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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Investor steigt bei Leysieffer ein
 
Die Himmlischen haben die Hölle hinter sich
Zwischenüberschrift:
Leysieffer so gut wie gerettet / Elf Standorte und 296 Mitarbeiter bleiben
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Pralinenhersteller Leysieffer ist so gut wie gerettet. Drei Finanzinvestoren stehen nach Angaben des Unternehmens bereit. Wer zum Zuge kommt, entscheide sich in den nächsten sechs Wochen, sagt Jan Leysieffer. Das Traditionshaus hatte im April Insolvenzantrag gestellt.

Osnabrück Der Osnabrücker Confiseriehersteller Leysieffer ist auf bestem Weg, Anfang 2020 das Insolvenzverfahren in Eigenregie abschließen zu können. Wir liegen gut im Plan″, sagt Inhaber und Geschäftsführer Jan Leysieffer. Finanzinvestoren stünden bereit. Die Himmlischen″, so scheint es, haben die Hölle hinter sich.

Das Amtsgericht hat am Donnerstag die Vorläufigkeit des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung aufgehoben und ein reguläres Verfahren in Gang gesetzt. Jan Leysieffer führt weiter die Geschäfte und ist voll handlungsfähig, ihm ist als Sachwalter ein Rechtsanwalt zur Seite gestellt. Bis Ende des Jahres will Leysieffer das Familienunternehmen wieder wirtschaftlich stabilisiert haben und im ersten Quartal neu durchstarten: mit dem altbewährten Qualitätskonzept, schlankeren Strukturen und mit der Finanzhilfe eines Investors.

Drei Interessenten

Aus einer großen Anzahl von Kaufinteressenten sind nach seinen Angaben drei Finanzinvestoren übrig geblieben, mit denen jetzt intensiv verhandelt wird. In den nächsten sechs Wochen, so Leysieffer, werde es eine Entscheidung geben, mit wem das Traditionsunternehmen die Zukunft in Angriff nehmen werde. Nähere Angaben zu den Investoren machte Leysieffer nicht.

Der Osnabrücker Pralinenhersteller hatte Anfang April Insolvenzantrag gestellt und in Eigenverwaltung einen Sanierungsprozess in Gang gesetzt. Die Zahl der Beschäftigten sank von 360 auf aktuell 296. Vier Niederlassungen sind geschlossen worden zwei in Hamburg, eine in Aachen und die Filiale auf der Königsallee in Düsseldorf erst vor wenigen Wochen. Elf Standorte bleiben erhalten: in Osnabrück (2) auf Sylt (2), in Berlin (3), München, Hamburg, Rottach Egern und Münster. Jan Leysieffer ist eine Botschaft besonders wichtig: Das Stammhaus an der Krahnstraße bleibt auf jeden Fall erhalten. Jeden Tag fragen Kunden, wie lange es uns hier noch gibt″, sagt Leysieffer. Diese Zweifel möchte er ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Die Verwaltung am Hauptsitz in Atter ist nach seinen Worten neu strukturiert und zum Teil personell verändert worden. Auch alle Abläufe und Prozesse wurden überprüft.

Sortiment verkleinert

Die hohe Qualität der Produkte stehe weiter an erster Stelle, versichert Leysieffer. Wir haben aber das Sortiment verkleinert.″ Etwa 150 Produkte wurden aussortiert. Beispiel: Wir machen jetzt nicht mehr 60 Sorten Konfitüre, sondern 40.″ Aber, so der Chef, die natürlich in der gewohnten Qualität und in Handarbeit wie bisher.″ Auch die himmlischen″ Pralinen wird es weiterhin in der seit 69 Jahren bewährten Rezeptur geben.

Und das Unternehmen will weiter innovativ nach vorne gehen. Neu auf dem Markt sind zum Beispiel Cocktail- und Wintertraumpralinen, ein Schokoladen-Brotaufstrich – „ ohne Palmöl″, wie Leysieffer betont. Sehr gut angekommen bei der Kundschaft sei auch die Schokolade im Becher to go″.

Der Niedergang des Osnabrücker Traditionsunternehmens kam für die Öffentlichkeit überraschend, nicht aber für Branchenkenner, die die im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanzen aufmerksam gelesen hatten. Die Umsätze schrumpften von Jahr zu Jahr, und die Jahresfehlbeträge wurden größer. 196 000 Euro waren es im Geschäftsjahr 2017/ 18, fast 1, 1 Millionen im Jahr davor und 1, 17 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015/ 16.

Jan Leysieffer, Unternehmensnachfolger in vierter Generation, lässt durchklingen, wie sehr ihn persönlich die Krise mitgenommen hat. Eine harte Zeit mit vielen Nächten ohne Schlaf″ liege hinter ihm, sagt er. Von der öffentlichen Aufmerksamkeit wurde er in der ersten Zeit nach der Insolvenzanmeldung geradezu überrollt. Die Medienwelle, so die Einschätzung von erfahrenen Insolvenzverwaltern, war im Fall Leysieffer größer als im Fall Gerry Weber.

Nun überwiege der Optimismus, sagt Leysieffer – „ auch weil ich ein gutes Team an meiner Seite habe″. Die Mitarbeiter stünden zur Firma, das höre und spüre ich jeden Tag″.

Bildtext:
Seit 69 Jahren ein Erfolgsrezept von Leysieffer: die Himmlischen Pralinen″. Es wird sie auch in Zukunft geben, denn das Familienunternehmen wird voraussichtlich Anfang 2020 das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu Ende bringen können.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Befreiungsschlag

Vor sieben Jahren erst hat der Gesetzgeber die Insolvenzordnung geändert und das Verfahren in Eigenverwaltung eingeführt. Ziel ist, Unternehmen zu retten, statt abzuwickeln. Diese Neuerung hat sich sehr bewährt, wie auch das Beispiel Leysieffer zeigt.

Allein in Osnabrück konnten sich in den vergangenen Jahren mehrere kleine und große Unternehmen durch dieses Verfahren retten: die Paracelsus-Kliniken, Berner Ladenbau oder Wölfer Maschinenfabrik, um nur drei Namen zu nennen. Auch Sinn-Leffers nutzte die Chance, sich aus eigener Kraft aus dem Schlamassel zu befreien.

Der Insolvenzantrag verschafft bedrohten Unternehmen erst mal Luft, weil die Lohnkosten für drei Monate wegfallen. Die übernimmt die Arbeitsagentur in Form von Insolvenzausfallgeld. Die Unternehmen können sich aus Verträgen lösen, die sie bislang gefesselt haben. Dem Management werden Sachwalter und Sanierungsexperten zur Seite gestellt, die den Blick von außen mitbringen und die Rechte der Gläubiger wahren. Der größte Gewinn dieses Verfahrens aber ist, dass das fachliche Know-how für den Neustart im Unternehmen erhalten bleibt.

Im Fall Leysieffer wirkte der Insolvenzantrag wie ein Befreiungsschlag, auch wenn die Nachricht zunächst eine Schockwelle auslöste. Nach dieser Selbstreinigung stehen die Aussichten sehr gut, dass das Traditionshaus bald wieder auf festem Fundament stehen wird und Osnabrück ein Vorzeigeunternehmen und Werbeträger erhalten bleibt.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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