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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Polizei kommt auf dem E-Motorrad
 
Elektrisch kommt die Polizei gut an
Zwischenüberschrift:
E-Motorrad als Sympathieträger auch bei „Fridays for Future″ / Anfragen aus dem In- und Ausland
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Sie ist billiger als die Benziner-Variante, sie ist kaum zu hören, hat keinen Auspuff und stößt keine Abgase aus. Die Zero ist das neue Polizeimotorrad in Osnabrück. Dabei handelt es sich um eine batteriebetriebene Elektromaschine aus dem kalifornischen Santa Cruz. Drei dieser Dienstfahrzeuge hat die Polizeidirektion Osnabrück im Einsatz, und jetzt interessieren sich auch Dienststellen aus dem In- und Ausland für das Flüster-Bike mit Blaulicht und Martinshorn. Ganz angetan vom Import aus Kalifornien sind die Fahrer, zumal sie an heißen Sommertagen in ihren dicken Motorradkombis nicht auch noch von der Motorwärme ins Schwitzen gebracht werden. Sympathiepunkte gab′s sogar von den Fridays-for-Future″-Schülern, deren Demonstrationszug vom E-Motorrad begleitet wurde.

Osnabrück Das E-Motorrad der Osnabrücker Polizei kommt gut an. Wenn Daniel Richter und Steven Sorge mit der Maschine unterwegs sind, werden sie immer wieder wohlwollend angesprochen. Die leisen Brummer wecken auch Begehrlichkeiten in anderen Polizeidienststellen. Anfragen gab es schon aus der Schweiz, aus Luxemburg und mehreren deutschen Bundesländern.

Bei der Telgter Wallfahrt war die Maschine dabei und bei mehreren Fridays-for-Future″-Demos in Osnabrück. Immer wieder interessierten sich Teilnehmer für das knatterfreie Gefährt, überall sammelte die Polizei damit Sympathiepunkte. Das war aber nicht unbedingt das Ziel, als die Polizeidirektion vor zwei Jahren den Einstieg in die Elektromobilität auf zwei Rädern wagte.

Als Basis für das Polizeikrad dient die Zero DS, ein Import aus den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen Zero Motorcycles aus dem kalifornischen Santa Cruz baut seit 2007 Elektromotorräder mit Lithium-Ionen-Akkus, die ohne Schwermetalle auskommen und nach Herstellerangaben wiederverwertet werden können.

Die Polizeidirektion Osnabrück hat als erste in Deutschland auf die flüsterleisen Kalifornier gesetzt und inzwischen drei Maschinen angeschafft. Von einem Betrieb in Meppen wurden sie mit Koffern, Signalhorn, Blaulichtanlage und Anhaltesignalgeber ausgerüstet. Ein besonderer Clou ist das Funkgerät mit Bluetooth-Schnittstelle. So kann sich der Fahrer von seiner Maschine entfernen, ohne dass der Funkkontakt abbricht.

25 000 Euro kostet das komplett ausgestattete E-Motorrad nach Auskunft von Hendrik Große Hokamp, der im Dezernat 14 für den Fuhrpark zuständig ist. Eine vergleichbare BMW RT 1200 sei 4000 Euro teurer. Als Preisvorteil gilt außerdem, dass der Strom billiger ist als Benzin und dass Ölwechsel und andere Wartungsarbeiten entfallen. Von den drei Maschinen der Polizeidirektion Osnabrück ist eine auf der Insel Borkum unterwegs, eine in Leer und eine in Osnabrück. An allen Einsatzorten steigen die Zweiradpolizisten gern auf die Zero, wie Große Hokamp versichert.

Polizeioberkommissar Steven Sorge sagt auch, warum: Die ist viel handlicher als die BMW″, die bisher als das Maß aller Dinge galt. Gerade in der Stadt sei das geringere Gewicht der E-Maschine ein großer Vorteil. Etwa wenn die Polizei im Schritttempo einen Demonstrationszug begleitet. Die Zero fährt automatisch an, wenn am Lenkergriff gedreht wird. Und die Beschleunigung des bürstenlosen Elektromotors ist so atemberaubend, dass selbst ein gestandener Biker die Augen verdreht. Er bringt 45 Kilowatt (60 PS) über einen Keilriemen aufs Hinterrad.

Mit großer Erleichterung haben die Ordnungshüter aus dem Kradpool in diesem Sommer registriert, dass der Flitzer aus Kalifornien keine Motorwärme emittiert. Unter der dicken Motorradkombi, die sie winters wie sommers tragen, müsste sonst noch mehr Schweiß fließen.

Für Stadtfahrten kalkuliert die Polizei zwar eine Reichweite von mehr als 200 km ein, bei Überlandfahrten kann es jedoch nach weniger als 150 km kritisch werden. Aufgeladen werden die E-Maschinen über Nacht an der 230-Volt-Steckdose.

Überrascht sind die Initiatoren aus der Polizeidirektion über die vielen Anfragen anderer Polizeiverwaltungen. Hendrik Große Holtkamp zählt auf: Nordrhein-Westfalen hat Interesse, Sachsen-Anhalt, Hessen und Rheinland-Pfalz.″ Die Bundespolizei habe sich schon in Osnabrück informiert, außerdem gab es Delegationen aus der Schweiz, den Niederlanden und Luxemburg. Erste Bestellungen soll es schon geben. Das Osnabrücker E-Modell macht Karriere.

Bildtext:
Kaum zu hören ist die elektrische Zero im Stadtverkehr. Steven Sorge kann aber auch das Signalhorn einschalten. Natürlich ist die Maschine auch mit Blaulichtanlage und Anhaltesignalgeber ausgestattet.
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
E-frei

Ein Motorrad, das keinen Auspuff hat und trotzdem rasant beschleunigt, macht was her. In Osnabrück nimmt der Einstieg in die Elektromobilität langsam Gestalt an. Elektrobusse gehören schon zum Stadtbild, die Stadt schafft E-Autos und Pedelecs für ihre Dienstflotte an, und bei der Polizei gibt′s sogar ein E-Motorrad. E-Mobilität bringt sicherlich manchen Vorteil, aber sie ist nicht die Lösung aller Verkehrsprobleme.

Niemand sollte so naiv sein, von einem emissionsfreien″ Antrieb zu sprechen, denn die Produktion von Fahrzeug und Batterie erfordert viel Energie, die sicher nicht allein der Sonne zu verdanken ist. Und die neue Dimension, die mancher Hersteller für seinen Elektro-SUV geltend macht, ist allenfalls ein irrsinniger Stromverbrauch.

Wenn es um Klimaschutz und menschengerechten Stadtverkehr geht, kann der E-Antrieb in vielen Fällen sinnvoll sein. Aber er ist nicht das Allheilmittel. Denn noch sinnvoller ist Verkehrsvermeidung. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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