundert.
Foto:
Michael Gründel

Der Stüveschacht und der Kohleausstieg am Piesberg

Klimaschutz, Fridays for Future: Jeden Tag wird darüber gestritten, ob wir es uns leisten können, erst 2038 aus der Kohleenergie auszusteigen. Aber wie war das eigentlich, als die industrielle Kohleförderung begann? An der Geschichte des Stüveschachts lässt sich das für unsere Region gut ablesen. 1873 wurde der Schacht am Nordhang des Piesberges abgeteuft. Am Ende war er 210 Meter tief.

In der Osnabrücker Zeche, die vom Georgsmarien-Bergwerks- und Hütten-Verein (GMBV) betrieben wurde, erschwerten massive Wassereinbrüche die Kohleförderung. 36 000 Liter Grubenwasser mussten abgepumpt werden, nach starken Regenfällen noch mehr. Der GMBV schaffte immer größere Pumpen an, die von immer größeren Dampfmaschinen angetrieben wurden.

Die gesamte Zeche war ein über 100 Meter langer Industriebau, von dem nur noch das Pumpenhaus stehen geblieben ist. In diesem Gebäude, das der Förderverein Stüveschacht jetzt restauriert, liefen ab 1890 zwei mächtige Dampfmaschinen mit zusammen 650 PS. Weil das noch nicht reichte, um mit den Wassermassen fertigzuwerden, kamen fünf Jahre später zwei weitere Wasserhaltungsmaschinen in 170 Meter Tiefe dazu. Dieses Tandem brachte es auf weitere 600 PS.

Gereicht hat das alles nicht. Noch eine Dampfmaschine war schon bestellt, als es 1898 zu einem Streik der Bergleute kam. Dabei ging es nicht etwa um mehr Lohn oder um mehr Sicherheit unter Tage, sondern um die Beibehaltung von sieben katholischen Feiertagen. Über Monate zog sich der Streik hin, am Ende schloss der Georgsmarien-Bergwerks- und Hütten-Verein die Zeche. Entscheidend dürfte gewesen sein, dass die aufwendig gewonnene Piesberger Anthrazitkohle mit der billigeren Ruhrgebietskohle nicht konkurrieren konnte.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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