User Online: 1 | Timeout: 15:07Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Windräder töten massenhaft Vögel und Fledermäuse
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Grün gegen Grün Osnabrücker Klimaallianz kritisiert Verhinderungspolitik″ des Umweltforums Osnabrücker Land″ und dem Kommentar Miteinander statt gegeneinander″ von Jean-Charles Fays (Ausgabe vom 9. August).

„[. . .] Es ist schon schlimm genug, wenn Grün gegen Grün polemisiert. Aber direkt besorgniserregend ist, wenn die Osnabrücker Klimaallianz den Dachverband (Umweltforum Osnabrücker Land) derart scharf angreift und ihm eine Klimaverhinderungspolitik vorwirft und sich überdies Dr. Matthias Schreiber entschuldigen soll, weil er angeblich die Klimawende blockiert. Eine solche Aussage von Dr. Kuhnke, der sich hier einseitig für die Windenergie einsetzt und scheinbar das massenhafte Töten von Flugtieren an den Rotorblättern billigend in Kauf nimmt, kann nicht unwidersprochen bleiben. […]

Ein Ziel des Umweltforums ist, mit einer Stimme für Natur und Umwelt einzutreten. Also nicht nur für die Windenergie, sondern auch für die Flora und Fauna. Wir wissen, durch den Einsatz von Windenergieanlagen werden massenhaft tote Vögel, Fledermäuse und Insekten in Kauf genommen. Die friedliche Idylle von langsam drehenden Windrädern täuscht nämlich. Tatsächlich sausen die Spitzen der Rotorblätter je nach Windstärke mit 200 bis 400 km/ h durch die Luft, und bei einem Durchmesser von 126 m werden dabei 12 500 m2 überstrichen (etwa 31 Baugrundstücke von 400 m2). Vögel, Insekten und Fledermäuse, die sich einem Windrad nähern oder durchfliegen wollen, bezahlen dies oft mit ihrem Leben. Entweder werden sie direkt von einem Rotorblatt getroffen, durch Sog und Turbulenzen in die Rotoren gezogen oder durch Druckschwankungen getötet. Aus Deutschland gibt es reichlich Berichte über erschlagene Weißstörche, Seeadler, Großtrappen, Kraniche und das gesamte Artenspektrum bis hin zum Gemetzel an Fledermäusen. Immer wieder findet man unter den Windrädern streng geschützte Fledermäuse, die auch durch Druckschwankungen getötet wurden. [. . .]

Bei Volltreffern bleibt bei kleinen Vögeln kaum etwas übrig. Größere werden regelrecht halbiert oder Teile abgeschlagen. Die Opfer verschwinden auch, weil sie gefressen werden: Für Raben- und Greifvögel, Füchse, Marder, Katzen und andere Carnivoren ist der Tisch unter Windrädern immer gut gedeckt. Die gefundenen Opfer sind daher nur Zufallsfunde und die Spitze eines Eisberges.

Will man jedoch den gesamten Eisberg erkunden, müsste man kreisförmig unter einem Windrad ein überdimensioniertes Netz spannen, die Opfer auffangen und ihren Aufprall durch Sensoren rund um die Uhr registrieren. Diese Untersuchung würde wahrscheinlich ein Desaster ans Licht bringen. Verglichen mit den Windrädern, so der Biologe Dr. Friedrich Buer, sind die kriminellen Vogeljäger im Süden Europas nur harmlose Lausbuben.

Was Dr. Matthias Schreiber vom Umweltforum, laut Dr. Kuhnke der , Protagonist der Windanlagen-Behinderung′, macht, ist praktizierter Natur- und Artenschutz in unserer weitgehend verschandelten, zerschnittenen, verbauten, vergifteten und mit Gülle überfrachteten Landschaft. Es versucht den Bau von Windanlagen dort zu verhindern, wo seltene Adler brüten, oder bewirkt ein zeitweises Abschalten dann, wenn Zugvögel vorbeifliegen, und verhindert somit, dass mehrere Tausend Greifvögel, zum Teil vom Aussterben bedrohte Wiesenweihen und Schreiadler, an Windrädern getötet werden. Das ist eine sehr lobenswerte Tat.′′

Dr. Gerhard Kooiker
Osnabrück

Harsche Vorwürfe sind es, die Prof. Dr. Kuhnke an die Adresse des Umweltforums Osnabrücker Land richtet. Dabei versäumt es der Artikel leider, über Hintergrund und Anlass dieser Vorwürfe zu berichten. Und auch inwiefern Professor Kuhnke als , die Osnabrücker Klimaallianz′ spricht, bleibt leider unerwähnt und wird auch auf deren Webseite nicht klarer.

