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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Kein Zahnrad war vor ihnen sicher
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren wurde am Piesberg das Museum Industriekultur eröffnet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Der 30. September 1994 war ein bedeutsamer Tag für die Osnabrücker Industriegeschichte: Im historischen Haseschachtgebäude des Piesbergs feierten Stadt und Land die Eröffnung des Museums Industriekultur.

Zwei Dinge waren für das Zustandekommen entscheidend gewesen: zum einen der immer dringender gewordene Wunsch, die reiche Geschichte der Industrialisierung Osnabrücks für die Nachwelt zu dokumentieren und noch vorhandene dingliche Zeugnisse vor der Verschrottung zu bewahren. Zum anderen ein leer stehendes Industriegebäude aus ebendieser Frühzeit, das zudem in eine Naturlandschaft mit authentischen Spuren der industriellen Nutzung eingebettet war.

Zu den geistigen Wegbereitern gehörten Fabrikant Wilhelm Karmann und der damalige Chef vom Dienst des Osnabrücker Tageblatts″, Hans Wolfgang Kindervater, die bereits 1966 Ideen für ein Wirtschafts- und Gewerbemuseum skizzierten. Als mögliche Standorte wurden die leer stehende Eisengießerei Ortmann an der Buerschen Straße und ein Anbau an die Staatliche Ingenieurschule an der Albrechtstraße erwogen.

1975 trat der damals 28-jährige gebürtige Aachener Bruno Switala sein Amt als städtischer Denkmalpfleger an, das er 34 Jahre und vier Monate ausüben sollte. Er hielt ein wachsames Auge auf das bereits weitgehend verfallene, aber denkmalgeschützte ehemalige Haseschachtgebäude am Piesberg.

Im neuromanischen Rundbogenstil 1870/ 71 nach Plänen des Stadtbaumeisters Wilhelm Richard errichtet, diente es einst der Unterbringung der Maschinen, die für den Betrieb einer Schachtanlage für die Steinkohleförderung notwendig waren.Abriss verhindert

Wegen Wasserhaltungs- und anderen Problemen endete der Kohleabbau 1898. In der Folgezeit waren darin ledige Steinbrucharbeiter, im Krieg russische Kriegsgefangene und nach dem Krieg schlesische Flüchtlingsfamilien in Behelfswohnungen untergebracht. Steinbruchbetreiber Klöckner-Durilit hatte zwischenzeitlich erwogen, das Gebäude zugunsten des Gesteinsabbaus zu opfern, blitzte damit aber ab, hatte dann keine Verwendung mehr dafür und übereignete es schließlich der Stadt.

Der städtische Kulturausschuss sprach sich 1981 dafür aus, hierin ein Industriemuseum zu errichten. Der Rat zögerte jedoch zunächst, einen entsprechenden Beschluss zu fassen, da er keine Finanzierungsmöglichkeit sah. Ungeachtet dessen machten sich Museumshistoriker Karl-Georg Kaster und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der gelernte Installateur und studierte Sozialhistoriker Rolf Spilker, als Maschinenstürmer″ an die Arbeit. Bei den Industriebetrieben der Region sammelten sie alles an alten Maschinen ein, was schwer ist und sich dreht″, um es vor der Verschrottung zu bewahren. Besonders ergiebig waren die in der Schließung begriffenen Gießereien Weymann und Brück, Schlösser & Co. Kein Zahnrad, keine Transmission und keine Gießpfanne ist vor ihnen sicher″, schrieb damals die Zeitung.Wertvolles Denkmal

1985/ 86 gaben Stadt und Land 0, 8 Millionen DM für die Gebäudesicherung. Das Land machte weitere Mittel locker, als das Deutsche Museum München 1988 in einem Gutachten feststellte, dass der Haseschacht zu den fünf wertvollsten Industriedenkmalen Niedersachsens gehöre. Der spätere Museumsdirektor Spilker bekam eine feste Anstellung als Projektleiter für den Aufbau des Museums. Der 1990 gegründete Förderverein half ideell und finanziell, Mitgliedsunternehmen spendeten Dienstleistungen wie Kran-, Transport- und Reparaturarbeiten. Zahlreiche Fördertöpfe wurden angezapft, um den Museumsausbau zu vollenden.

