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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Noch zehn Jahre Stillstand am Neumarkt?
 
Was nun, Herr Hohlmann?
Zwischenüberschrift:
Deutschland-Chef von Unibail Rodamco äußert sich über die Zukunft des Neumarkts
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Am Neumarkt droht ein Stillstand von mehren Jahren: Wir bewegen uns eher auf zehn Jahre hin, und das ist auch ganz normal bei solchen Objekten″, sagte Alexander Hohlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Centerinvestor Unibail Rodamco Westfield (URW), gestern in einem Gespräch mit unserer Redaktion. URW verzichtet aus wirtschaftlichen Gründen auf den Bau eines Einkaufszentrums, hat aber nach eigenen Angaben noch kein Alternativkonzept. Eine schnellere Lösung wäre nur möglich, wenn die Stadt die Flächen kaufen und die Entwicklung selbst in die Hand nehmen würde. URW sei zum Verkauf bereit, sagte Hohlmann. Es sei nur eine Frage des Preises. Der Manager äußerte sich auch zu der Frage, warum URW den Bauantrag für das Center aufrechterhält.

Osnabrück Der Centerentwickler ist bereit, das Grundstück am Neumarkt an die Stadt zu verkaufen, wenn der Preis stimmt. Aber es gebe bisher kein Angebot der Stadt und keine Verhandlungen″, sagte Andreas Hohlmann, Deutschland-Chef von Unibail Rodamco Westfield (URW), nun in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Wenn die Stadt nicht kauft, droht ein langer Stillstand vielleicht zehn Jahre lang.

Die Ausgangslage: Am 14. Juni hat die deutsche Tochter des französischen Konzerns Unibail Rodamco Westfield erklärt, das geplante Einkaufszentrum wegen dramatisch gestiegener Baukosten nicht zu realisieren. Geplant hatte URW mit 130 Millionen Euro, nach Verhandlungen mit Baufirmen stand der Preis bei 175 Millionen Euro. Im Einzelhandel sind zurzeit keine höheren Mieten zu erzielen, die die höheren Baukosten hätten kompensieren können″, sagte Hohlmann. Für das Areal am Neumarkt liegt sei 2014 ein vorhabenbezogener Bebauungsplan vor, den die Stadt jetzt aufheben und durch einen neuen ersetzen will.

Was hat Unibail Rodamco Westfield jetzt am Neumarkt vor? Der französische Konzern hat nach eigenen Angaben kein Alternativkonzept. Klar ist bislang nur, dass das Einkaufszentrum mit 16 500 Quadratmeter Verkaufsfläche unter den derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich nicht tragfähig wäre. Hohlmann: Wir haben keinen Plan B. Wir haben nicht im Hintergrund mit verdeckten Karten an einem anderen Konzept gearbeitet.″

Warum erklärt URW öffentlich den Verzicht auf das Center und hält trotzdem am Bauantrag fest? Unibail hat den Verzicht auf Oskar″ bisher nur in einer Pressemitteilung erklärt. Alle formalen Verträge auch mit Mietern haben weiter Bestand. Das letzte Wort über das Center ist daher noch nicht gesprochen, wie Hohlmann und Unibail-Manager Olaf Ley deutlich machten. Hohlmann betonte, dass es sich um eine temporäre Bestandsaufnahme″ handele. Das heißt nicht, dass sich die Rahmenbedingungen nicht noch ändern könnten.″ Unibail will sich also die Option offenhalten, eines Tages doch noch ein Center am Neumarkt bauen zu können. Deshalb hat der Konzern im August die von der Stadt geforderten Unterlagen nachgereicht und den Bauantrag vervollständigt.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass URW nicht alleiniger Akteur ist. Der Konzern ist Mehrheitsgesellschafter der Neumarkt 14 Projekt GmbH & Co. KG. Mit 15 Prozent ist Immobilienkaufmann Theodor Bergmann beteiligt, der ein Interesse an einer zügigen Entwicklung am Neumarkt hat und von der Ausstiegsentscheidung seines Geschäftspartners überrascht wurde.

Wie kann es am Neumarkt weitergehen? URW-Chef Hohlmann sagt, der Bauantrag sei vollständig. Es liege jetzt in der Hand der Stadt, die Baugenehmigung für das Einkaufszentrum Oskar″ zu erteilen. Dann hätte Unibail laut Durchführungsvertrag drei Jahre Zeit, das Center zu bauen. Da in diesen drei Jahren die Baupreise gewiss nicht rasant sinken werden, ist klar, dass Unibail mit dem Bau in dieser Frist nicht beginnen wird. In der Tat kann der Konzern in Ruhe abwarten. Konsequenzen drohen nicht, denn der Durchführungsvertrag sieht keine Strafen bei Nichteinhalten der Fristen vor.

Unibail setzt darauf, dass die Stadt in dem Fall die Fesseln lockert. Hohlmann: Der Bebauungsplan und der Durchführungsvertrag lassen keinen Spielraum für andere Nutzungen, die wirtschaftlich wären. Die Stadt müsste die Rahmenbedingungen anpassen. Wir stecken in einem Korsett, das sich alle Beteiligten selbst gegeben haben.″ Im Klartext: Der Bebauungsplan müsste geändert und zum Beispiel eine größere Verdichtung, gemischte Nutzungen, auch Wohnungen, zugelassen werden. Die Stadt muss den nächsten Schritt machen. Sie ist es, die den Knoten durchschlagen kann. Wir sind bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten.″

Könnte die Stadt die Centerflächen kaufen? Ja, der Konzern würde an die Stadt verkaufen. Es ist nur eine Frage des Preises. Wir werden auf keinen Fall unter Buchwert verkaufen″, versicherte Hohlmann, auch ein Verkauf in Teilen komme nicht infrage. Angaben zum Wert der Liegenschaften machte das Management nicht.

