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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück wartet auf die Umweltampel
 
Wann kommt denn nun die Umweltampel?
Zwischenüberschrift:
Das Geld für die neue Verkehrssteuerung ist da, aber die Fachleute fehlen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Einführung des umweltsensitiven Verkehrsmanagements (UVM) in Osnabrück verzögert sich. Das teilte die Verwaltung auf Anfrage der CDU-Fraktion mit. Ursprünglich war geplant, die Umweltampel bis Ende des kommenden Jahres scharfzuschalten, doch dieses Ziel ist nicht zu schaffen. Die Stadt will die Ampeln so steuern, dass die Luft an keiner Stelle stärker als erlaubt mit Schadstoffen verschmutzt wird. Dafür soll ein System von Sensoren an Haupt- und Nebenstraßen Luftqualität und Verkehrsdichte messen und an einen Verkehrsrechner leiten. Kommt es in der Innenstadt oder einem anderen Stadtteil etwa bei den Stickoxiden zu kritischen Konzentrationen, müssen Autofahrer warten oder Umwege fahren. Wenn die Umweltampel nicht bis Ende 2020 in Betrieb ist, könnte die Debatte über Fahrverbote wieder aufleben.

Osnabrück Als 2018 ein Dieselfahrverbot in Osnabrück drohte, musste es schnell gehen: Die umweltsensitive Verkehrssteuerung sollte spätestens 2020 für saubere Luft und freie Fahrt sorgen. Jetzt ist klar, dass diese Umweltampel noch lange nicht kommt.

Die Stadt will die Ampeln so steuern, dass die Luft an keiner Stelle stärker als erlaubt mit Schadstoffen verschmutzt wird. Dafür soll ein System von Sensoren und Detektoren an Haupt- und Nebenstraßen die Luftqualität und die Verkehrsdichte messen und an einen Verkehrsrechner weitergeben. Kommt es in der Innenstadt oder einem anderen Stadtteil etwa bei den Stickoxiden zu kritischen Konzentrationen, müssen Autofahrer warten oder Umwege fahren.

Ziel ist nach Angaben der Stadtverwaltung, dass der Verkehr störungsfrei rollt. Denn: Je flüssiger der Verkehr, desto geringer die Schadstoffbelastung. Das System kann beispielsweise dem Verkehr auf dem Wall Vorrang einräumen, um das Stadtzentrum zu entlasten. 3, 5 Millionen Euro kostet das System. Die Hälfte wird vom Bundesverkehrsministerium übernommen.

Das umweltsensitive Verkehrsmanagement (UVM) ist ein Kernbestandteil des Masterplans Green City von 2018, in dem die Stadt aufgeschrieben hat, wie sie die Schadstoffbelastung reduzieren und damit Fahrverbote vermeiden will. Zum Maßnahmenpaket gehören auch die Umstellung des Nahverkehrs auf Elektrobusse und die Reduzierung des Autoverkehrs bis 2022 um vier Prozent.

In der Stadtverwaltung ist eine zusätzliche Stelle für die Einführung des Systems geschaffen und inzwischen besetzt worden. Ziel war, bis Dezember 2020 die umweltsensitive Verkehrssteuerung in Betrieb zu nehmen, doch dieser Termin ist nicht zu halten, wie die Verwaltung jetzt auf Anfrage der CDU-Fraktion mitteilte. Der Grund: Nur wenige Ingenieurbüros kennen sich mit der Technik aus und die sind aktuell voll ausgelastet. Denn bundesweit gibt es zahlreiche Städte, die das Förderprogramm des Bundes nutzen und das System zum Einsatz bringen wollen.

Die Verwaltung geht davon aus, dass sich der Starttermin um sechs bis zwölf Monate verzögern wird. Im schlimmsten Fall greift die neue Steuerung also erst ab Ende 2021. Das könnte die Stadt in Schwierigkeiten und die Diskussion um Fahrverbote wieder in Schwung bringen. Denn: Das Bundesverwaltungsgericht stellte 2018 klar, dass die Einhaltung der Stickstoffdioxidgrenzwerte nach 2020 unzulässig ist und in dem Fall andere Maßnahmen zur kurzfristigen Einhaltung der Grenzwerte ergriffen werden müssen.

Die Stadt hat dem Bundesverkehrsministerium als Fördergeber bereits mitgeteilt, dass der ursprüngliche Starttermin Dezember 2020 nicht zu halten sein wird. Da Osnabrück nicht die einzige Kommune mit diesem Problem sei, könne davon ausgegangen werden, dass der Förderzeitraum grundsätzlich verlängert und an die Marktsituation angepasst wird″, heißt es in der Antwort der Verwaltung auf die Anfrage der CDU.

Grüne Welle für Radler

Neben der Ampelsteuerung soll ein zweiter Baustein die multimediale Verkehrsinformation für Bürgerinnen und Bürger″ das System ergänzen. Wer in die Stadt fahren will, kann dann vorab Informationen abrufen, wo gerade Staus oder Baustellen sind, wann und wo wie viel Verkehr erwartet wird und wo der Rechner gegensteuert. Über eine Smartphone-App, ein Internetportal und digitale Informationstafeln an Hauptverkehrsachsen sollen die Verkehrsteilnehmer informiert werden, wo mit Behinderungen zu rechnen ist und über welche Strecken das gewünschte Ziel am besten erreicht werden kann. Mithilfe der App wollen die Planer außerdem eine grüne Welle für Radfahrer anbieten.

Bildtext:
Die umweltsensitive Verkehrssteuerung wird in Osnabrück vermutlich erst Ende 2021 scharf geschaltet.
Foto/ Archiv:
Michael Gründel

Kommentar
Gründlichkeit vor Schnelligkeit

In der aufgeheizten Diesel-Atmosphäre im vergangenen Jahr griff die Politik in Bund, Ländern und Kommunen dankbar alles auf, was sofort Rettung vor Fahrverboten versprach. Dazu gehörte auch die umweltsensitive Verkehrssteuerung, obwohl sich kaum einer etwas darunter konkret vorstellen konnte. Aber die Umweltampel schien schnell umsetzbar. Diese Hoffnung auf schnelle Hilfe hat sich in Luft aufgelöst wie manches Schadstoffproblem übrigens auch.

Gewiss, die Schadstoffwerte am Schlosswall und am Neumarkt sind noch nicht im grünen Bereich. Am Wall aber tendiert die Kurve seit Monaten nach unten und nährt die Hoffnung, dass der Stickstoffdioxid-Grenzwert von 40 Gramm pro Kubikmeter Luft bald eingehalten werden kann. Das nimmt aktuell ein wenig den Druck aus dem Kessel und lässt es verschmerzen, dass die umweltsensitive Verkehrssteuerung noch auf sich warten lässt.

Vor diesem Hintergrund ist Gründlichkeit wichtiger als Schnelligkeit. Die umweltsensitive Verkehrssteuerung, so sagen Experten, biete ein ungeheures Potenzial, die gesamte Verkehrssituation in Osnabrück zu verbessern. Die Aufrüstung der Technik, die Bündelung aller Daten und intelligente Algorithmen werden es möglich machen, Verkehrszustände zu analysieren und sogar vorauszusagen. Welch eine Aussicht: Das wird uns alle in die Lage versetzen zu entscheiden, ein anderes Verkehrsmittel, eine andere Route oder eine andere Abfahrtszeit zu wählen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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