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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Müssen Häuser der neuen A 30 weichen?
 
Wo ist der Platz für sechs Fahrspuren?
Zwischenüberschrift:
So viel Transparanz war nie: Landesbehörde lädt zum Anwohnerspaziergang entlang der A 30 ein
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Dem sechsspurigen Ausbau der A 30 in Osnabrück stehen möglicherweise Gebäude in Hellern im Weg. Das sagte Frank Engelmann von der Landesbehörde für Straßenbau beim ersten Anwohnerspaziergang entlang der Autobahn. Der Ausbau zwischen Lotter Kreuz und Südkreuz wird frühestens in zehn Jahren beginnen. Die Planungen haben gerade erst begonnen. Dennoch geht die Landesbehörde schon jetzt aktiv auf betroffene Bürger zu, legt die Entwürfe offen und lädt zu Anwohnerspaziergängen ein. Am Dienstagabend fand der erste Gang in Nahne und Sutthausen statt. Die Betroffenen finden das gut: Ich fühle mit gut mitgenommen und informiert″, sagte ein Anwohner. Der Ausbau ist für Osnabrück von großer Bedeutung, denn die Hälfte des A-30-Verkehrs ist städtischer Verkehr.

Osnabrück Die A 30 wird auf sechs Spuren ausgebaut. Es dauert zwar noch gut zehn Jahre, bis die Bagger kommen, aber die Planungsbehörde geht jetzt schon mit den Anwohnern an der Trasse spazieren, um über mögliche Folgen für Haus und Garten zu reden. Es kann nämlich sein, dass Häuser der breiten Autobahn weichen müssen.

Diese Transparenz gab es noch nie: Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Osnabrück bittet zu Anliegerspaziergängen″ in Nahne, Sutthausen und Hellern. Am Dienstagabend folgten etwa 20 Autobahnnachbarn aus Nahne und Sutthausen der Einladung und dem orangefarbenen Bulli der Landesbehörde, in dem das Planungsteam die Pläne und Zeichnungen mitführte und an vier Haltepunkten ausbreitete.

Die Pläne sind noch sehr vage. Wir stehen noch ganz am Anfang″, betonte Frank Engelmann, stellvertretender Leiter der Landesbehörde für Straßenbau. Anfang bedeutet: Die Planer suchen noch nach der Ideallinie. Bis Ende 2020 soll die Vorzugsvariante für den Verlauf der künftigen Autobahn vorliegen.Bürgerbeteiligung

Die Anwohnerspaziergänge sind ein neues Instrument der Bürgerbeteiligung. Julia Hampe von der Firma IKU-Dialoggestalter aus Dortmund moderiert die Gespräche, Mitarbeiter der Landesbehörde beantworten die Fragen. Am kommenden Dienstag (17.30 bis 20.30 Uhr) bietet die Behörde den nächsten Spaziergang für Betroffene in Hellern an. Im Frühjahr hat es bereits einen Anliegerstammtisch gegeben, es folgen im Herbst und Frühjahr Anliegerworkshops und Infomärkte, die über den jeweiligen Planungsstand informieren. Auch die behördeninternen Gesprächsrunden sind in Zukunft öffentlich.

Die Betroffenen finden das ausnahmslos gut: Ich fühle mich sehr informiert und gut abgeholt, die Fragen wurden sehr detailliert beantwortet, soweit es in diesem Stadium eben geht″, sagte etwa Christian Quebe (36), der seit zwölf Jahren an der Wulfter Straße direkt neben der Autobahn wohnt ohne Lärmschutzwand. Quebe hofft, dass der Autobahnausbau ihm und seiner Familie endlich Ruhe bringt und das Grundstück nicht angeknabbert werden muss. Zurzeit rauschen die Lastwagen nur wenige Meter hinter seinem Gartenzaun Richtung Hannover vorbei.

In Nahne und Sutthausen ist Platz, um die Autobahn um die geforderten zehn Meter zu verbreitern. Zwischen dem Südkreuz und Nahne/ B 51 greifen die Planer auf den nördlichen Rand zu, zwischen Nahne und Sutthausen gibt es auf der südlichen Seite genügend Ausdehungsfläche. Daraus folgt, dass die neue A 30 wohl einen etwas größeren Bogen schlagen wird als heute.

