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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo: Eklat auf dem Schölerberg
 
Brickwedde neuer Zoopräsident
Zwischenüberschrift:
Sliwka abgewählt / Chaotische Versammlung der Osnabrücker Zoogesellschaft
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Was die Mitglieder der Zoogesellschaft am Mittwochabend auf ihrer Jahreshauptversammlung erlebten, schrammte nur knapp an einem vollständigen Desaster vorbei.

Nach viereinhalb Stunden hatten sie wider Erwarten einen neuen Präsidenten, denn Amtsinhaber Reinhard Sliwka wurde nicht im Amt bestätigt. Dann leerte sich auch noch die Präsidiumsbank komplett, weil die restlichen Mitglieder ihre Ämter niederlegten. Währenddessen fragte sich das Publikum, was zu diesen Exodus geführt haben könnte. Ihren Nachhauseweg mussten sie mit unkonkreten Andeutungen, aber wenigstens mit einem konkreten neuen Präsidenten antreten: Fritz Brickwedde sprang in die Bresche und wird nun viel Arbeit investieren müssen, um das zerschlagene Porzellan zu kitten.

Osnabrück Was sich am Mittwochabend im Unterbau des Museums am Schölerberg abgespielt hat, ist einmalig in der Geschichte der Zoogesellschaft: Die Jahreshauptversammlung des Vereins stand kurz vor dem Scheitern. Sie endete mit der Wahl eines neuen Präsidenten und eines Schatzmeisters. Die restlichen Präsidiumssitze waren am Ende nach dem Rücktritt aller Mitglieder des Gremiums leer.

Dabei war das Gros der Mitglieder völlig ahnungslos auf den Schölerberg gekommen. Dass es ein besonderer Abend werden würde, mag ihnen ersten klar geworden sein, als sie vor dem Museumseingang eine heftige Diskussion zwischen dem zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden Zoopräsidenten Reinhard Sliwka und dem Geschäftsführer der Zoo gGmbH, Andreas Busemann, verfolgen durften. Wer danach noch Zweifel hatte, dürfte diese spätestens bei der Einlasskontrolle verloren haben. Zum einen kontrollierten nicht wie gewohnt Mitarbeiter des Zoos die Mitgliedskarten, sondern Mitglieder der Zoogesellschaft, die 52 neuen Mitgliedern die Ausgabe von Stimmzetteln verweigerten.Stimmrecht verweigert

Damit war der erste Eklat des Abends gesetzt, der in der juristischen Frage mündete, ob die neuen Mitglieder nun stimmberechtigt sind oder nicht. Rechtsanwalt Marco Athen sorgte für die juristische Klärung. Nach seinen Worten hätte es nicht der Satzung der Zoogesellschaft entsprochen, die neuen Mitglieder von der Stimmabgabe auszuschließen. Auch unter Beachtung höchstrichterlicher Rechtsprechung konnte Athen keinen Grund erkennen, der die Auffassung des Präsidiums gestützt hätte, dass die Neumitglieder nicht hätten wählen dürfen. Das Gremium schwenkte denn auch nach kurzer Beratung hinter der großen Leinwand um und ließ die Neuankömmlinge an den Wahlen teilnehmen.

Dieweil macht sich im Auditorium vor allem bei den langjährigen Mitgliedern leises Grummeln breit, wo denn die 52 Neuanmeldungen herkämen. Die Erklärung wurde am Donnerstag nachgeliefert. Laut Busemann feiert ein Partner des Zoos in diesem Monat sein Firmenjubiläum. Aus diesem Anlass habe er seinen Mitarbeitern eine Mitgliedschaft in der Zoogesellschaft geschenkt, um so nicht nur ihnen eine Anerkennung zuteilwerden zu lassen, sondern um auf diesem Weg auch den Verein und den Zoo zu unterstützen mit der festen Absicht, die Mitgliedschaften im kommenden Jahr zu verlängern.

Die ohnehin schon latent schwelende Verwunderung über den ungewöhnlichen Verlauf und die befremdliche Stimmung im Saal fand ihren nächsten Höhepunkt, als Sliwka bei der Präsentation des Masterplans und Jahresabschlusses nicht wie gewöhnlich den Geschäftsführer nach vorne bat, sondern selber vortrug. Auf diesen ungewöhnlichen Vorgang wies die Betriebsratsvorsitzende des Zoos, Sabine Springmeier, hin, was im Anschluss zum wiederholten Male zu der Frage aus dem Publikum führte, worauf die nun zunehmend zutage tretenden Missstimmungen zurückzuführen seien. Eine erschöpfende Antwort gab es nicht.

Und so quälte sich der Abend seinem Höhepunkt entgegen der Wahl des Präsidenten. Und die verlief eindeutig anders, als vom Präsidium geplant: Die Mitglieder verweigerten Sliwka die Gefolgschaft. Lediglich 90 votierten für den amtierenden Präsidenten, 149 sprachen sich gegen ihn aus, zwei Mitglieder enthielten sich bei der geheimen Abstimmung. Damit war dann allerdings auch aus der Aufregung um die Stimmen der 52 Neumitglieder die Luft raus, denn Sliwka hätte auch ohne diese Stimmen den Präsidentenstuhl räumen müssen.

