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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der erste E-Bus hieß Obus
Zwischenüberschrift:
Im Depot an der Osnabrücker Atterstraße stehen jetzt die Traditionsbusse
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Vor 70 Jahren eröffneten die städtischen Verkehrsbetriebe das erste Depot für ihre Oberleitungsbusse, kurz Obusse, an der Atterstraße. Von 1949 bis 1963 wurden Osnabrücks Elektrobusse hier abgestellt und gewartet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die nordwestlichen Stadtteile Eversburg und Atter gehofft, eine leistungsfähigere ÖPNV-Anbindung an die Stadtmitte zu bekommen. So, wie Haste, Schinkel, Schölerberg und die Weststadt das durch die Straßenbahnlinien längst hatten. Eine neue Straßenbahnstrecke kam aus Kostengründen jedoch nicht infrage. Auch die niveaugleiche Kreuzung mit der Bahnlinie nach Rheine hätte ein zu großes Hindernis dargestellt, deshalb war diese Variante schon in wirtschaftlich besseren Zeiten vor dem Krieg verworfen worden.

Als nun 1947 die Wiederinbetriebnahme der drei Vorkriegs-Buslinien zur Debatte stand, billigte man immerhin der alten Linie 5 nach Eversburg als der längsten und am stärksten ausgelasteten Linie eine Pionierrolle zu. Sie sollte elektrifiziert werden. Obusse beschleunigten flotter als die damaligen Dieselbusse, sie waren leiser und verbreiteten keine Auspuffgase″, wie man damals sagte. Für den Betreiber waren die niedrigeren Betriebs- und Unterhaltungskosten sowie die Befreiung von der Kfz-Steuer interessant. Man hatte ausgerechnet, dass die Investition in Betonmasten und Fahrdrähte sich schon nach wenigen Jahren bezahlt machen würde. Mit der Linie durch die Natruper Straße in den Nordwesten sollte zugleich erprobt werden, ob dieser Verkehrsträger der geeignete sei für weitere gewünschte Ergänzungen des ÖPNV-Netzes im Hinblick auf geplante Neubausiedlungen in den Außenbezirken.

Das Depot mit der Werkstatt für die neuen Busse sollte sinnvollerweise direkt an der Pionierstrecke irgendwo zwischen Rißmüllerplatz und den Endstationen in Eversburg und Atter liegen. Dafür bot sich der Standort des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Eversburg gleich hinter dem Bahnübergang Atterstraße an. Das alte Gerätehaus war abgängig, weil die neue Feuerwache an der Kirchstraße bereits im Entstehen war. Die städtischen Verkehrsbetriebe ließen dort zwei Schulter an Schulter nebeneinander liegende Hallen mit je zwei Abstellreihen und Wartungsgruben bauen. Rechtzeitig zur Inbetriebnahme der neuen Obus-Linien 5a und 5b vor 70 Jahren war der Betriebshof Eversburg″ fertiggestellt.

Den Bau der Wagenhalle hatten die Firmen Echterhoff und Potthoff besorgt. Seit Mai 1949 waren zudem 314 Betonmasten aufgestellt, mehr als 100 Wandhaken in Hausfassaden verankert und 23 Kilometer Draht aus der Fabrikation des Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerks (OKD) im Gesamtgewicht von 17 Tonnen aufgehängt worden.

Der Oberleitungsbau lag in Händen der Siemens-Schuckert-Werke, die elektrische Ausrüstung der beiden zunächst eingesetzten Henschel-Wegmann-Busse lieferte die Firma Brown, Boveri & Cie (BBC).

1958 beschloss der Rat, sich von den Straßenbahnen zu trennen und zukünftig ganz auf Obusse und Dieselbusse zu setzen. Ab 1960 wurden weitere Linien elektrifiziert, die Obus-Flotte wuchs und hatte trotz einer Verlängerung der Hallen um 18 Meter bald nicht mehr genug Platz an der Atterstraße.

Deshalb erhielt der parallel bestehende Diesel-Betriebshof an der Augustenburger Straße weitere Kapazitäten und Oberleitungsanschluss für Obusse. Für das expandierende Obusnetz lag der Betriebshof Atterstraße auch nicht mehr zentral genug. Er spielte nur noch eine Nebenrolle und wurde im Mai 1963 ganz aufgegeben.

