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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sinnloses Füttern freut die Ratten
 
Kampf gegen Ratten scheitert am Menschen
Zwischenüberschrift:
Tierfreunde behindern die städtischen Schädlingsbekämpfer
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Ratten sind eigentlich bei der großen Masse der Bevölkerung eher unbeliebte Tiere. Gleichwohl leisten selbst den Nagern nicht eben freundlich gesinnte Zeitgenossen dem fröhlichen Wachstum der Population durch unüberlegtes Fehlverhalten massiven Vorschub. Die Schädlingsbekämpfer können ein Lied davon singen. Während sie versuchen, den Nagern mit Giftködern das Leben zu vermiesen, lenkt zum Beispiel wesentlich schmackhafteres und in rauen Mengen verstreutes Vogelfutter die pelzigen Schädlinge von den Köderboxen ab. Und so müssen die Rattenbekämpfer auf einer Grünfläche in Osnabrück nicht nur die Ratten im Auge haben, sondern auch die Anwohner, die mit ihren Fütteraktionen den Kampf gegen die Schädlinge torpedieren.

Osnabrück Auf der einen Seite der Grünfläche an der Bischofstraße stellt der Rattenbekämpfer seine Falle auf, an der anderen Seite eine Anwohnerin Futternäpfe für die Vögel, die für die Ratten eine echte Alternative zu den Ködern sind. Ist das der Kampf zwischen Gut und Böse? Wohl nicht. Es ist wohl eher der Kampf zwischen Vernunft und falsch verstandener Tierliebe.

Es ist schon ein skurriles Futterwettrüsten auf dem Dreieck zwischen Holtstraße, Hermesstraße und Bischofstraße. Dabei haben die Schädlingsbekämpfer die schwächeren Waffen: dürre, mit Gift versetzte Haferflocken. Die Vogelliebhaber hingegen schaffen leckerstes Futter ran. Das bleibt natürlich auch den Ratten nicht verborgen. Die intelligenten Plagegeister ziehen mit gerümpfter Nase an den schnöden Köderboxen ihres natürlichen Feindes, des Menschen, vorbei und widmen sich mit Hingabe dem für die Vögel ausgelegten Futter.

OS-Team ist unterwegs

Die Bewohner aus dem Umfeld der Grünfläche torpedieren so unsere Bemühungen″, klagt Peter Tenhaken vom Gesundheitsdienst in Stadt und Landkreis Osnabrück. Oftmals bleibe es nicht allein beim Kampf Futter gegen Futter. Ein ums andere Mal wurden auch schon die Köderboxen, nicht eben kleine Plastikkisten mit einer etwa DIN A3 großen Grundfläche, entwendet. Da staunt der Laie und wundert sich der Fachmann, denn in diese Boxen verirren sich ausschließlich die Ratten wenn es gut geht. Die Annahme, die Köderboxen könnten auch für andere Tiere, gar für Singvögel, zur tödlichen Falle werden, ist genauso falsch wie das unautorisierte Abräumen der Kisten im Sinne eines vermeintliche Vogelschutzes. Dabei leisten die einzigen natürlichen Feinde der Köderboxen, auch die Menschen, ganze Arbeit, denn die Behälter sind häufig angekettet. Wer also so eine Box entwenden will, muss sich schon ein bisschen Mühe geben.

Tenhaken formuliert es vorsichtig: Unter diesen Rahmenbedingungen haben wir nicht den Erfolg, den man sich wünschen würde.″ Mittlerweile sind, sozusagen als Osnabrücker Blauhelme, die Mitarbeiter des OS-Teams unterwegs, um durch Aufklärung und behutsames Einwirken auf die Tierfreunde heftigere Auseinandersetzungen zu verhindern. Letztendlich könne man aber auch nicht an sieben Tagen 24 Stunden lang auf der Fläche patrouillieren, um der Futterauswüchse Herr zu werden. Tenhaken hat bei den Köderbox-Gegnern sogar schon eine gewisse Verbissenheit″ ausgemacht.

Tüten mit Brotresten

Ohnehin ist es nur mühsam nachvollziehbar, warum Menschen mit ganzen Einkaufstüten voller Brotreste an das nächstgelegene Gewässer ziehen, um dort Enten zu füttern, bis diese drohen zu platzen. Was die randvoll gefressenen Tiere dann wahrscheinlich aus reinem Selbsterhaltungstrieb nicht mehr fressen, bleibt am Ufer liegen. Oh, lecker″, denkt sich da jede durchschnittlich intelligente Ratte und labt sich an den vom Menschen unreflektiert verstreuten Delikatessen.

