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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neues Leben in morbidem Charme
 
Buntes Leben in morbider Kulisse
Zwischenüberschrift:
Neue Ideen für den alten Steinbrecher am Piesberg
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Der alte Steinbrecher auf dem Piesberg gehört, seit ihn die Steinindustrie abgegeben und an anderer Stelle einen neuen gebaut hat, der Stadt Osnabrück. Die hat ihn an die Dampflokfreunde verpachtet. Und obwohl diese durchaus mit schwerem Gerät arbeiten, derzeit restaurieren sie die alte Schinkellok, die im Untergeschoss des Steinbrechers geparkt ist, bietet der Steinbrecher wesentlich mehr Platz, als gebraucht wird. Was also liegt näher, als das denkmalgeschützte Industriegebäude zusätzlich anderweitig zu nutzen? Oberstes Ziel soll dabei eine Öffnung der Anlage für ein breiteres Publikum sein. Was also kann mit dem alten Steinbrecher passieren, bei begrenzten finanziellen Möglichkeiten? Die Akteure auf dem Piesberg machen sich so ihre Gedanken.

Osnabrück Das kulturelle Leben am Piesberg entwickelt sich langsam, aber stetig weiter. Nächste Station: die unter Denkmalschutz stehende Steinbrecheranlage. Auch hier soll nun neues Leben einziehen. Zurückhaltende Gitarren- und Percussionklänge schwingen durch die riesige Anlage des Steinbrechers auf dem Piesberg. Werkzeuge und Maschinen dominieren die Möblierung auf der dritten Ebene der großen Halle, die in den Berg gebaut ist. Sie gehören den Dampflokfreunden, die hier als Pächter der der Stadt gehörenden Anlage eine Heimat vor allem für die Restauration der alten Schinkellok gefunden haben. Es riecht nach Schmierfett, Metall und Staub, der die nicht genutzten Gegenstände in der Halle bedeckt. Ein unendliche Ruhe ausstrahlender, morbider Charm dominiert die Stimmung in diesem Industriebau, der bis 2003 der am Piesberg beheimateten Steinindustrie diente.Malerei und Musik

Akustik und Optik gehen an diesem Nachmittag Hand in Hand. Rainer Galke und Karin Hopmann führen eine musikalische Aufsicht für die Ausstellung mit Bildern von Caro Enax und Frank Gillich, die auf der Galerie präsentiert werden. Diese Kombination aus Malerei und Musik ist ein beredtes Beispiel für die Möglichkeiten, aber auch die Probleme, die eine Nutzung der alten Steinbrecheranlage mit sich bringt. Zum einen bietet sich das große Gebäude förmlich an, kulturelle Aktivitäten der unterschiedlichsten Arten zusammenzuführen, zum anderen aber kann und will der Steinbrecher eben kein Museum sein, das alle baurechtlichen Vorschriften erfüllt, um hier Besucher schauend und staunend durch die Halle schlendern zu lassen. So braucht die Ausstellung während der Öffnungszeiten eben eine Aufsicht, die gegebenenfalls die Gäste auf potenzielle Gefahren hinweist. Die sind gering bis gar nicht vorhanden, versicherungsrechtlich bedarf es aber einer Absicherung.

Was also kann mit dem alten Steinbrecher passieren, bei begrenzten finanziellen Möglichkeiten? Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können, was wir machen wollen″, sagt Imke Wedemeyer. Ich sehe das Ganze als eine große Werkstatt″, so die Geschäftsführerin des Piesberger Gesellschaftshauses weiter unter dem beifälligen Nicken von Albert Merseburger von den Dampflokfreunden und Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt der Stadt. Auch sie würden dem Steinbrecher gerne neues Leben einhauchen, wohldosiert, um den Charakter des Gebäudes nicht zu gefährden, aber doch so, dass eine wesentlich größere Öffentlichkeit als derzeit an diesem Kleinod Osnabrücker Industriegeschichte partizipieren kann.