Die Form der Vorwürfe deutet auf Frustration hin, und dafür gab und gibt es im ehren- oder hauptamtlichen Klimaschutz mit Sicherheit genügend Anlässe. Diese Frustration jedoch innerhalb der Reihe eigentlicher Mitstreiter auszulassen ist kontraproduktiv. Allzu schnell gibt es die sprichwörtlichen , lachenden Dritten′, wenn zwei sich streiten beziehungsweise sich gegeneinander ausspielen lassen. Deutlich wird dies unter anderem gerade wieder in der erstarkenden Diskussion um die angeblich klimafreundliche Atomenergie, mit deren Hilfe man erst die Abkehr von den fossilen Energieträgern schaffen werde.

Unterschiedlicher Ansicht zu sein sollte in einer Demokratie nicht als negativ gewertet werden, Konstruktivität vorausgesetzt. Naturgemäß beleuchten Umwelt-, Natur- und Artenschutz den weiteren Ausbau der Windenergie anders als Vertreter der Ingenieurswissenschaften. Und dass jede Seite ihr Thema auch mit einem gewissen Durchsetzungswillen vertritt, versteht sich ebenfalls von selbst. Immerhin stehen Biodiversitäts- und Klimaschutz durchaus beide bislang in Deutschland mit dem Rücken zur Wand.

Vielleicht sollte sich die Osnabrücker Klimaallianz vermehrt dem Ausbaupotenzial der Solarenergie im städtischen Bereich widmen, die im Vergleich zum ländlichen Raum hier weit hinterherhinkt. Strom selber machen und selbst verbrauchen, das wäre ein lohnender Ansatz, und gewerbliche wie private Dachflächen gibt es in der Stadt mehr als genug.′′

Christian Seebass
Osnabrück

Die Aussagen in dem Artikel erfordern einige wichtige Klarstellungen: Wir gehen davon aus, dass die von Klaus Kuhnke gemachten Äußerungen lediglich seine Privatmeinung beziehungsweise maximal eine Minderheitenmeinung innerhalb der Osnabrücker Klimaallianz sind. Er ist jedenfalls nicht als deren Sprecher in irgendeiner Weise legitimiert. Das Bündnis ist lediglich ein loser Zusammenschluss ohne feste Struktur, Sprecher oder Vorstand.

Das Umweltforum als Dachverband der Osnabrücker Umweltverbände ist ebenso wie seine Mitgliedsverbände Nabu und BUND und weitere, wie richtig berichtet, Mitglied in der Osnabrücker Klimaallianz. Wie man sich leicht vorstellen kann, sind diese Verbände nicht über Herrn Kuhnkes Vorstoß informiert worden. Zumindest für diesen Teil der Allianz spricht Herr Kuhnke also definitiv nicht. Es ist deshalb keinesfalls , die Klimaallianz′, die hier den Dachverband der Osnabrücker Umweltverbände kritisiert, sondern eine Einzelstimme.

Der Kommentator hat völlig recht, wenn er die Beteiligten zu einem Miteinander statt Gegeneinander auffordert. Solche Debatten führt man nicht destruktiv gegeneinander über die Presse, sondern konstruktiv miteinander im Gespräch. Ein anderes Vorgehen schadet unser aller gemeinsamem Anliegen. Das ist besonders in den jetzigen Zeiten, wo die Klimaschutzdebatte endlich ihre gesellschaftlich angemessene Aufmerksamkeit bekommt, sehr ärgerlich und destruktiv.

Die inhaltliche Kritik läuft ohnehin ins Leere, denn auch ein Herr Kuhnke wird sich sicherlich nicht gegen den Leitsatz , Die Osnabrücker Klimaallianz fordert einen konsequenten Ausbau der Windkraft unter Beachtung der geltenden Regelungen zum Immissionsschutz der Bevölkerung und unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zum Natur- und Artenschutz′ stellen. Wer für die Klimaallianz andere Grundsätze möchte, möge dies bitte ausdrücklich formulieren, sodass wir darüber dann konkret reden und Konsens oder Dissens auch in der Öffentlichkeit kommunizieren können. Wir gehen allerdings davon aus, dass alle in der Klimaallianz die Beachtung geltender rechtlicher Regeln als Basis unterschreiben können. Nicht mehr und nicht weniger fordert das Umweltforum in seinem Vorgehen immer wieder ein.″

Andreas Peters
Osnabrück

Bildtext:
Windräder können für Vögel hier ein Mäusebussard zur Todesfalle werden.
Foto:
imago images/ xblickwinkel
Autor:
Dr. Gerhard Kooiker, Christian Seebass, Andreas Peters


Anfang der Liste Ende der Liste