In der Politik ist die Neigung groß, einen Kauf zu prüfen. Die großen Ratsfraktionen haben schon am Tag der Center-Absage im Juni erklärt, ein Kauf durch die öffentliche Hand wäre eine sinnvolle Option, einen langen Stillstand am Neumarkt zu verhindern. Passiert ist aber nichts: Es gibt bisher kein Angebot der Stadt und keine Verhandlungen″, sagte Hohlmann.

Wie lange wird der Stillstand anhalten? Es wird lange dauern, es gibt keine schnelle Lösung″, sagte der URW-Chef. Drei Jahre werde nichts passieren″, weil allein die Prozesse zum Ändern des Bebauungsplans so lange dauerten. Etwaige Normenkontrollklagen und Gutachten noch gar nicht mitgerechnet. Neue Konzepte müssen politisch diskutiert und abgestimmt werden. Weitere Unwägbarkeit: 2021 sind Kommunalwahlen es könnte also eine neue Mehrheit im Rat geben, die der Entwicklung am Neumarkt eine andere Richtung geben will. Hohlmann geht davon aus: Wir bewegen uns eher auf zehn Jahre hin, und das ist auch ganz normal bei solchen Objekten.″ Allein die Stadt könnte den Prozess beschleunigen, indem sie die Flächen erwirbt, überplant, bebaut oder ganz oder in Teilen an Investoren weiterveräußert. Hohlmann: Es ist die Frage, wie viel Geld Geschwindigkeit wert ist.″

Warum ist URW seit 2014 mit Oskar″ nicht vorangekommen? Wir konnten erst nach Ende des Normenkontrollverfahrens im Februar 2018 seriös mit dem Bauantrag beginnen und dann in der Folge mit Baufirmen verhandeln″, sagte der URW-Topmanager. Das Normenkontrollverfahren, das ein Anlieger gegen den Bebauungsplan angestrengt hatte, hemmte die im Durchführungsvertrag festgelegten Fristen zum Bau des Centers.

Die Vermietung sei entgegen vielen gegenteiligen Mutmaßungen gut gelaufen, versicherte Olaf Ley, Investment-Direktor bei URW. Die Vermietungsquote habe deutlich über 30 Prozent gelegen, und bis zum Mai 2019 habe es sehr starke, positive Signale″ aus dem Einzelhandel gegeben. Mieter haben uns aktiv angesprochen″, so Ley.

Osnabrück gilt bei URW nach wie vor als Premiumstandort″ mit einem großen Einzugsbereich und hoher Kaufkraft. Der Standort am Neumarkt ist laut Hohlmann ideal″. Und den direkten Anschluss ans Busnetz hält der Manager angesichts der aktuellen Mobilitätsdebatte für einen großen Wert″.

Wie will URW verlorenes Vertrauen zurückgewinnen? Die URW-Spitze ist sich bewusst, dass sich der Konzern in der Beliebtheitsskala in Osnabrück auf der Nulllinie bewegt″. Er könne verstehen, dass die Menschen in Osnabrück enttäuscht seien, weil so lange am Neumarkt nichts passiert sei. Aber wir haben uns nichts vorzuwerfen und müssen auch kein schlechtes Gewissen haben.″ Hohlmann äußerte die Hoffnung, durch ein ehrliches, vernünftiges Miteinander″ verlorenes Vertrauen zurückgewinnen zu können. Er räumt ein, dass die Außendarstellung in der Vergangenheit nicht gut gelaufen″ ist.

Ist die Zeit der Einkaufszentren vorbei? Ganz und gar nicht, meint Hohlmann: Wir sind von dem Geschäftsmodell überzeugt und setzen das an zahlreichen Standorten sehr erfolgreich um.″

Bildtexte:
Tristesse: Osnabrücks zentraler Platz präsentiert sich als städtebauliches Notstandsgebiet bis auf Weiteres.
Andreas Hohlmann
Fotos:
M. Gründel

Kommentar
Stadt sollte Neumarkt-Areal kaufen

Seit zwanzig Jahren wird über den Neumarkt diskutiert. Seit zehn Jahren warten die Osnabrücker auf den Durchbruch. Seit fünf Jahren siecht der meistfrequentierte Platz der Stadt vollends dahin. Und seither schämt man sich, Gäste in dieser städtebaulichen Trostlosigkeit zu empfangen.

Die Geduld ist am Ende. Osnabrück darf sich nicht weitere zehn Jahre diesen Missstand leisten. Unibail die Baugenehmigung zu erteilen würde am Status quo nichts ändern. Der Konzern würde es aussitzen und damit den Druck erhöhen. Denn auch wenn er schon Millionen in die Immobilien und Planung investiert hat, sind diese doch in Relation zum weltweiten und milliardenschweren Gesamtportfolio nur die berühmten Peanuts.

Nur wenn die Stadt zugreift, hat sie Gestaltung und Zeitplan am Neumarkt wieder selbst in der Hand. Die Politik ist dem Kauf zugeneigt. Warum also liegt Unibail bislang kein verbindliches Kaufangebot vor? Klar, die Stadt ist in den Verhandlungen in der schwächeren Position. Ihr würde wahrscheinlich der Preis diktiert. Aber: Teuer zu kaufen ist besser, als am Neumarkt noch ein Jahrzehnt zu verlieren. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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