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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mieter seit Tagen ohne Wasser
 
Nur noch Wasser aus dem Kanister
Zwischenüberschrift:
Weil der Hauseigentümer die Gebühren nicht zahlte, sitzen Mieter auf dem Trockenen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Sieben Mietparteien in einem Haus an der Bramscher Straße in Osnabrück sind seit Montag ohne fließendes Wasser, weil der Hauseigentümer und die Stadtwerke über die Rechnung streiten. Eigentümer und Stadtwerke schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, während die Mieter Kanister schleppen. Mitarbeiter der Stadtwerke hatten am Montag den Wasserzähler ausgebaut. Ein Sprecher äußerte am Mittwoch sein Bedauern, dass die Bewohner unter dem Streit zu leiden hätten. Der Vermieter habe aber hohe Rückstände und auf mehrere Mahnungen nicht oder unzureichend reagiert. Der Eigentümer bestreitet Zahlungsrückstände. Das müsse gerichtlich geklärt werden. Es ist nach Angaben einer Mieterin bereits das vierte Mal, dass in dem Haus tagelang kein Wasser fließt.

Osnabrück Jeden Tropfen Wasser zum Trinken, Waschen, Spülen müssen die Mieter die Treppen hinaufschleppen. Seit Montag ist ein Haus an der Bramscher Straße von der Wasserversorgung abgeklemmt, weil der Eigentümer die Gebühren nicht in voller Höhe gezahlt hat. Drei Familien mit elf Kindern wohnen in dem Haus, darunter auch ein Säugling.

Zeynep Gayran kennt das schon. Es ist das vierte Mal in den drei Jahren, die sie mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern an der Bramscher Straße lebt, dass aus dem Wasserhahn kein Tropfen mehr kommt. Jedes Mal zeigte ihr Vermieter mit dem Finger auf die Stadtwerke, die Stadtwerke wiederum machten den Vermieter verantwortlich. Nach zwei oder drei Tagen floss das Wasser wieder, aber dieses Mal, so scheint es, könnte ein längerer Konflikt drohen.

Alles Improvisation

Die Gayrans wohnen im zweiten Stock und schaffen das Wasser in Fünf-Liter-Kanistern aus der Moschee an der Iburger Straße heran. Alles ist Improvisation. Fürs Spülen muss das Wasser auf dem Herd erhitzt werden, Händewaschen geht nur zu zweit, weil einer den Kanister halten muss. Toilettengang na ja, das müssen wir hier nicht vertiefen. Waschen können sich die Gayrans in der Moschee, was allerdings mit großen Umständen verbunden ist. Denn eines der Kinder ist gehbehindert.

Athanasios Melissis wohnt mit Frau und zwei Kindern im ersten Stock. Seine Frau hat das Auto am Morgen mit Wasserkanistern vollgepackt, die sie an ihrem Arbeitsplatz auffüllt. Es ist Mittag, für den Nachmittag haben Melissis und sein Sohn noch eineinhalb Liter zum Händewaschen und einen Liter zum Trinken.

Mieter sind die Opfer

Die Bewohner zahlen mit der Miete einen Abschlag für Wasser und Gas. Das Geld ist offenbar nicht in der geforderten Höhe bei den Stadtwerken angekommen. Die jedenfalls schickten am Montag Monteure los, die den Wasserhahn abdrehten. Die Zahlungsrückstände des Hauseigentümers liegen im vierstelligen Bereich und hätten nicht mehr hingenommen werden können, sagte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Seit vielen Jahren gebe es Streit mit dem Hauseigentümer, nicht nur mit dem Objekt an der Bramscher Straße. Zahlreiche Mahnbescheide″ hätten die Stadtwerke schon verschickt.

Die Bewohner sind die Opfer in dem Streit. Ist es in Ordnung, Mieter für die mutmaßlichen Versäumnisse ihres Vermieters quasi in Geiselhaft zu nehmen? Der Stadtwerke-Sprecher äußert sein Bedauern, dass die Mieter zu Leidtragenden geworden sind. Es liege aber in der Hand des Vermieters, das Problem schnell und grundsätzlich zu lösen, denn der sei Vertragspartner der Stadtwerke.

Ständiger Streit

Eigentümer des Hauses an der Bramscher Straße ist ein in Osnabrück verwurzeltes Unternehmen für Hausverwaltungen. Der Geschäftsführer weist die Verantwortung weit von sich. Seit Jahren gebe es latente Vertragsstreitigkeiten″ mit den Stadtwerken. Er vermutet, dass die Stadtwerke ihm Schwierigkeiten machten, weil er bei einigen Objekten den Versorger gewechselt habe. Das Unternehmen verwaltet nach Angaben des Geschäftsführers etwa 200 Immobilien.

Wenn es Zahlungsrückstände geben sollte, müsse das besprochen und zur Not gerichtlich geklärt werden, sagt der Geschäftsführer und Vermieter. Ich habe kein Verständnis, dass die Stadtwerke sofort das Wasser abstellen.″ Und er sagt: Wir wussten nichts davon.″ Weder er als Hauseigentümer noch die Mieter seien über den Ausbau des Wasserzählers am Montag vorab informiert worden.

Ein Vorwurf, den der Stadtwerke-Sprecher mit Nachdruck zurückweist. Eigentümer und Mieter sind nach seinen Worten mehrfach″ über die ausstehenden Zahlungen und möglichen Konsequenzen informiert worden. Eine erste Mahnung schickten die Stadtwerke demnach im Juli. Die zweite Mahnung mit Ankündigung, die Wasserversorgung zu beenden, ist nach Angaben der Stadtwerke mit Datum vom 2. August an Eigentümer und Mieter verschickt worden. Einen Monat später ging eine Teilzahlung ein. Am 3. September folgte den Angaben der Stadtwerke zufolge ein weiteres Schreiben an den Vermieter mit Ankündigung der Sperrung.

Wann fließt es wieder?

Die Stadtwerke informieren in solchen Fällen auch die Mieter in der Hoffnung, dass sie Druck auf ihren Vermieter ausüben. Mieter Athanasios Melissis hat die Briefe bekommen, wie er sagt, und in Kopie an den Vermieter weitergeleitet.

Wann fließt das Wasser wieder? Der Hauseigentümer sagte am Mittwochmittag, er habe alles beglichen und sogar noch eine Überzahlung″ geleistet. Der Antrag, die Versorgung wiederherzustellen, sei unterwegs. Den Stadtwerken genügt diese Ankündigung nicht. Sie drehen den Wasserhahn erst dann wieder auf, wenn das Geld auf dem Konto eingegangen ist.

Bildtext:
Zum vierten Mal ist die Wohnung der Familie Gayran von der Wasserversorgung getrennt worden, weil der Vermieter die Rechnung nicht beglichen hat. Das Wasser holt die Familie mit Flaschen und Kanistern aus einer Moschee.
Fotos:
Michel Gründel
Autor:
Wilfried Hinrichs


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