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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt: Will Unibail jetzt doch bauen?
 
Erst Absage, jetzt doch der Bauantrag
Zwischenüberschrift:
Will Unibail Rodamco Westfield das Neumarkt-Center doch errichten?
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Vor zwei Monaten verkündete der französische Investor Unibail Rodamco Westfield das Aus für das geplante Einkaufscenter am Neumarkt. Doch der Konzern wirbt immer noch für seine Geschäftsflächen, und den Bauantrag hält das Unternehmen weiterhin aufrecht. Fehlende Unterlagen zum Brandschutz wurden jetzt sogar nachgereicht. Aber eine kleine Formalie soll immer noch fehlen. Will Unibail jetzt bauen oder nicht? In Osnabrück wächst derweil die Empörung darüber, dass der Investor die Stadt aufs Neue hinhält. Die Konzeptgruppe Plan B, die sich für eine Mischnutzung des Quartiers engagiert, startet eine Unterschriftenaktion. Dem französischen Konzern soll signalisiert werden, dass die Center-Pläne in Osnabrück auf breiten Widerstand stoßen.

Osnabrück Es war ein Paukenschlag, als der französische Konzern Unibail Rodamco Westfield (URW) verkündete, dass er das Einkaufscenter am Neumarkt nicht mehr bauen wolle. Doch statt den Bauantrag zu widerrufen, reicht das Unternehmen die fehlenden Unterlagen jetzt doch ein. Was passiert da am Neumarkt?

Die Zeichnung vom geplanten Center prangt immer noch auf der Ypso-Schaufensterwand am Neumarkt, darüber in Großbuchstaben der Schriftzug Es wird großartig! Aber der Glanz ist dahin und der Pipi-Duft vertreibt jeden, der sich für die langsam vergilbende Werbung noch interessieren könnte.

Vor zwei Monaten hat der französische Konzern Unibail Rodamco Westfield verkündet, dass er das Einkaufscenter nicht mehr bauen will. Doch der Investor zieht seinen Bauantrag nicht zurück, im Gegenteil: Nachdem die Stadt eine Frist gesetzt hatte, sind die fehlenden Unterlagen vor einer Woche im Bauordnungsamt eingegangen. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat das gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

Taktisches Manöver

Will URW jetzt doch bauen? Das glaubt in Osnabrück niemand. OB Griesert zeigt sich verwundert. Er hält die neuerliche Wendung eher für ein taktisches Manöver. Und was sagt Unibail Rodamco Westfield? Der deutsche Konzernsprecher Julian Kalcher lässt sich auf unsere Anfrage nur mit einem Satz zitieren: Wir möchten das aktuell öffentlich nicht kommentieren.″

Klare Worte findet dagegen Reinhart Richter, Kulturberater und Initiator des Planungsprozesses Plan B für das Neumarkt-Center: Es sei empörend, dass ein europaweit agierender Investor sich so schäbig gegenüber einer Stadt verhalte. Die Konzernmanager müssten doch wissen, dass sie damit dem Ruf ihres Unternehmens Schaden zufügten, meint Richter. Was dahinter steckt, deutet er so: Wir wissen, dass Unibail Rodamco Westfield das Grundstück auf dem Markt anbietet und dabei auf Zeit spielt, um sich möglichst viele Optionen auf Basis des gültigen Bebauungsplans und des eingereichten Bauantrages offenzuhalten.″

Mit dieser Hinhaltetaktik gefährde der Konzern das von der Konzeptgruppe ausgearbeitete Mischnutzungskonzept für das Neumarktquartier. Es droht die Gefahr, dass ein Investor einen höheren Preis als die Stadt bietet und dann ein Einkaufszentrum baut, das die Einzelhandelsstruktur der Stadt schädigt und nach einigen Jahren selber scheitert″, fürchtet die Konzeptgruppe Plan B. Die Stadt dürfe ein solches Vorgehen nicht akzeptieren. Es ist unbedingt erforderlich, dass die Stadt dem Investor und möglichen Kaufinteressenten deutlich Signale für die Zukunft des Quartiers sendet″, schreibt Richter in einer Stellungnahme.

Ab sofort sammelt die Konzeptgruppe Unterschriften, um potenziellen Investoren deutlich zu machen, dass ein Einkaufszentrum auf großen Widerstand in der Bevölkerung stoßen würde. Wenn dies gelingt, könne die Stadt die Immobilie zu einem realistischen Preis kaufen und selber die künftige Nutzung bestimmen. Die Initiatoren sind zuversichtlich, dass viele Tausend Unterschriften für ein starkes Signal zusammenkommen werden.

