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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zersplitterte Bäume in der Noller Schlucht
Zwischenüberschrift:
Förster und Waldbesitzer stehen in Dissen vor großen Herausforderungen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Dissen Ein Gewittersturm verwüstete am 20. Juli den ohnehin schon durch Trockenheit und Borkenkäfer angegriffenen Wald in der Noller Schlucht zwischen Dissen und Wellingholzhausen. Nun haben die Aufräumarbeiten begonnen. Förster und Waldbesitzer sind erschöpft vom Kampf für den Walderhalt.

Gerade hatten wir hier die Folgen des Anfang 2018 wütenden Orkans Friederike beseitigt, umgefallene Stämme aus dem Wald geholt, Aufforstungen angelegt, da wehte das nächste Problem auf uns zu″, sagt Bezirksförster Günter Knop. Eine Art Windhose habe sich Mitte Juli durch die Noller Schlucht geschoben und dabei punktuell Bäume abgebrochen und auch entwurzelt.

Rund 50 Waldbesitzer sowie Bereiche der Niedersächsischen Landesforsten sind betroffen. Da es jetzt Schäden an vielen vereinzelten Orten gebe, sei es besonders schwierig, alle diese kreuz und quer verteilten Stämme und Kronen zu finden und sie dann mit den Waldmaschinen zu erreichen.

Als Erstes müssen wir jetzt die Nadelholzbestände aufräumen, weil dort die Borkenkäfer-Entwicklung am größten ist″, erklärt Günter Knop. In den ausgetrockneten umgestürzten Fichten fühle sich der Käfer besonders wohl. Netze und Fallen, die aufgrund der Borkenkäferplage bereits im letzten Jahr aufgestellt wurden, wirken an dieser Stelle nun nicht mehr, da der Waldschädling vielmehr von dem Harzgeruch der windzerstörten Bäume angezogen werde.

Doch nicht nur die flachwurzelnden, windanfälligen Fichten, sondern auch dicke Eichen und Buchen wurden von den Böen Mitte Juli erfasst. Durch die Trockenheit, die den Bäumen schon seit dem Hitze-Sommer 2018 zu schaffen macht, haben auch ihre Wurzeln im bröckeligen Boden nicht mehr so viel Halt.

Besonders verheerend für die Waldbauern und den Holzverkauf ist es, dass die Windhose sich so bewegte, dass sie viele trockene Bäume nicht komplett entwurzelte dann wäre das Holz noch nutzbar –, sondern sie zum großen Teil zerdrehte und zersplitterte. Dieser Bruch bedeutet einen starken Wertverlust″, weiß Andreas Wiemer, Holzkoordinator des Forstamts Weser-Ems. Um die Holzpreise sei es ohnedies schon schlecht bestellt, weil Borkenkäfer und Trockenheit nicht nur ein Problem unserer Gefilde, sondern ganz Europas sind. Das ganze Holz der kranken, gerodeten und umgefallenen Bäume fließt nicht mehr ab. Es gibt einfach zu viel davon″, erklärt er. Zeit also für innovative Ideen, um die Ressource Holz vermehrt und nützlich einzusetzen.

Quasi im Auge des Sturms stand Waldbesitzer Heiner Brinker aus Wellingholzhausen. So schnell, wie das Gewitter kam, ging es auch wieder. Aber es wütete in diesen zehn Minuten so stark, dass ich im Regen hier im Wald nichts mehr sehen konnte″. Zusammen mit den benachbarten Waldbauern versucht er nun, den Wald wieder aufzuforsten. Doch auch dabei macht uns die Trockenheit einen Strich durch die Rechnung″, berichtet Förster Knop. Der Grundwasserspeicher ist nicht aufgefüllt. Wird jetzt in die Aufforstung investiert, geht das mit dem Risiko einher, dass die jungen Pflanzen im Frühjahr verdursten.″

Dennoch soll in der Noller Schlucht wieder ein gesunder Wald entstehen, der den Veränderungen des Klimawandels standhält und von dem sowohl ökologisch als auch ökonomisch profitiert werden kann. Doch wie sieht ein zukunftsfähiger Wald aus? Wir können nicht abschätzen, welche klimatischen Veränderungen und damit einhergehende Probleme auf uns zukommen und welche Baumarten für die Bedingungen, die hier in 50 Jahren vorherrschen, die richtigen sind″, sagt Knop. So setzen er und viele andere Förster bei Neupflanzung und Beratung der Waldbesitzer nun auf Risikominimierung durch Mischbestände.

Viele Waldbesitzer sehen sich derzeit vermehrt dem Vorwurf ausgesetzt, falsche Baumarten gewählt zu haben. Wir bemühen uns seit Generationen um einen widerstandsfähigen Baumbestand, doch die Anforderungen ändern sich. Bäume wachsen nunmal langsam, und dachte man vor 30 Jahren bei der Aufforstung noch, jetzt ist die Buche an diesem Standort die passende Art, kann das heute eventuell nicht mehr zutreffen″, wissen Heiner Brinker, Hendrik Brinkmann und andere Waldbesitzer in der Noller Schlucht.

Sie alle beobachten eine enorme Lichtung des Waldes in den letzten fünf bis sechs Jahren. So einen punktuell wütenden Sturm wie der Mitte Juli, den habe es immer mal wieder in der Noller Schlucht gegeben. Aber die zahlreichen, in relativ kurzer Zeit aufeinander folgenden Umweltereignisse, wie Dürre, Stürme, Schädlings- und Pilzbefall, seien dem Klimawandel zuzuschreiben und stellen die Waldbewirtschafter vor so bisher nie da gewesene Herausforderungen.

Bildtexte:
Zersplitterte Eiche: Wäre ihr Holz nicht durch lange Trockenheit angegriffen und die Wurzeln durch mehr Nässe im Boden fester verankert, hätte so ein Baum laut Günter Knop, Bezirksförster Melle-Süd, dem Sturm womöglich standgehalten oder wäre mit Wurzelteller komplett gekippt,
Auf den umgeworfenen Fichtenstämmen sind bereits an vielen Stellen die mit Sägemehl umrandeten Bohrlöcher des Borkenkäfers zu erkennen.
Abgenickte und entwurzelte Laub- und Nadelbäume hat die Windhose Mitte Juli in der Noller Schlucht hinterlassen. Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben.
Fotos:
Carolin Hlawatsch
Autor:
Carolin Hlawatsch


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