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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Griesert: Einkaufszentrum am Neumarkt hat keine Zukunft
 
Den Widerstand der Bürger deutlich machen
Zwischenüberschrift:
Im Stadtentwicklungsausschuss geht es nächste Woche um den Bebauungsplan
 
Neumarkt-„Plan B″-Vordenker Reinhart Richter über die richtige Strategie gegen Unibail Rodamco & Co
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Vor einem neuen Plan: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sieht für ein Einkaufszentrum keine Zukunft. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, geht es in der kommenden Woche im Stadtentwicklungsausschuss um den Bebauungsplan für die Grundstücke am Neumarkt, auf denen Unibail Rodamco Westfield ein Einkaufscenter bauen wollte.

In einer Mitteilung der Stadt heißt es, dass die Verwaltung die Sommerpause genutzt habe, für den Bereich zwischen Neumarkt und Großer Rosenstraße eine städtebauliche Idee zu formulieren, in der das Einkaufszentrum keine Zukunft mehr hat″. Entsprechend seien zwei Beschlussvorlagen erstellt worden, die am Donnerstag, 22. August, im Stadtentwicklungsausschuss in öffentlicher Sitzung″ diskutiert werden sollen. Die Vorlagen seien den Ratsmitgliedern bereits Anfang der Woche zugegangen.

Damit reagiert die Verwaltung auf die Absage von Unibail Rodamco Westfield im Juni. Statt am Neumarkt ein Einkaufszentrums zu bauen, wurde das Interesse an der Entwicklung eines gemischt genutzten Quartiers formuliert″.

Weil die Verwaltung daher davon ausgeht, dass das Einkaufszentrum nicht gebaut wird, sei konsequenterweise der vorhabenbezogene Bebauungsplan aufzuheben″. Entsprechend ist die erste Beschlussvorlage für den Stadtentwicklungsausschuss formuliert. Und in der zweiten Beschlussvorlage empfiehlt die Verwaltung den Ausschussmitgliedern die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans, und zwar einer, der eine attraktive alternative Entwicklung der derzeitige Center-Grundstücke ermöglichen soll″.

Weiter heißt es: Wir wollen die Voraussetzung für eine Zukunft am Neumarkt schaffen″, kündigt Oberbürgermeister Griesert an.

Er habe erfreut zur Kenntnis genommen, dass diese Zielsetzung bürgerschaftliche Unterstützung findet″. Derzeit werde mit Unibail Rodamco Westfield verhandelt: Parallel führen wir Gespräche mit den Gesellschaftern der Grundstückseigentümerin. Bei den jetzigen Verhältnissen können wir nur miteinander auskommen, und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch hinbekommen. Die ersten Schritte haben wir jedenfalls bereits eingeleitet.″

Osnabrück Investor Unibail Rodamco Westfield (URW) zaudert. Obwohl der Konzern das Einkaufscenter am Neumarkt nicht mehr bauen will, erhält er den Bauantrag aufrecht. Die Konzeptgruppe Plan B″ will andere Investoren mit einer Unterschriftenaktion davon abhalten, doch noch in die Center-Pläne einzusteigen. Was dahintersteckt, erläutert Reinhart Richter. Der Kulturberater hat alternative Planung vor zwei Jahren initiiert und kompetente Mitstreiter gefunden.

Sie hatten mehrmals Kontakt zu Unibail Rodamco Westfield. Was hat der Konzern vor, wenn er jetzt doch den Bauantrag stellt? Wir hatten konstruktive Gesprächskontakte zu dem Deutschlandbeauftragten des Projekts. Aber daraus kann ich keine Schlüsse ziehen, wenn es um das aktuelle Verhalten geht. Unser Anliegen war, das Parkhaus Große Rosenstraße wiederzueröffnen, um die Geschäfte in der Johannisstraße und die Anlieger vom Parkdruck zu entlasten und eine bessere Erreichbarkeit herzustellen.

Was ich aus anderen Zusammenhängen schließen kann, ist, dass URW nicht selber bauen will, sondern beabsichtigt, die Flächen mit möglichst geringem wirtschaftlichen Schaden zu verkaufen. Offenbar ist das den Verantwortlichen so wichtig, dass sie unklug agieren und die Gefahr eines Imageverlustes unterschätzen.