Fest steht, dass ein Teil der Halle für die Werkstatt der Dampflokfreunde reserviert bleibt. Wir brauchen aber nicht die ganze Anlage″, sagt Merseburger. Sein Verein hat im Erdgeschoss die Schinkellok geparkt, deren Teile auf Ebene drei restauriert werden. 500 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Schön wäre es, so Wedemeier, wenn sich zum Beispiel eine Holz- und Metallwerksatt einrichten ließen, die dann von interessierten Privatleuten genutzt werden könnten. Vorstellbar wäre auch eine Kunstwerkstatt″, sagt Frank Gillich der in einem Nebengebäude sein Atelier hat.

Den Steinbrecher für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist und bleibt der Kern aller Bestrebungen. Erste Überlegungen des Architekturbüros Mutert sehen zum Beispiel einen Eingang in das Gebäude vom Schwarzen Weg aus vor. Außerdem können sich die Architekten kurze, freischwebende Stege an den Stirnseiten des Steinbrechers vorstellen, die zum einen den Blick Richtung Zechenbahnhof bieten, zum anderen in Richtung Berg.

Auf keinen Fall soll der Steinbrecher rein musealen Charakter bekommen. Kultur und als zweites Standbein die Bildung sollen hier ein Zuhause finden. Wir können den Menschen an diesem Ort etwas näherbringen″, sagt Gerdts mit Blick auf die Umweltbildung, die schon jetzt eine breiten Raum am Piesberg einnimmt. Wie genau das alles aussehen soll, ist noch nicht definiert. Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist aber noch nicht zu Ende gedacht.″ Klar ist auch, dass der Erhalt des Gebäudes für die Dampflokfreunde allein nicht zu stemmen ist. Akut weist das Dach einige Löcher auf, und an der Fassade bröckelt stellenweise der Beton. Alles nicht substanzgefährdend, aber reparaturbedürftig.

Und die Kosten? Wedemeier ist optimistisch: Wenn es ein gutes Konzept ist, gibt es auch Geld.″ Stiftungen, aber auch das Land sieht sie als Ansprechpartner. Sponsoren und Spenden sind selbstverständlich ebenso willkommen.

Bildtexte:
Mit ihrer Musik sorgten Rainer Galke und Karin Hopmann für eine ganz eigene Atmosphäre im alten Steinbrecher.
Der alte Steinbrecher am Piesberg. Über dem Beton beginnt mit dem Klinker die dritte Ebene, die derzeit nur von den Dampflokfreunden genutzt wird.
Fotos:
David Ebener

Kommentar
Nachhaltig voran

Der Piesberg wächst. Oder besser gesagt: Das kulturelle Leben am Piesberg wächst, langsam zwar, aber nachhaltig. Die Entwicklung am Piesberg zu beobachten macht Freude. Die verschiedensten Akteure, genannt seien hier stellvertretend für alle anderen die Feldbahn- und Dampflokfreunde, das Museum Industriekultur und das Piesberger Gesellschaftshaus, haben einen Ort der Begegnung geschaffen, der in Harmonie mit dem gegebenen Umfeld immer neue Ideen hervorbringt. Nichts wird aufgepfropft. Jede neue Initiative wächst auf den Erfahrungen der Vergangenheit. Nachhaltigkeit ist erstes Gebot.

Die Absage der Bundesgartenschau 2015, die unter dem Motto ein Berg im Aufbruch″ stand, nach der Kommunalwahl 2006 hat der Entwicklung des Natur- und Landschaftsparks nicht geschadet. Ob wie seinerzeit geplant Geysir, Seilbahn und Amphitheater heute noch laufen würden? Zweifel sind erlaubt.

Die Schritt-für-Schritt-Entwicklung nimmt wesentlich mehr Osnabrücker mit, als es eine Buga jemals vermocht hätte. Mit der Öffnung des Steinbrechers für weitere Aktivitäten öffnet sich auch ein weiteres Fenster in Richtung Zukunft des Piesbergs. Der Berg ist also nach wie vor in Bewegung langsam, aber sicher.

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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