Das Motto lautet: Wir wollen kein neues Einkaufszentrum in der Innenstadt, sondern eine gute Nutzungsmischung: Viele Wohnungen, quartiersbezogener Einzelhandel, Kultur und Bildung, Gastronomie und Gewerbe!

Die Zeit der Shoppingcenter ist vorbei!″, sagt Mechthild Möllenkamp, die Präsidentin des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, die sich ebenfalls in der Konzeptgruppe Plan B engagiert. Sie ist überzeugt, dass viele regionale Investoren bereit sind, Teile der URW-Immobilie zu übernehmen und die angestrebte Mischnutzung zu realisieren.

Reinhart Richter glaubt, dass der Konzern nach seiner Absage nur noch deutlich weniger als 20 Millionen Euro für das 9000 Quadratmeter große Areal zwischen Neumarkt und Großer Rosenstraße erzielen kann. Er findet, dass die Stadt die Fläche erwerben, aufteilen und an Investoren weiterveräußern sollte. Aber vorerst verfügt URW über die Grundstücke. Und über hochkarätige Juristen, die es der Stadt schwer machen könnten, wieder die Regie zu übernehmen.

Fehlende Formalie

Schon jetzt konnten einige Passagen des Durchführungsvertrages nicht eingehalten werden. Darin heißt es etwa: Die Vorhabenträgerin (das ist die URW-Tochter Neumarkt 14 GmbH & Co. KG) verpflichtet sich, spätestens 12 Monate nach dem In-Kraft-Treten des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 600 Einkaufszentrum Neumarkt einen vollständigen und genehmigungsfähigen Bauantrag für das Vorhaben einzureichen und das Vorhaben spätestens 36 Monate nach Erteilung der Baugenehmigung fertigzustellen.″

Zu Verzögerungen kam es zuerst durch eine Klage gegen den Bebauungsplan, später wurde zwar ein Bauantrag eingereicht, die Stadt vermisste jedoch wesentliche Unterlagen zum Brandschutz. Die hat die URW-Tochter Neumarkt 14 GmbH & Co. KG jetzt nachgereicht, es soll allerdings immer noch eine Formalie fehlen. Die könnte für findige Juristen ein Hebel sein, die Sache weiter zu verzögern.

Die Unterschriftenlisten der Konzeptgruppe Plan B liegen in Kinos und Einzelhandelsgeschäften aus. Sie können auch außerdem von der Internetseite http:// planb-os.de heruntergeladen werden.

Bildtexte:
Ein großes Versprechen, an das niemand mehr glaubt: Center-Investor URW spielt offenbar auf Zeit.
Mischutzung statt Einkaufszentrum: Dafür sammeln Victor Schulte, Mechthild Möllenkamp, Jens Raddatz und Reinhart Richter (v. l.) von der Konzeptgruppe Plan B Unterschriften.
Fotos:
Swaantje Hehmann

Kommentar
So schafft man eine Investitionsruine

Neumarkt auf, Neumarkt zu. Busse raus und wieder rein. Das Hü, Hott und wieder scheint eine ansteckende Krankheit zu sein. Jetzt also auch für das Einkaufszentrum. Unibail Rodamco Westfield taktiert, um für die Schrottimmobilie einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Im Juni haben die Profis aus Frankreich verlauten lassen, dass sie keine wirtschaftliche Basis für ein Shoppingcenter am Neumarkt sehen. Und nun soll ein Investor zweiter Wahl die Sache richten? Da müssen in Osnabrück doch sämtliche Alarmglocken läuten!

Die Stadt hat Unibail Rodamco Westfield viel Vertrauen entgegengebracht und den immer wieder verzögerten Baubeginn offenbar zu großzügig akzeptiert. Auf der anderen Seite wurde wenig empathisch gehandelt. Viel zu spät ließ der Konzern verlauten, dass er die Pläne für das Einkaufscenter Oskar″ aufgegeben hat. Jetzt geht die Hängepartie weiter, und es kann sein, dass die Stadt eine Baugenehmigung erteilen muss für ein Projekt, das große Chancen hat, als Investitionsruine in die Stadtgeschichte einzugehen.

Wenn die Manager von Unibail Rodamco ihren Ruf nicht gänzlich ruinieren wollen, sollten sie der Stadt das Grundstück zu einem fairen Preis anbieten. So könnte Osnabrück vor weiterem Schaden bewahrt werden. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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