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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum wird die Kreishaussanierung so teuer?
Zwischenüberschrift:
Erste Kreisrätin und Chef des Kreis-Gebäudemanagements stellen sich den Fragen zur Kostenexplosion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Nachdem die geplanten Kosten für die Sanierung des Kreishauses von 14 Millionen auf geschätzte 48 Millionen Euro gestiegen sind, stellen sich die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter und der Chef des Kreis-Gebäudemanagements Hermann Melo den Fragen zu den Hintergründen der Kostenexplosion.

Warum sind die Kosten für die Kreishaussanierung völlig überraschend von geplanten 14 Millionen auf nun geschätzte 48 Millionen Euro gestiegen?
Bärbel Rosensträter: Aktuell befinden wir uns in der Projektvorbereitung. Der Kreistag hat im Dezember 2016 einer Sanierung des Kreishauses zugestimmt, die die Brandschutz- und Schadstoffsanierung beinhaltete. Unter der Leitung des Gebäudemanagements ist die Umsetzungsplanung dann angegangen worden. Bei der Bauteilöffnung also dem Blick hinter die Fassaden stellten sich weitere Probleme des Wärmeschutzes und der technischen Gebäudeausrüstung heraus. Daraus resultierte ein weiterer erheblicher Sanierungsbedarf. Das jetzt erstmals vorgestellte Gesamtkonzept teilt sich in fünf definierte Maßnahmenkataloge und ist der Vorschlag, einen energetisch und wirtschaftlich sinnvollen Weg für die notwendige Sanierung des Kreishauses zu gehen.

Bereits in der Planung von 2016 war von Kosten für die Brandschutz- und Schadstoffsanierung in Höhe von knapp 11 Millionen Euro sowie von Ausgliederungskosten für Teile der Verwaltung während der Sanierung in Höhe von knapp drei Millionen Euro die Rede. Was wurde davon bereits umgesetzt?
Hermann Melo: Zunächst haben wir die Maßnahmen umgesetzt, die ohne ein Freiräumen der Büroräume möglich waren. Die größte Maßnahme war der Austausch von etwa 60 Brandschutztüren in den Fluren. Darüber hinaus haben wir eine zusätzliche Fluchttreppe geplant, die jetzt installiert wird. Weitere Maßnahmen für die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren die Erstellung von Brandschutzplänen und Evakuierungsübungen, die im Kreishaus bislang nicht durchgeführt wurden. Das Kostenvolumen dieser Maßnahmen umfasst bislang 552 000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Zwischenunterbringung in den Containern im Umfang von zwei Millionen Euro.

Warum kam es nicht zum Umzug von Teilen der Kreisverwaltung in die Belmer Ickerbachschule, um 2017 mit den geplanten Brandschutz- und Schadstoffsanierungen zu beginnen?
Melo: Die Aufteilung eines Teams auf verschiedene Standorte bringt arbeitsorganisatorisch viele Nachteile. Daraus resultierte die naheliegende und ebenso wirtschaftliche Lösung, in der Nähe des Kreishauses Container während der Sanierung aufzustellen. Seit März dieses Jahres sind diese bezogen, damit der beauftragte Generalplaner in dem frei geräumten Gebäudeteil mit der Untersuchung der Bausubstanz beginnen konnte.

An welchem Punkt haben Sie erkannt, dass die ursprünglichen Planungen von 2016 nicht ausreichen, um das Kreishaus zu sanieren?
Melo: Wir haben nach der politischen Beschlussfassung im Dezember 2016 die verwaltungsinterne Planung begonnen. Die Rückmeldungen aus der Bauunterhaltung machten insbesondere erhebliche Defizite in der technischen Gebäudeausstattung deutlich. Zudem war ungeklärt, ob nicht an weiteren Stellen Asbest oder andere Schadstoffe verbaut sind. Uns war immer ein wirtschaftliches Gesamtvorgehen wichtig. Durch die intensive Auseinandersetzung mit den Sachverhalten im Laufe des Jahres 2017 entstand die Überlegung, einen Generalplaner einzusetzen.
Rosensträter: Bei einem 35 000 Quadratmeter großen Gebäude ist das aber auch selbstverständlich. Wenn wir eine Personalausstattung hätten, die eine Sanierung dieser Dimension planen könnte, dann würde ich mir Gedanken über eine überbesetzte Abteilung machen. Es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, die Personalausstattung für die notwendige Planung eines solchen Großprojektes inhouse vorzuhalten.

Warum war es 2016 nicht schon selbstverständlich, dass das eigene Gebäudemanagement eine Sanierung für ein 35 000 Quadratmeter großes Gebäude nicht stemmen kann?
Rosensträter: Wie erwähnt wurde zunächst lediglich von einer Brandschutz- und Schadstoffsanierung ausgegangen. Die größere Dimension hat sich im Laufe der Planung aber deutlich herausgestellt.

