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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Klimaneutrale Buchhandlung
Zwischenüberschrift:
Wenner stellt firmeneigene CO2-Bilanz ins Internet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Ob Fahrradkurier, LED-Beleuchtung oder Ökostrom: Die Osnabrücker Buchhandlung Wenner senkt ihren CO2-Ausstoß, wo es geht. Für unvermeidliche Treibhausgas-Emissionen zahlt sie freiwillig einen Ausgleich. Damit sind wir klimaneutral″, sagt Geschäftsführer Jonas Wenner, und national ein Vorreiter in unserer Branche.″

Beim Versuch, die Atmosphäre mit möglichst wenig klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) zu belasten, geht Bücher Wenner hin und wieder ungewöhnliche Wege. Einnahmen aus dem Verkauf von Plastiktüten etwa fließen seit 2018 in das Osnabrücker Stadtbaumpaten-Programm, dienen also der Aufforstung vor Ort. Darüber hinaus liefert die Buchhandlung bereits seit 2017 die Bestellungen von Kunden in der City größtenteils mit dem Fahrrad und damit CO2-neutral aus was im lokalen Einzelhandel bislang die Ausnahme ist.

Durch Umrüstung auf LED-Lampen ist es dem Unternehmen ferner gelungen, den Stromverbrauch im fünfstöckigen Ladenlokal an der Kamp-Promenade gegenüber 2009 um die Hälfte zu senken. Und weil Wenner ab Januar 2020 ausschließlich Ökostrom bezieht, schrumpft auch der CO2-Fußabdruck der Buchhandlung künftig noch mal ein ganzes Stück zusammen. Denn anders als bei der Erzeugung von Elektrizität aus Kohle, Gas und Kernkraft wird bei der Herstellung von erneuerbarer Energie kein CO2 freigesetzt.

Nachhaltigkeit ist aus unserer Sicht kein politisches Thema, sondern ein gesellschaftliches″, erklärt Geschäftsführer Jonas Wenner. Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen.″ Um zu demonstrieren, dass ökologisches und wirtschaftliches Verhalten kein Widerspruch sind, hat der 36-Jährige deshalb für die Buchhandlung erstmals eine ausführliche Klimabilanz erstellt und im Internet veröffentlicht.

Auf der Website von Bücher Wenner kann seit Ende September jedermann nachlesen, in welchen Bereichen der Laden wie viel zum CO2-Ausstoß beiträgt. Strom- und Gasverbrauch der vergangenen zehn Jahre sind dort aufgelistet, nebst der daraus resultierenden Mengen Kohlendioxid. Es finden sich detaillierte Berechnungen zum Wareneingang und Warenausgang. Treibhausgas-Emissionen durch Transportwege und Verpackungen werden dabei genauso berücksichtigt wie jene, die externe Paketdienste oder auch der eigene Lieferwagen (ein Diesel) verursachen. Hinzu kommen Daten über Verbrauchsgüter wie Geschenkpapier, Kaffee und Kataloge, über Dienstreisen und Arbeitswege.

Bei der Ermittlung der einzelnen CO2-Werte stützte Wenner sich in der Regel auf offizielle Angaben, etwa des Umweltbundesamtes. Seine Quellen hat er dokumentiert. Wo ihm keine verlässlichen Zahlen vorlagen, schätzte er oder verließ sich auf freiwillige Angaben seiner rund 50 Mitarbeiter.

Für 2018 ermittelte der Firmenchef auf diese Weise einen CO2-Ausstoß von insgesamt 228, 86 Tonnen. Knapp ein Viertel davon macht der Stromverbrauch aus (56, 30 Tonnen). Gas schlägt mit rund 24 Tonnen zu Buche nur wenig mehr übrigens als die 7500 Leinenbeutel, die im Laufe des Jahres über die Ladentheke gingen (20 Tonnen).

