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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wo Bauhaus heute noch zu finden ist
Zwischenüberschrift:
Auf Spurensuche in Osnabrück nach den Werken der Avantgarde-Architekten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück In diesem Jahr wird das 100-jährige Bestehen des Bauhaus gefeiert. Spuren hat der Baustil aber nicht nur in seiner Gründungsstätte in Weimar hinterlassen, sondern weltweit. Auch in Osnabrück lassen sich ein paar Gebäude finden, die dem Neuen Bauen″ zuzuordnen sind. Quartier Kornstraße: Der Osnabrücker Bauhaus-Hotspot liegt in der Kornstraße. Nirgends gibt es flächenmäßig mehr Avantgarde-Architektur als nördlich des Hasefriedhofs, wo 1929 ein ganzer Siedlungskomplex im Bauhaus-Stil entstand. Der Architekt und Unternehmer Paul Thor ließ diese Siedlung mit 45 Wohnungen für kinderreiche Familien und an Tuberkulose Erkrankte errichten. Besonderes Merkmal ist die für damalige Verhältnisse konsequent moderne und funktionale Architektur.

Die mehrgeschossigen Flachdachbauten sind rechtwinklig angeordnet und verfügen jeweils auf der Westseite über durchlaufende Fenster- und Balkonfronten. Auf der Ostseite sind die Funktionsräume wie Treppenhäuser oder Küchen untergebracht. Ganz im Sinne des Bauhauses wirken die Fassaden flächig und schmucklos. Bei der Baubehörde und auch bei einigen Bürgern stieß die neuartige Architektur zunächst auf Ablehnung. Erst nach mehreren Anläufen wurde dem Architekten Paul Thor die Baugenehmigung erteilt.

Haus Thor/ Haus Thalheim : Am Westerberg befinden sich zwei Häuser im Bauhaus-Stil, die ebenfalls vom Architekten Paul Thor entworfen wurden. Die Bauten in der Friedrichstraße sehen heute fast noch genauso aus wie zu ihrer Fertigstellung 1928. Auch sie zeichnen sich durch einen klaren und funktionalistischen Baustil aus. Das Haus Friedrichstraße 33 umfasst, wegen seiner Hanglage von der Straße aus kaum erkennbar, vier Etagen. Das als eigenständiger Kubus aufgesetzte Dachgeschoss ist reduziert, sodass an beiden Seiten große Dachterrassen entstanden.

Der Avantgardegedanke des Architekten äußert sich zudem in der Gestaltung der kleinen bleiverglasten Frontfenster. Sie lassen mit ihrer blauen, gelben, weißen und roten Farbgebung und der Formsprache an Kunstwerke von Piet Mondrian oder Theo van Doesburg denken. Das Haus Nummer 31 besticht durch eine Verklammerung aneinanderstoßender Wände und große übergreifende Fenster eine neue Architektursprache, mit der Paul Thor gerne für lichtdurchflutete Räume sorgte.

Haus Flatauer : Ein zuletzt viel beachtetes, aber verkommenes Haus im Katharinenviertel ist ebenfalls dem Bauhaus zuzuordnen auch wenn es heute nur noch teilweise zu erkennen ist. In der Herderstraße 22 steht die ehemalige Villa des jüdischen Ehepaars Alma und Raphael Flatauer, die es 1929 erwarben. Die Flatauers engagierten den Osnabrücker Architekten Otto Schneider, der ihnen das Haus im Bauhaus-Stil mit typischem Flachdach entwarf, was erst Streit mit der Baubehörde provozierte, aber letztlich genehmigt wurde. Besonders charakteristisch ist zudem die große Fensterfront an der Eingangsseite, die viel Licht in den prachtvollen Flur brachte.

1938 erließen die Nazis die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens″, was dazu führte, dass die Flatauers ihr Haus verkaufen mussten. Danach ging der moderne Stil ein Stück weit verloren. Das Flachdach wurde 1955 zu einem Satteldach aufgestockt, sodass ein ganzes Stockwerk hinzukam. Auch im Innern wurde einiges verändert mit der Folge, dass das Haus heute nicht unter Denkmalschutz steht und sein ursprünglicher Charakter nur noch zu erahnen ist.

Stadthaus: Das jetzige Stadthaus am Natruper-Tor-Wall wurde 1928 als städtisches Krankenhaus errichtet. In den 1950ern bekam das Gebäude ein Staffelgeschoss für Schwesternwohnungen aufgesetzt. Mit einem Eigentümerwechsel 1993/ 1994 wurde das Krankenhaus zu einem Bürogebäude umgebaut und ist denkmalgeschützt. Der Entwurf des siebengeschossigen Hochhauses stammt von Stadtbaurat Friedrich Lehmann (1869–1961) und zeigt deutliche Bauhaus-Elemente wie das Flachdach oder die großzügigen Glasflächen.

Ebert-Erzberger-Rathenau-Mahnmal: Bauhaus-Spuren sind auch beim Denkmal am Herrenteichswall zu finden, das an die Politiker der Weimarer Republik Friedrich Ebert, Matthias Erzberger und Walther Rathenau erinnert. Das heutige Mahnmal ist eine neu erbaute Kopie des ursprünglichen Bauwerks, das 1933 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.

Entworfen hat es der Architekt Justus Haarmann, ein Sohn des Hüttendirektors August Haarmann. Er stand den Künstlern des Bauhauses nahe, und dementsprechend abstrakt war sein Entwurf: Kubus, Kreissegment und Quadrat stehen in gegenseitigen Überschneidungen.

Bildtexte:
Ein ganzer Siedlungskomplex im Bauhaus-Stil: Der Architekt Paul Thor errichtete das Wohnquartier an der Kornstraße.
An die Weimarer Republik erinnert das Ebert-Erzberger-Rathenau-Mahnmal.
1928 als modernes Krankenhaus errichtet: Das Stadthaus am Natruper-Tor-Wall ist heute Sitz der Stadtverwaltung.
Hier stand früher das Gebäude der Fleischerei Bartlitz, das im Bauhaus-Stil errichtet wurde.
Fotos:
Philipp Hülsmann, Archiv/ Jörn Martens
Autor:
Benjamin Havermann


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