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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Ohne Verkehrswende keine Klimawende″
Zwischenüberschrift:
Millionen für den Nahverkehr: Wie die Region Osnabrück vom Klimapaket des Bundes profitieren will
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Am heutigen Freitag tritt in Berlin das Klimakabinett der Bundesregierung″ zusammen. Die Politiker wollen Projekte auf den Weg bringen, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens realisieren zu können. Neben zahlreichen Gesetzesänderungen geht es um 40 Milliarden Euro, die der Bund für den Klimaschutz bereitstellen möchte unter anderem für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. So will die Region Osnabrück davon profitieren.

Für welche Nahverkehrsmaßnahmen in der Region Investitionen sinnvoll wären, darüber sprachen verschiedene Initiativen aus Stadt und Landkreis mit Jürgen Fenske, dem Ehrenvorsitzenden des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen. Es ist interessant, was mental, kulturell und politisch derzeit in Sachen öffentlicher Personennahverkehr stattfindet. Es bewegt sich so viel, wie sich über Jahre nicht bewegt hat. Alle sind in froher Erwartung auf das Klimapaket, Geld scheint keine Rolle zu spielen″, so die Einschätzung des Verkehrsmanagers Fenske.

Klar sei aber auch, dass der Verkehrssektor bislang nie die gesetzten CO2-Ziele erreicht habe und es daher ohne Verkehrswende keine Klimawende″ gebe. Hinzu komme eine dramatische Überlastung der Verkehrsinfrastruktur auf der Schiene wie auf der Straße. Gefordert sei daher eine Veränderung des Modal Split″, vereinfacht also eine Verschiebung des Anteils des individuellen Autoverkehrs hin zu mehr Radverkehr und ÖPNV. In der Region gibt es hierzu mehrere Ansätze, auf die Fenske in der Diskussion mit den regionalen Verkehrsinitiativen einging.

Einführung eines Ein-Euro-Tickets: Die Grünen in Stadt und Landkreis Osnabrück wollen mit günstigeren Tarifen den ÖPNV attraktiver machen und brachten jüngst ein Ein-Euro-Ticket ins Gespräch. Als Beispiel führen sie die Stadt Wien an, wo Bürger für 365 Euro, also umgerechnet einen Euro pro Tag, ein Jahr lang das gesamte Nahverkehrsnetz nutzen können. Die Stadt Wien kann einen Anteil von 40 Prozent des ÖPNV am Verkehrsmix verbuchen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt Berlin mit gerade einmal 27 Prozent an der Spitze. Für Fenske ist der beispielhafte Modal Split″ in Wien aber in erster Linie dem jahrzehntelangen Ausbau von Kapazitäten und Netzen der Wiener Linien zu verdanken. Der hohe ÖPNV-Nutzungsgrad habe schon vor Einführung des 365-Euro-Tickets bestanden.

Stadtbahn in Osnabrück: Osnabrück setzt auf E-Busse, doch es gibt nicht wenige, die bei der Lösung der Verkehrs- und Klimaprobleme eine Stadtbahn, vielleicht sogar eine Schwebebahn favorisieren. Der Vorteil: Abgesehen von weniger Schadstoffemissionen kommt eine Bahn mit eigener Schiene im Stadtverkehr besser voran, ist damit schneller als der Bus, der sich die Straße mit dem Individualverkehr teilen muss, und wird dadurch vom Verbraucher besser angenommen.

Vorsicht an der Bahnsteigkante″, bemerkte Fenske hierzu launig und verwies auf die anfallenden Instandhaltungskosten der Schiene, wenngleich er einräumen musste, dass andererseits auch der durch schwere Busse erhöhte Verschleiß der Fahrbahn zu vermehrten Straßensanierungkosten führe. Fenske sieht in einer eigenen Fahrspur für Busse einen Kompromiss, grundsätzlich komme man aber egal ob Bus oder Bahn nicht umhin, dem Auto Raum wegzunehmen.

Die regionalen Verkehrsinitiativen fordern, dass die Stadtbahn im Jahr 2030 startklar sein müsse. Sie veranschlagen 10 Millionen Euro pro Kilometer Schiene plus 25 bis 50 Millionen Euro für den Betriebshof. Möglicherweise kann das Projekt durch die Klimamillionen aus Berlin jetzt angeschoben werden.

Bessere Umlandanbindung: Haller Willem, Bahnhalte am Osnabrücker Rosenplatz, in Belm, Vehrte und vielleicht auch in Ostercappeln Schienenverbindungen zwischen Oberzentrum und ländlichem Raum sind angeraten bei täglich 80 000 Pendlern. Tatsächlich, so Jürgen Fenske, sei die Anbindung der Fläche ein Riesenthema, für das wir in Deutschland noch keine richtige Antwort haben″. Es gebe in anderen Ländern auch gute Erfahrungen mit Schnellbussystemen mit eigener Fahrspur, letztlich sei es immer eine Frage, was man sich die Anbindung kosten lassen wolle. Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes zeigte sich auf Nachfrage von Grünen-Kreisgeschäftsführer Johannes Bartelt zuversichtlich: Der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wird in unserer Region in erster Linie vom Land Niedersachsen finanziert, das bedeutet für uns immer Überzeugungsarbeit.″ Er sei optimistisch, dass mehr Geld für den Ausbau der Strecke Osnabrück–Oldenburg, für Haller Willem und die Bahnhalte in Belm und Vehrte zur Verfügung gestellt werde. Rolfes: Ein Ausbau der Schiene scheint leichter zu werden als in der Vergangenheit.″

Mehr Kapazitäten: Das Fazit von Nahverkehrsfachmann Fenske: Klimapolitisch sei im Modal Split″ eine Drittelung anzustreben ein Drittel Auto, ein Drittel ÖPNV und ein Drittel Fußgänger- und Radverkehr. Wie und mit welchen Verkehrsmitteln dies vor Ort gelinge, hänge vom jeweiligen Bestand, den örtlichen Gegebenheit und den finanziellen Mitteln ab. Die Frage, wie viel die Gesellschaft investieren wolle, entscheide letzten Endes über die Akzeptanz alternativer Verkehrskonzepte. Fenske misst dabei den Investitionen in Kapazitäten also in Personal, Fahrzeuge und Fahrbahnen und damit in mehr Komfort und bessere Taktung eine höhere Bedeutung zu als Subventionen zur drastischen Senkung der Fahrpreise.

Vor allem aber müsse eine Stadt entscheiden, wie viel Raum soll dem ÖPNV und wie viel dem Auto zugestanden werden.″

Bildtexte:
Historisches Gebäude, das bald wieder seiner Bestimmung nachkommen dürfte: der Bahnhof in Vehrte.
Mit diesen Taschen möchte die Stadtbahninitiative Osnabrück für ihr Konzept werben.
Jürgen Fenske war lange Chef der Kölner Verkehrsbetriebe (hier eine Aufnahme von 2013).
Die Anbindung des ländlichen Raumes stellt Verkehrsplaner und Pendler vor Probleme.
Fotos:
Kerstin Balks, Rolf Vennenbernd/ dpa
Autor:
Kerstin Balks


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