Der dickste Brocken in der Klimabilanz von Bücher Wenner aber sind: die Bücher selbst. Ihr Anteil beträgt fast 93, 5 Tonnen CO2, wenn man annimmt, dass die Produktion eines Buchs im Durchschnitt 400 Gramm kostet.Gewissenhaft einkaufen

Der Geschäftsführer betont: Das gedruckte Buch an sich ist kein schmutziges Produkt, sondern sehr nachhaltig.″ Die Benutzung von E-Books dagegen verursache allein wegen der Lesegeräte wesentlich höhere Emissionen. Und der CO2-Fußabdruck eines One-Way-Fluges von Frankfurt nach New York entspreche je nach Airline dem einer Bibliothek mit 9000 Bänden.

Kunden von Bücher Wenner jedoch müssen sich über Umweltauswirkungen ihres Einkaufs keine Gedanken mehr machen. Fortan will das Geschäft für jedes verkaufte Buch zertifizierte Ausgleichszahlungen leisten. Jene Titel ausgenommen, für die bereits der Verlag Kompensationsmaßnahmen ergriffen hat. Wir machen das Produkt Buch damit klimaneutral″, erklärt Jonas Wenner.

Und nicht nur das: Die gesamte Buchhandlung soll durch modernen Ablasshandel″, wie der 36-Jährige es nennt, klimaneutral werden. Das Osnabrücker Traditionsgeschäft, gegründet 1939, wäre damit nach eigenen Angaben das erste seiner Art in Deutschland. Die Branche ist da noch nicht sehr weit″, stellt Wenner fest. Langfristig würden Unternehmen aber nicht umhinkommen, sich beim Thema Klimaschutz zu positionieren. Zumal ein gewisses Engagement in dieser Sache auch die Attraktivität des Arbeitgebers erhöhen könne.

Nicht zuletzt aber sei es viel effizienter, wenn Anbieter das Problem CO2-Ausstoß selbst lösten, anstatt es beim Kunden abzuladen, ist Wenner überzeugt. Er wolle mit seiner Buchhandlung zeigen, dass es geht″. Auch wenn ihn die Transparenz angreifbar mache und es für sein Handeln mitunter auch Kritik geben sollte.

Aber wenn alle denken würden, dass es nichts bringt, sich klimafreundlich zu verhalten, dann wird sich auch nichts verbessern.″

Bildtext:
Als mutmaßlich erstes Geschäft seiner Art in Deutschland richtet Bücher Wenner in Bezug auf Treibhausgas-Ausstoß keinen Schaden mehr an.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Nullemission im Einzelhandel

Bücher Wenner hat die Zeichen der Zeit erkannt und schlägt ein neues Kapitel in Sachen Klimaschutz auf. Als mutmaßlich erster Buchhandlung in Deutschland gelingt es dem Osnabrücker Traditionsgeschäft, sich komplett CO2-neutral aufzustellen. Das heißt: Der Laden richtet in Bezug auf Treibhausgas-Ausstoß keinen Schaden mehr an. Emissionen werden entweder vermieden oder kompensiert. Davon können sich viele andere Unternehmen, insbesondere die Branchenriesen, eine Scheibe abschneiden.

Dabei wäre es gerade für die großen Buchhandelsketten vermutlich ein Leichtes, es Bücher Wenner gleichzutun. Sie haben die Leute und das Geld dafür, sich in dieser Frage allerdings noch nicht merklich bewegt.

Für einen lokalen Einzelhändler jedoch gehört neben großer Überzeugung auch jede Menge Mut dazu, in Sachen Klimaschutz sowohl öffentlich Farbe zu bekennen als auch das eigene Verhalten konsequent und für alle nachprüfbar danach auszurichten.

Global gesehen, mag es am Ende natürlich ein winziger Beitrag zur Rettung der Welt sein. Aber unbedeutend ist er deswegen keineswegs im Gegenteil. Wenn jeder vor seiner eigenen Haustür kehrte, wäre die Straße schließlich auch ein gutes Stück sauberer. s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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