Danach waren die Hallen mehr als drei Jahrzehnte vermietet an den Bremsendienst Karl Haug KG, später Klaus Haug + Co. Im Jahr 2003 zog Haug aus. Die folgende Zeit des Leerstands bekam der Immobilie im Eigentum der Stadtwerke nicht gut. Man kann es wohl nur als glückliche Fügung ansehen, dass 2006 die verlassene Wagenhalle und ein Kreis begeisterter Bus-Oldtimer-Freunde zusammenkamen. Die Oldtimer-Freunde hatten sich bereits 2002 von der Idee anstecken lassen, zum hundertjährigen Jubiläum der Verkehrsbetriebe 2006 einen Bus-Veteranen anzuschaffen und ihn so weit instand zu setzen, dass er als VIP-Schaukel und später auch für Stadtrundfahrten einsetzbar wäre.

Zu den Ideengebern gehörten der Nahverkehrshistoriker Alfred Spühr und Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes, aus dem Fahrerlager und Werkstatt-Team der Stadtwerke scharte Verkehrsmeister Stephan Kanzler begabte und begeisterte Freunde der großen alten gelben Autos um sich, die bereit waren, in ihrer Freizeit Hand anzulegen. Im November 2005 gründete sich der Verein Traditionsbus Osnabrück. Ab 2006 wurde der alte Betriebshof an der Atterstraße zu wohlwollenden Mietbedingungen″, wie der zweite Vorsitzende Marcel Beckmann es ausdrückt, zum festen Domizil.

Seither hat der Verein ein altes Schätzchen nach dem anderen aufgekauft und restauriert. Von den Beiträgen der Vereinsmitglieder können keine allzu großen Sprünge gemacht werden. Aber mit Sonderfahrten kommt Geld in die Kasse. Stadtrundfahrten, Landfrauenausflüge, Junggesellenabschiede, Jubiläumsfeiern und ähnliche Anlässe summieren sich zu rund 200 bezahlten Fahrten im Jahr. Sechs Oldtimer sind für den Straßenverkehr zugelassen, an zwei weiteren wird gearbeitet.

Das zukünftige Paradepferd, ein Eineinhalbdecker von 1976, steht schon frisch lackiert in der Halle. Wann er fertig wird, ist noch nicht ganz klar, weil Ersatzteile für die Bremsanlage fehlen. Vier Youngtimer der Baujahre 1990 bis 1999 sind einfach nur auf Vorrat abgestellt und warten darauf, irgendwann auch einmal zu begehrten Oldtimern zu werden.

Unter den derzeit 83 Mitgliedern finden sich nicht nur solche, die auch im Hauptberuf mit Bussen zu tun haben, sondern ebenso Garten- und Landschaftsbauer, ein Apotheker und ein Hochschulprofessor. Fast ein Drittel der Mitglieder ist aktiv, sei es als Schrauber an den Fahrzeugen, als Schneider für Sitzbezüge, bei der Jagd nach Ersatzteilen, beim Renovieren der Hallen, beim Gestalten der Außenanlagen oder in der Buchhaltung. Und nicht zuletzt als Fahrer. Denn auch alte Busse wollen regelmäßig bewegt werden.

Bildtexte:
Das Obus-Depot an der Atterstraße war 1949 für Osnabrücks erste elektrifizierte Buslinie errichtet worden. Das Foto aus dem Jahr 1955 entstammt dem Archiv von Joachim Behrens.
Das ist Heini″, ein Büssing 4500 TU vom Baujahr 1955 als Vorzeigestück der Oldtimer-Freunde des Vereins Traditionsbus. Den Spitznamen trägt Heini″ zu Ehren des Firmengründers Heinrich Büssing.
Das Luftbild aus dem Jahr 1959 zeigt die Lage des Obus-Depots zwischen der Schule Eversburg und der Bahnstrecke nach Rheine am unteren Bildrand.
Fotos:
Archiv/ Joachim Behrens, Joachim Dierks, Archiv des Bürgervereins Eversburg
Autor:
Joachim Dierks


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