Die gute Nachricht für die Anlieger: Private Grundstücke oder Gebäude stehen in diesen Abschnitten nicht im Weg. Anders im Abschnitt Hellern. Hier könnte es zu Konflikten mit der Bebauung kommen″, sagte Frank Engelmann. Im Klartext: Möglicherweise müssen dort Häuser abgerissen werden.Lärmschutz

Eine zentrale Frage für die Anlieger ist der Lärmschutz. Viele verbinden mit dem Ausbau die Hoffnung, dass es in den Wohngebieten ruhiger wird. Eine Garantie dafür mochte Frank Engelmann nicht geben, denn die Lärmberechnungen folgen erst am Ende des Planungsprozesses, wenn die künftige Autobahnachse festgelegt ist. Engelmann vermied jede Festlegung, ließ aber durchblicken: Lücken in der Lärmschutzwand, wie es sie heute gibt, sind an der neuen Autobahn nicht zu erwarten. Denkbar ist auch, besonders betroffene Autobahnabschnitte mit einem Deckel zu versehen.

Karin und Karl Heidker leben seit den Siebzigerjahren in Nahne direkt hinter der Lärmschutzwand. Sie führen die Gruppe in ihren Garten. Es ist 19 Uhr, der schlimmste Verkehr scheint vorbei. Das Plätschern des Brunnens überdeckt das leise Summen von der Autobahn. Der Lärm sei kein Problem, sagt Karl Heidker, eher der Schattenwurf der fast haushohen Wand.

Auch Ansgar Gräuler, Bewohner der Nahner Landwehr auf der Südseite der Autobahn, sorgt sich nicht über den Lärm, der von der Schutzwand gut abgeschirmt werde, sondern über die Luftbelastung: An manchen Tagen kann man richtig eine Dunstwolke über der Autobahn sehen.″

Das Bundesverkehrsministerium hat den A-30-Ausbau in die höchste Kategorie des Bundesverkehrswegeplans 2030 eingestuft. Der städtische Abschnitt der A 30 gilt als einer von vielen Engpässen im europaweiten Verkehrsnetz, die das Ministerium vorrangig beseitigen will.

Die Autobahn muss auf 11, 5 Kilometern zwischen dem Lotter Kreuz und dem Südkreuz auf 50 bis 60 Meter verbreitert werden. Die Kosten werden (Stand Mitte 2019) auf 143 Millionen Euro geschätzt. Der Ausbau kommt einem Neubau gleich, denn alle 20 Brücken, vier Anschlussstellen, das Südkreuz und alle Lärmschutzwände müssen neu errichtet werden.

Engelmann geht davon aus, dass der Bau frühestens 2028 oder 2029 beginnen kann und mindestens sechs Jahre dauern wird.

Bildtexte:
Auf der Autobahnbrücke am Kreishaus erklärt Frank Engelmann von der Landesbehörde für Straßenbau, wie die A30 an dieser Stelle sechsspurig ausgebaut werden könnte.
Baustart: 2028/ 2029. Kalkulierte Bauzeit: sechs Jahre.
Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar
Auf die Bürger hören so geht das

Die Landesbehörde für Straßenbau macht es genau richtig. Sie holt professionelle Moderatoren, geht schon jetzt auf die Bürger zu und erprobt neue Beteiligungsmodelle. Der A-30-Planungsprozess illustriert in vorbildlicher Weise, was Politiker auf allen Ebenen immer wieder zu tun geloben: den Bürger ernst nehmen.

Zur Erinnerung: Erst als 2010 die Bagger vor dem Stuttgarter Bahnhof anrollten, regten sich plötzlich Protest und Widerstand. Den jahrelangen Planungsprozess zuvor hatten offenbar nur wenige zur Kenntnis genommen, und kaum jemand hatte die umfangreichen Beteiligungsmöglichkeiten genutzt, die das Baugesetzbuch eigentlich jedem Bürger bietet. Die Öffentlichkeit sei möglichst frühzeitig über die allgemeinen Ziele und den Zweck einer Planung zu unterrichten, heißt es in Paragraf 3 das Baugesetzbuches. Dieser Pflicht sind die Behörden in der Vergangenheit nachgekommen, wenn Bürger fragten. Doch jetzt sprechen sie die Bürger an und öffnen ihnen Türen und Akten. Deutschlands Behörden haben aus Stuttgart 21 Lehren gezogen.

Das kann helfen, die weitere Planung ohne Reibungsverluste und Klagen voranzutreiben. Mehr noch aber hilft es, die Akzeptanz für Großprojekte zu verbessern, gegensätzliche Interessen auszugleichen, dem Wutbürgertum den Boden zu entziehen und möglicherweise sogar gute Ideen aus der Bürgerschaft in ein Projekt einzubringen. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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