Vor zwei Jahren stellten Sie fest, dass die Planungen nicht ausreichen und die Dimension des Projekts größer ist. Warum wurde diese Information nicht schon 2017 öffentlich, Herr Melo?
Melo: Es geht um die Umsetzung eines Kreistagsbeschlusses: also die Umsetzung der Brandschutz- und Schadstoffsanierung. In dem Zusammenhang haben wir bei der Planung der Maßnahme umsteuern müssen. Es war aus meiner Sicht für die Öffentlichkeit oder die Politik in dem Moment nicht von Bedeutung, wer das Ganze umsetzt. Die tatsächliche Entscheidung, einen Generalplaner einzusetzen, fiel erst zu Beginn des Jahres 2018. Nach einer europaweiten Ausschreibung war eine Vergabe erst im Oktober 2018 möglich. Darüber wurde dann auch in der öffentlichen Ausschusssitzung Personal und Organisation am 4. Februar 2019 berichtet.

Mitte 2017 war dem Kreis-Gebäudemanagement bekannt, dass die Planungen nicht ausreichen. Warum wurden Öffentlichkeit und Politik darüber zu diesem Zeitpunkt nicht informiert, Frau Rosensträter?
Rosensträter: Im Oktober 2018 wurde ich Erste Kreisrätin. Im Jahr 2019 hat dieser ganze Planungsprozess in Turbogeschwindigkeit stattgefunden. Diese hohen Beträge haben auch die Verwaltung geschockt. Die Herausforderungen für die kommenden Haushaltsjahre sind groß. Im Jahr 2020 etwa müssten bereits fünf Millionen Euro dafür aufgewendet und somit aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Investitionskredite können dafür nicht aufgenommen werden.

Vor zwei Jahren hatten Sie festgestellt, dass das Projekt deutlich zu groß wird, um es mit dem eigenen Personal stemmen zu können. War damit nicht absehbar, dass die Sanierung deutlich teurer wird?
Rosensträter: Voraussetzung dafür war, dass erst einmal eine neue Kostenrahmenschätzung vorliegt. Die dafür erforderlichen Arbeiten zur Begutachtung der Bausubstanz haben aber erst im ersten Halbjahr 2019 stattfinden können.

2016 hatte das Kreishaus in der Bilanz noch einen Restwert von 31 Millionen Euro. Nach der aktuellen Schätzung kann die Sanierung also doppelt so teuer werden wie das Kreishaus überhaupt noch wert ist. Somit stellt sich die Frage, ob ein Neubau nicht sinnvoller ist. Warum gab es nicht Wasserstandsmeldungen, um wegen der neuen Sanierungsdimension bereits Neubauplanungen voranzutreiben?
Rosensträter: Im Februar 2019 hatte ich berichtet, dass der Generalplaner beauftragt wurde, die Bausubstanz zu untersuchen. Dem Gebäudemanagement des Landkreises sind die ersten Gutachten im Juli 2019 und die Kostenrahmenschätzung Anfang August 2019 vorgestellt worden. Zwei Wochen nachdem mir die Kostenschätzung vorlag, habe ich die Politik im August darüber in einer interfraktionellen Runde informiert. Den Buchwert des Kreishauses würde ich allerdings unabhängig von der Kostenbetrachtung einer notwendigen Sanierung sehen. Die Alternative eines Neubaus ist vom Generalplaner wirtschaftlich betrachtet worden. Die von dem Generalplaner genannten 108 Millionen Euro für einen Neubau sind nur ganz grob über die Anzahl der Quadratmeter multipliziert mit einem Wert x ermittelt worden.

Ist es korrekt, dass die Ausgliederungskosten von zwei Millionen Euro etwa für die aufgestellten Container in der Kostenschätzung von 48 Millionen und von im schlimmsten Fall 60 Millionen Euro noch gar nicht enthalten sind?
Melo: Ja, das ist korrekt. Auch wenn die Ausgliederungskosten geringer als geplant sind, sind die zwei Millionen Euro nicht Teil der aktuellen Kostenschätzung.

Schadstoffbelastete Deckenplatten befinden sich im Kreishaus. Welche aktuelle Gesundheitsgefahr besteht für die Kreisverwaltung?
Rosensträter: In der aktuellen Büronutzung besteht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Gefahr.

Bildtexte:
Geschockt zeigen sich die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter und der Chef des Kreis-Gebäudemanagements Hermann Melo über geschätzte 48 Millionen Euro für die Kreishaussanierung. Die zwei Millionen Euro für die Nutzung der Container im Hintergrund sind dabei noch nicht einmal inbegriffen.
Das Kreishaus ist in die Jahre gekommen.
Fotos:
André Havergo, Archiv/ Ebener
Autor:
Jean-Charles Fays


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