Dem Entsetzen auf den Präsidiumsplätzen folgte die Frage nach dem Wie jetzt weiter?″. Alexander Hesselbarth, selbst ehemaliges Mitglied des Präsidiums, schlug Fritz Brickwedde als Kandidaten für das Präsidentenamt vor. Hier ist ein ganz dickes Problem auf dem Tisch, das ganz unangenehm riecht″, fand Hesselbarth deutliche Worte für die Vorgänge zwischen Präsidium und Geschäftsführung. Es seien ganz tiefe Gräben″ deutlich geworden. Die Situation mache auf ihn einen bedrohlichen Eindruck, vor allem auch, weil der Zoo sich in einem wirtschaftlichen Umfeld bewege. Was wir jetzt brauchen, ist ein Brückenleger.″ Mit diesen Worten schlug Hesselbarth Fritz Brickwedde vor, Vorsitzender des Zoo-Beirats und des Vereins Löwen für Löwen.

Das habt ihr nun von eurem Hass″, quittierte Vizepräsidentin Karin Bruchhausen den Vorschlag. Brickwedde sei der Mentor von Geschäftsführer Busemann. Mit dem Satz Wir als Präsidium haben beschlossen zurückzutreten″ zündete sie die nächste Bombe des Abends. Das Gremium habe kein Vertrauen in eine zukünftige Zusammenarbeit.

Ich bin heute nicht hierhin gekommen, um dieses Amt zu bekommen″, machte Brickwedde gleich zu Beginn seiner Vorstellungsrede klar. Er habe in den vergangenen Wochen mehrfach als Mediator versucht, Unstimmigkeiten auszugleichen. Er sehe sich auf keinen Fall als Mentor des Geschäftsführers, entgegnete er auf den Vorwurf Bruchhausens. Ich würde gerne mit allen, die an diesem Konflikt beteiligt sind, eine Versöhnung herstellen″, wandte sich Brickwedde an die alten Präsidiumsmitglieder. Das dürfte wohl schwierig werden, denn schon während des Wahlvorgangs waren die Präsidiumsstühle leer, und nur noch die Namensschilder wiesen darauf hin, dass noch zu Beginn des Abends ein kompletter Vorstand zugegen war.Interimspräsident

Ich hatte mit mehr Nein-Stimmen gerechnet″, kommentierte Brickwedde dann das Ergebnis seiner Wahl. Von den abgegebenen 223 Stimmen sprachen sich 168 für Brickwedde aus. Lediglich 51 stimmten gegen ihn. Vier Mitglieder enthielten sich. Ich werte dieses Ergebnis als einen ersten Schritt aufeinander zu″, sagte Brickwedde, der zuvor schon angekündigt hatte, das Amt nur so lange bekleiden zu wollen, wie es brauche, die Wogen zu glätten und wieder eine konstruktive Basis für die weitere Arbeit auf dem Schölerberg herzustellen.

Neu gewählt werden musste an diesem Abend auch der Schatzmeister der Zoogesellschaft. Die Wahl fiel auf Michael Wendt. Der Unternehmer aus Georgsmarienhütte ist dem Zoo schon länger als Sponsor verbunden und einer von den in den letzten Wochen eingetretenen neuen Mitgliedern der Zoogesellschaft.

Um 22.30 Uhr war diese denkwürdige Jahreshauptversammlung der Osnabrücker Zoogesellschaft beendet. Kopfschütteln und Unverständnis beim Blick auf das Erlebte dominierten die Kommentare der Mitglieder. An diesem Abend blieb vieles im Dunkeln. Die Aufklärung der Vorgänge wird Zoo gGmbH und Zoogesellschaft in den kommenden Tagen, aber wohl auch darüber hinaus beschäftigen.

Bildtexte:
Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Zoogesellschaft wird sich nach dem Rücktritt des gesamten Präsidiums unter der Führung des neuen Zoopräsidenten Fritz Brickwedde (r.) neu aufstellen müssen.
Drangvolle Enge herrschte im Unterbau des Museums am Schölerberg während der Jahreshauptversammlung der Zoogesellschaft.
Fotos:
Dietmar Kröger, Zoo Osnabrück

Kommentar
Neuanfang im Osnabrücker Zoo

Mögen die Gründe für das peinliche Debakel der diesjährigen Hauptversammlung der Zoogesellschaft noch im Dunkeln liegen, so hat es positiv betrachtet eine reinigende Wirkung in einer kontaminierten Atmosphäre. Auf den neuen Präsidenten wartet allerdings eine große Aufgabe.

Reinhard Sliwka ist nicht im Amt des Zoopräsidenten bestätigt worden. Das kann man bedauern, man kann darin aber auch die Chance eines Neuanfangs sehen, der nach dem Verlauf der Jahreshauptversammlung dringend geboten scheint. Dass das gesamte Präsidium seinen Rücktritt erklärt hat, kann diesen Neuanfang nur befördern.

Fritz Brickwedde hat ein Ehrenamt übernommen, um das ihn in der derzeitigen Situation niemand beneiden sollte. Allerdings können alle Beteiligten, und hier sind ausdrücklich auch Politik und Verwaltung der Stadt eingeschlossen, froh sein, dass Brickwedde diese Verantwortung übernommen hat.

Der neue Präsident wird viel Aufklärungsarbeit leisten müssen. Die Mitglieder haben ein Recht zu erfahren, was zu der Eskalation geführt hat, allein schon, um ein zweites Debakel dieser Art verhindern zu können.

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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