User Online: 1 | Timeout: 05:47Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der verschleierte Mord und die falsche Asche
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein erinnert an den Lehrer und Schriftsteller Wilhelm Dallmeyer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Brief mit der traurigen Nachricht kam im Sommer 1941 aus der Heil- und Pflegeanstalt Hadamar in Hessen. Darin heißt es, Wilhelm Dallmeyer sei plötzlich und unerwartet″ gestorben an Lungenentzündung. Tatsächlich handelte es sich um einen Mord. Nationalsozialisten hatten den Lehrer und Schriftsteller mit Gas umgebracht. Die Angehörigen erhielten auch eine Urne. Aber die Asche darin dürfte kaum die des Osnabrückers gewesen sein. Jetzt erinnert ein Stolperstein an dieses Opfer des NS-Regimes.

Wilhelm Dallmeyer wurde ermordet, weil er psychisch krank geworden war. Auch 70 Jahre später macht sich Entsetzen über die Tat breit. Elisabeth Benne und Günter Flake vom Plattdeutschen Förderverein stehen während der Stolpersteinverlegung auf dem Bürgersteig am Johannistorwall: genau dort, wo sich einst die Tür befand, die zu Wilhelm Dallmeyers Wohnung führte. Damals lautete die Adresse Johannismauer 36b, heute gehört das Eckhaus zur Süsterstraße. Für die Zeremonie trägt Elisabeth Benne eine Tracht aus dem 19. Jahrhundert, wie sie auch dem Ermordeten bekannt gewesen sein dürfte. Sie trägt ein Gedicht von ihm vor: Fründskup (Freundschaft). Wilhelm Dallmeyer arbeitete als Lehrer, zunächst in Georgsmarienhütte, dann in Astrup in der heutigen Gemeinde Bissendorf, später in Schinkel und schließlich in Osnabrück an der Pottgrabenschule. 1900 erschien im Osnabrücker Verlag Meinders & Elstermann sein Werk Plattdeutsche Dichtungen″. Eine Reihe von Büchern folgte, unter ihnen der heitere Roman Dat Schützenfest″( 1905). Bis 1913 folgten weitere Bände.1906 kam Wilhelm Dallmeyer erstmals in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt auf dem Gertrudenberg. Er war psychisch erkrankt. Zwar war von Wahnideen″ die Rede, doch mehr ist darüber nicht bekannt. Ein Jahr später wurde er aus dem Schuldienst entlassen, doch als Schriftsteller arbeitete erweiter. Dann holte ihn die Krankheit wieder ein: Schließlich kam er auf Dauer in die Heil- und Pflegeanstalt. Dort soll er bis kurz vor seinem Lebensende kreativ gewesen sein. Bis 1935 besuchte er seine Familie an der damaligen Johannismauer. Doch dann durfte er nicht mehr nach Hause. Die Nationalsozialisten hatten es ihm als Irren″ verboten. Und dann kam aus Berlin die Tötungsermächtigung″. Die Machthaber sprachen von Euthanasie (Sterbehilfe), doch es handelte sich um Massenmord an Hunderttausenden psychisch Kranken und geistig Behinderten. Unter ihnen befand sich Wilhelm Dallmeyer. Mit 66 fiel er dem Rassenwahnder Nazis zum Opfer.

Bildtexte:
Der Lehrer und seine Schüler: 1896 unterrichtete Wilhelm Dallmeyer in Astrup in der heutigen Gemeinde Bissendorf.
Johannismauer lautete damals die Adresse von Wilhelm Dallmeyer. Doch 1935 verboten ihm Nationalsozialisten sein Zuhause. Das Gebäude steht an der Ecke Süsterstraße/ Johannistorwall.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine in Osnabrück
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus je-weils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben. Pate des Stolpersteins für Wilhelm Dallmeyer ist der Plattdeutsche Förderverein Region Osnabrück. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafel verlegt: Simon Bartsch, Jannik Hollenborg, Maurice Hüpel und Nico Seidel.
Autor:
Jann Weber


Anfang der Liste Ende der Liste