Aber es ist nicht nur die Invasion der Ratten, der mit diesem menschlichen Fehlverhalten Vorschub geleistet wird. Tenhaken weist darauf hin, dass durch die Fütterung quer durch alle Jahreszeiten eine Überpopulation entstehen kann, die Krankheiten und damit einem von niemandem gewollten Tierleid in der Entenbevölkerung reichlich Nährboden bietet.

Ganz besonders beliebt als Fütterobjekte sind auch die Nutrias im Regenrückhaltebecken am Nettebad. Die possierlichen Tierchen nähern sich ohne jegliche Scheu den zum Teil ganze Brotlaibe darbietenden Zweibeinern bis auf einen Meter. Und wenn die Nager dann auch noch den niedlichen Nachwuchs im Schlepptau haben, kennt die Fütterlust kaum noch Grenzen. Im Sinne der Tiere, die in ihrem Umfeld genug natürliche Nahrung finden, sind diese Kalorienbomben definitiv nicht. Dass auch an dieser Stelle die Ratten von dem menschlichen Fehlverhalten profitieren, bedarf wohl keiner besonderen Ausführungen. Das gilt auch für über die Toilette in die Kanalisation entsorgte Essensreste. Eine menschliche Unart, die ebenfalls den Tisch der Ratten fürstlich deckt.

Für das Gesundheitsamt und die mit der Rattenbekämpfung beauftragte Firma ist die Situation sehr unbefriedigend. Auf der einen Seite bekämpfen sie, häufig auf das berechtigte Anliegen von Anwohnern befallener Flächen hin, die Ratten, auf der anderen Seite werden ihre Bemühungen durch vermeintliche Tierschützer konterkariert.

Vormarsch stoppen

Von einer Rattenplage zu sprechen ist sicherlich übertrieben. Dennoch macht es viel Sinn, den Vormarsch der Tiere aufzuhalten, wo immer es geht, denn sie sind Überträger von Krankheitserregern wie Viren und Bakterien. Fleckfieber, Bandwürmer, Tollwut und Tuberkulose können die für Menschen zum Teil schwerwiegenden Folgen sein. Wenn die Ratten erst einmal an einem Ort Fuß gefasst haben, kann das unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. So kämpfte zum Beispiel die Kita St. Maria Rosenkranz in Schinkel-Ost im Sommer 2018 gegen einen hartnäckigen Rattenbefall.

Bekämpft werden die Ratten mit Gift, das die Blutgerinnung hemmt. Das Gift wirkt nicht sofort tödlich, aus gutem Grund. Ratten schicken gerne einen Vorkoster. Überlebt er die Nahrungsaufnahme, greift auch der Rest der Bande beherzt zu. Die Vorkoster sind immer männliche Tiere. So sichern die Nager das Überleben der Art. Bekämpft werden sollten Ratten durch Fachleute. Eine private Bekämpfung ist schon allein deshalb schwierig, weil Unbefugte in der Regel keinen Zugang zu den wirksamen Giften haben.

Bildtexte:
Die Stadt bekämpft derzeit die Ratten auf der Grünfläche und dem Spielplatz zwischen Holtstraße, Hermesstraße und Bischofstraße.
Brotreste und Müll durch Fütterungen locken auch Ratten an.
Das Gift hat gewirkt: eine tote Ratte an der Bischofstraße.
Fotos:
David Ebener

Kommentar
Tierliebe auf Abwegen

Ratten sind Krankheitsüberträger, die sich hemmungslos vermehren. Und weil sie keine natürlichen Feinde haben, muss der Mensch ihren Bestand kontrollieren. Dass den Rattenbekämpfern Tierliebhaber bei ihrem Job ins Handwerk pfuschen, ist dumm.

Tierschutz ist gut und wichtig. Das steht außer Frage. Manchmal aber treibt er Stilblüten, die auch mit guten Worten nicht mehr zu erklären sind. Für Vögel im Allgemeinen und für Singvögel im Besonderen sind Köderboxen so attraktiv wie für den Teufel das Weihwasser. Es besteht also nicht der geringste Grund, den Vögeln Futter anzubieten oder gar die Köderboxen zu entfernen.

Und die Liebe zu den Ratten darf nicht so weit gehen, dass sie zu einer Plage für die Menschen werden. Das ist schlicht falsch verstandene Tierliebe. Also: Hände weg von den Köderboxen.

Und noch etwas: Es mag ja niedlich sein, Tiere zu füttern. Aber es ist nicht immer sinnvoll. Ist der Winter hart und knackig, darf es gerne ein wenig Futter an geeigneten Plätzen sein. Ansonsten gilt: Die Tierwelt kommt auch ohne den Menschen klar.

d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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