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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kontroverse um Baugebiet in Voxtrup
 
Sind 220 Wohneinheiten genug?
Zwischenüberschrift:
Skepsis im Stadtentwicklungsausschuss über Pläne für Neubaugebiet „Steiniger Heide″ in Voxtrup
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Mit dem geplanten Neubaugebiet In der Steiniger Heide″ in Voxtrup zwischen A 30 und Friedhof soll eine der letzten großen freien Flächen in Osnabrück durch Investoren bebaut werden. Während die CDU auf Schnelligkeit drängt, haben SPD und Grüne Bedenken, dass dort zu viel Fläche für zu wenige Wohnungen verschenkt wird. Sie fordern von der Stadtverwaltung, mit den Investoren zu verhandeln, statt zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern zumindest dreigeschössige Häuser zu planen. In Kürze startet die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für den Vorentwurf des Bebauungsplanes trotz Kritik des UWG-Ratsherrn Wulf-Siegmar Mierke. Ihm sind die Unterlagen noch zu unvollständig. Die CDU wiederum mahnt angesichts des derzeitigen Mangels an Wohnungen zur Eile.

Osnabrück Der Plan ist insgesamt zu unambitioniert″, urteilte Sebastian Bracke (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Die Grünen bemängeln, dass in dem nach dem Landwehrviertel zweitgrößten Osnabrücker Neubaugebiet an der A 30 in Voxtrup überwiegend Einfamilienhäuser vorgesehen sind.

Der Stadtentwicklungsausschuss hatte darüber zu entscheiden, ob der aktuelle Entwurf für ein zehn Hektar großes Baugebiet in Voxtrup jetzt in die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit geht. Rund 220 Wohneinheiten nach dem aktuellen Planentwurf entstehen, davon rund 100 in Einfamilienhäusern und 120 in Mehrfamilienhäusern, die zweigeschossig mit Staffelgeschoss konzipiert sind.

Das ist nicht unser Traumentwurf″, sagte auch Heiko Panzer für die SPD-Fraktion, während Marius Keite für die CDU-Fraktion betonte: Wir sollten zusehen, dass wir an dieser Stelle vorankommen und nicht das Haar in der Suppe suchen.″

Zentral im neuen Gebiet sollen ein Quartiersplatz, ein Spielplatz und eine Kindertagesstätte entstehen. Damit die Einfamilienhäuser nicht zu viel Platz verbrauchen, sind sie als Doppel- und Kettenhäuser geplant. Kettenhäuser sind eine Mischung aus Reihen- und frei stehendem Einfamilienhaus. Sie sind durch Garagen zwischen den einzelnen Häusern verbunden.

Kaltluftschneise

Insgesamt ist die vorgesehene Bebauung recht luftig und mit viel Grün an der Grenze zur Autobahn angelegt, damit weiterhin Kaltluft von Süden in das Wohngebiet und die angrenzenden Gebiete im Norden strömen kann. Das Stadtklimagutachten von 2017 hatte dem Areal eine hohe bioklimatische Bedeutung″ zugewiesen, wie die Stadt in der Begründung zum Vorentwurf schreibt.

Heiko Panzer betonte, die SPD sei bereit, über mehr Mehrfamilienhäuser offen zu diskutieren: Über Geschosswohnungsbau kann ich mir die eine oder andere Verdichtung sparen″, so Panzer. Marius Keite (CDU) entgegnete, dass im städtischen Wohnraumversorgungskonzept auch der Bedarf an Einfamilienhäusern erkannt worden sei. Bei der Steiniger Heide handle es sich um ein Stadtrandgebiet und das Baugebiet müsse außerdem im Zusammenhang mit dem geplanten Baugebiet Grüner Garten″ betrachtet werden, wo ebenfalls in Voxtrup die Evangelischen Stiftungen an der Meller Landstraße auf 1, 7 Hektar Fläche 79 Wohneinheiten und ein Altenheim bauen wollen.

Die Frage, inwieweit der Autoverkehr aus der Siedlung Steiniger Heide herausgehalten werden könnte, kam sowohl von FDP-Ratsherr Oliver Hasskamp als auch vom Grünen Jens Meier. Stadtbaurat Frank Otte sagte: Ich bin bestimmt der Letzte, der daran festhält, dass jedes Grundstück mit dem Auto angefahren werden kann. Für eine autofreie Siedlung sollten wir uns aber ein Gebiet angucken, das hervorragend an den ÖPNV angeschlossen ist und wir sollten das schon zu Beginn der Planung tun.″ Meier betont, ihm gehe es gar nicht darum, das komplette Gebiet autofrei zu halten, dafür liege es zu weit außerhalb, aber es so zu gestalten, dass man aufs Auto verzichten kann″, zum Beispiel durch Bündelung von Parkflächen. Das kann doch auch ein Gewinn sein für so ein Gebiet″, so Meier.

Ende Januar hatte der Rat den Startschuss für das Planverfahren gegeben, die ersten Entwürfe sind schon fast vier Jahre alt. Die Zeit drängt: Bis nächstes Jahr will Osnabrück stadtweit Planungsrecht für 3000 neue Wohneinheiten geschaffen haben. Bis zum Bürgerentscheid über die Gründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft Ende Mai 2019 bestand Planungsrecht für 1600 Wohnungen.

Inwieweit aus zweistöckigen Mehrfamilienhäusern noch dreistöckige werden können, will die Stadtverwaltung jetzt noch mit den Investoren besprechen. Nur Linke, UWG und FDP stimmten gegen die frühzeitige Beteiligung im aktuellen Entwurfsstadium, SPD und Grüne enthielten sich, die CDU stimmte dafür. Damit können sich die Bürger jetzt bald vier Wochen lang dazu äußern.

Bildtext:
Zehn Hektar groß ist das geplante Baugebiet in Voxtrup.
Foto/ Grafik:
Stadt Osnabrück, Fachbereich Städtebau

Kommentar
Letzte Gelegenheiten für Weichenstellungen

Fürs Stadtklima und für die Umwelt ist es schmerzhaft, wenn wieder eine Freifläche in Osnabrück bebaut wird für die Bevölkerung ist es angesichts des Mangels an günstigen Wohnungen zwingend notwendig.

Entsprechend wichtig ist, dass die Stadt bei den letzten großen Baugebieten, die platzmäßig noch möglich sind, Weitsicht zeigt und beiden Interessen angemessen Rechnung trägt.

In der Steiniger Heide werden viele Dinge, die derzeit in der Diskussion sind, schon zur Anwendung kommen: Voraussichtlich nächste Woche wird der Rat die verschärften ökologischen Bauvorschriften für Investoren beschließen. Am deutlichsten wird sich das beim Neubaugebiet aus der Luft betrachtet auswirken: Die Dächer der Hauptgebäude, die laut dem derzeitigen Entwurf flach ausfallen sollen, werden überwiegend begrünt sein. Das ist gut fürs Stadtklima, wird sich aber sicher in den Wohnungsmieten und den Preisen für die Familienhäuser niederschlagen.

Deswegen und wegen des Flächenverbrauchs ist die Frage von Grünen und SPD absolut berechtigt, ob nicht mehr Wohnungen möglich sind, wenn schon Boden versiegelt wird.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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