Die Sparkasse Osnabrück engagierte sich nicht nur als Geldgeberin, sondern übernahm auch die Rolle einer Mehrheitsgesellschafterin in der später gegründeten gemeinnützigen Träger-GmbH.

Mit 2, 3 Millionen DM kostete die Errichtung des Museums Industriekultur letztlich nur ein Zehntel der Summe, die für den bereits 1988 eröffneten Neubau des Naturkundemuseums am Schölerberg aufgewendet worden war.

Am 30. September 1994 fand die feierliche Eröffnung durch die parteilose niedersächsische Wissenschaftsministerin Helga Schuchardt und Osnabrücks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip (SPD) statt.

Für Spilker und sein Team war damit nur eine erste Etappe erreicht. Weitere Ausbauschritte wie die Wiederöffnung von Schacht und Hasestollen oder die Herrichtung des Magazingebäudes für Wechselausstellungen waren längst in Planung.

Inzwischen ist dies alles erreicht, gehören auch der ehemalige Pferdestall, die alte Schmiede und die Kohlenwäsche zum Gebäudebestand. Drinnen″ und draußen″ werden gleichermaßen bespielt unter anderem immer wieder als denkbar geeignete Kulisse für Old- und Youngtimer-Treffen.

Das Museum ist eingebettet in eine Industriekulturlandschaft, zu der auch Gesellschaftshaus, Zechenbahnhof, Bergwerksdirektion, Brecheranlage, Stüveschacht-Ruine sowie der gesamte Piesberg mit noch aktivem Steinbruch, Aussichtsplattformen, Rundwanderweg und Feldbahnbetrieb gehören.

Nie ging es um ein reines Technikmuseum. Vielmehr soll veranschaulicht werden, wie die Industrie in die Landschaft eingegriffen und das Leben der Menschen verändert hat. So ist der Piesberg zu einem Museumspark und Lernstandort geworden, der für die Schulen vielfältige museumspädagogische Angebote bereithält. Jährlich ein bis zwei Sonderausstellungen arbeiten wichtige Themen der Stadtgeschichte auf.

Nach 30 Jahren unermüdlichen Einsatzes am Berg″ geht nun der Hauptantriebsmotor in Ruhestand: Rolf Spilker wird im Rahmen einer Feier zum 25-jährigen Bestehen des Museums am 16. November verabschiedet und zugleich seine Nachfolgerin Vera Hierholzer vorgestellt, die von der Universität Mainz nach Osnabrück wechselt.

Bildtexte:
Die Birken wuchsen prächtig auf dem ruinösen Mauerwerk des Haseschachtgebäudes. Das Foto aus dem Jahr 1983 beweist, dass schnell etwas passieren musste, um die Ruine vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. 1985 begannen die Sicherungsmaßnahmen.
Sanierung geglückt: Seit 1994 ist das Schachtgebäude Sitz und Wahrzeichen des Museums.
Das Mauerwerk aus handbehauenem Piesberger Karbonquarzit erwies sich bei der Sanierung als erstaunlich gut erhalten und standfest.
Der Zahn der Zeit vermochte eines der letzten erhaltenen Beispiele der Rundbogenarchitektur in Reinform nicht zu zerstören.
Zeuge einer musealen Erfolgsgeschichte: Der Haupteingang des Museums Industriekultur im Haseschachtgebäude am Fürstenauer Weg.
Auch mit grob behauenen Steinen lässt sich ästhetisch ansprechend bauen, wie dieses Foto des Südgiebels aus dem Jahr 1983 beweist.
Fotos:
Archiv/ Meißner, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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