Mit einer Unterschriftensammlung wollen Sie verhindern, dass das Neumarkt-Center doch noch gebaut wird. Glauben Sie, dass sich im Hauptquartier von URW irgendjemand davon beeindrucken lässt? Nicht im Hauptquartier, aber die potenziellen Investoren werden sich davon beeindrucken lassen. Sie müssen befürchten, dass sie, wenn sie ein Projekt in Osnabrück machen wollen, auf großen Widerstand stoßen werden. Auf den Widerstand von vielen Tausend Menschen, von Geschäften, Unternehmen und Organisationen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Investor unter solchen Umständen für ein Projekt begeistern wird, das der Verkäufer URW aus ökonomischen Gründen aufgegeben hat.

Sie favorisieren eine Mischnutzung für das Quartier zwischen dem Neumarkt und der Großen Rosenstraße. Wer sollte da nach Ihrer Ansicht investieren? Wir haben viele Kontakte in die Investorenszene, und wir wissen, dass sehr gute und zuverlässige Investoren bereitstehen, zur Umsetzung eines Mischkonzepts in diese Flächen zu investieren. Unsere Fachleute haben die Berechnungen über die Rentierlichkeit dieser Investition aktualisiert. Das Ergebnis lautet: Wenn für das Grundstück ein marktüblicher Preis gezahlt wird, sind diese Nutzungsvorschläge für Investoren wirtschaftlich sinnvoll zu realisieren.

Jetzt geht es erst einmal um die Frage, was mit dem Grundstück geschieht. Sie sähen es am liebsten, wenn die Stadt zugreift. Ist das realistisch? Das halte ich für sehr realistisch. Ich glaube, dass die Stadt dabei kein ökonomisches Risiko eingeht, sondern dass sie möglicherweise sogar einen Gewinn erzielen kann, wenn sie das Grundstück unter verschiedenen Investoren aufteilt und an diese verkauft.

Haben Sie einen Tipp, wie die Stadt an das Grundstück kommt? Ich weiß, dass der Oberbürgermeister Kaufgespräche mit URW führt. Ziel unserer Unterschriftenaktion ist, dass die Stadt einen möglichst niedrigen Preis zahlt. Wenn starker Widerstand gegen das Projekt erkennbar wird, sind Investoren nicht bereit, das Grundstück zu kaufen. Und wenn es keine anderen Kaufinteressenten gibt, ist die Verhandlungsposition der Stadt wesentlich besser.

Schon in der Vergangenheit hat URW getrickst und verzögert. Wie kann die Stadt so einem Konzern überhaupt die Stirn bieten? Die Stadt braucht eine extrem qualifizierte juristische Beratung. Sie muss davon ausgehen, dass für URW die besten Baurechtsspezialisten arbeiten. Grundsätzlich ist die Nutzungsvereinbarung sehr schwach, und die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt sind gering. Erfreulich ist, dass der Oberbürgermeister jetzt mit seinen Vorschlägen an den Stadtentwicklungsausschuss die Stadt in eine aktive Rolle bringt.

Im Plan B, den die Konzeptgruppe entwickelt hat, geht es vornehmlich um Räume für die Hochschule, um Wohnungen, Büros und Geschäfte. Ihr persönliches Anliegen ist dabei eine Bibliothek am Neumarkt. Was versprechen Sie sich davon? Das ist nicht nur mein persönliches Anliegen, sondern von vielen Mitgliedern der Konzeptgruppe. Wir glauben, dass die Stadt an dieser schwierigen Stelle einen Identifikationsort braucht, der von seiner inhaltlichen und architektonischen Qualität eine hohe Anziehungskraft hat. Nach unserer Meinung ist eine zukunftsfähige Bibliothek, wie wir sie aus vielen Städten weltweit kennen, die ideale Nutzungsmöglichkeit, um daraus einen Ort der demokratischen Wissensgesellschaft zu machen. Und der Neumarkt ist deswegen so gut geeignet, weil dort jeden Tag 30 000 bis 40 000 junge Menschen rumwuseln, die wegen der Schule oder Hochschule unterwegs sind. Wir halten es für sinnvoll, für den Bereich Neuer Graben Johannisstraße Süsterstraße Lyrastaße ein Sanierungsgebiet zu beschließen, damit dort die Möglichkeit besteht, Projekte wie die Bibliothek mit Städtebauförderungsmitteln zu finanzieren.

Bildtext:
Sammelt Unterschriften, um den Neumarkt für mögliche Investoren aus dem Shopping-Center-Sektor unattraktiv zu machen: Kulturberater Reinhart Richter.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
jweb, Rainer Lahmann-Lammert


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