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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rathaustür: Mutmaßlicher Zündler gesteht
 
Rathaus-Zündler ein Wiederholungstäter?
Zwischenüberschrift:
Verdächtiger legt Geständnis ab / 47-Jähriger soll drei Brände gelegt haben
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Nach der versuchten Brandstiftung an der historischen Osnabrücker Rathaustür ist ein 47-jähriger Mann dringend tatverdächtig. Der Mann soll Anfang Juli versucht haben, die mehr als 500 Jahre alte Tür anzuzünden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Mann die Tat mittlerweile gestanden. Bis Mitte Februar 2020 wird er sich dafür aller Voraussicht nach vor Gericht verantworten müssen,

Aktuell befindet er sich in einer psychiatrischen Klinik. Denn der Brandanschlag auf die Rathaustür war wohl nicht seine einzige Tat dieser Art: Er soll auch in zwei Gebäuden an der Bramscher Straße und im Eingangsbereich des Ameos-Klinikums versucht haben, Feuer zu legen. DNA-Spuren an einer Streichholzschachtel brachten die Ermittler auf die Spur des polizeibekannten Mannes.

Osnabrück Wie Bei dem Mann, der Anfang Juli die Osnabrücker Rathaustür angezündet haben soll, handelt es sich anscheinend um einen Wiederholungstäter. Nach Recherchen unserer Redaktion werden dem 47-Jährigen drei weitere Brandstiftungen in der Stadt vorgeworfen. Außerdem soll er psychisch krank sein.

Wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte, reicht die Serie an Straftaten bis in den Herbst 2018 zurück. Der Verdächtige ein 47-jähriger Osnabrücker habe unmittelbar vor seiner Verhaftung Mitte August ein umfassendes Geständnis abgelegt. DNA-Spuren brachten die Ermittler auf die richtige Spur.

Vergleichbares Vorgehen

Den Angaben zufolge soll der Beschuldigte erstmals am 22. November in einem Wohn- und Geschäftsgebäude an der Bramscher Straße Feuer gelegt haben. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von 20 000 Euro. Menschen wurden dabei nicht verletzt. Offenbar hat der Täter etwas Brennendes durch den Briefschlitz ins Haus geworfen″, sagte Staatsanwalt Lennart Jacobs.

Ein vergleichbares Vorgehen stellten die Ermittler auch an anderen Tatorten in der mutmaßlichen Reihe von Anschlägen fest. Zum Beispiel, als nur kurze Zeit später und ganz in der Nähe wieder ein Feueralarm ausgelöst wurde.

So soll der Verdächtige bereits in den Tagen nach der ersten Brandstiftung konkret zwischen dem 23. und 26. November versucht haben, an der Bramscher Straße ein weiteres Gebäude anzuzünden, indem er eine brennende Streichholzschachtel durch den Briefschlitz warf. Reste dieser Streichholzschachtel wurden sichergestellt und im Labor auf Fingerabdrücke und mögliche Spuren von Erbgut untersucht. Ergebnis war ein Treffer in der DNA-Datenbank.

DNA nachgewiesen

Die ermittelte DNA konnten zweifelsfrei dem Beschuldigten zugeordnet werden″, erklärte Jacobs. Warum der Mann dort gespeichert war, ließ der Staatsanwalt offen. Nach Informationen unserer Redaktion ist der Grund dafür jedoch eine erkennungsdienstliche Behandlung des Verdächtigen infolge eines anderen Vorfalls in Osnabrück Ende 2018.

Als den Ermittlern dann vor wenigen Wochen das Resultat des DNA-Abgleichs bekannt geworden sei, sei der Beschuldigte von der Polizei vernommen worden. Dabei hat er drei weitere Taten eingeräumt″, sagte Jacobs. Darunter auch Brandstiftungen im Eingangsbereich des Ameos-Klinikums am 4. April 2019 sowie an der Rathaustür in der Nacht zum 5. Juli. Im letzten Fall gehen die Ermittler davon aus, dass der Mann mit Brandbeschleuniger gefüllte Dosen am Fuß des Portals abgestellt hatte. Passanten entdeckten mitten in der Nacht das Feuer und alarmierten den Wachdienst des damals stattfindenden Weinfestes.

In Psychiatrie

Das umfassende Geständnis des Beschuldigten während der polizeilichen Vernehmung und die daraus abgeleitete Wiederholungsgefahr hätten die Staatsanwaltschaft veranlasst, Untersuchungshaft für den 47-Jährigen zu beantragen, erläuterte Jacobs. Diese sei Mitte August vom Amtsgericht Osnabrück verhängt, mittlerweile aber in einen Unterbringungsbefehl umgewandelt worden. Der Beschuldigte befindet sich jetzt in einer psychiatrischen Klinik. Eine politisch motivierte Tat kann offenbar ausgeschlossen werden.″

Gleichwohl laufen die Ermittlungen weiter. Von einer Anklage ist auszugehen″, erläuterte der Staatsanwalt. Der Prozess müsse dann spätestens sechs Monate nach der Festnahme, also bis Mitte Februar 2020, beginnen. In der Hauptverhandlung sei unter anderem zu klären, inwiefern der mutmaßliche Feuerteufel überhaupt schuldfähig sei. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lange Haft: Das Strafgesetzbuch sieht bereits für eine einzige vollendete Brandstiftung eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren vor.

Bildtext:
Der Brandanschlag auf die Tür des Rathauses war glimpflich ausgegangen. Bei der Rathaustür handelt es sich nicht um einen neuzeitlichen Nachbau mit gotischen Verzierungen, sondern um das Original aus der Zeit der Errichtung des Gebäudes. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie rechtzeitig vor dem vernichtenden Bombenangriff ausgebaut und eingelagert.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Sebastian Stricker


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