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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ratsherr erlebt „unfreundliches Gespräch″ mit Center-Investor
Zwischenüberschrift:
Seidler spricht in Paris vor und handelt sich eine Abfuhr ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück FDP-Ratsherr Robert Seidler fand, der Center-Investor habe Osnabrück lange genug in der Neumarkt-Frage hingehalten, und wandte sich direkt an den Chef von Unibail Rodamco Westfield in der Pariser Zentrale. Das Ergebnis war ein ziemlich unfreundliches Gespräch″.

Der Stillstand am Neumarkt treibt viele in Osnabrück um, auch Robert Seidler. Der Ratsherr spricht fließend Französisch und hat keine Scheu vor großen Namen. Also schickte er kurzerhand dem Vorstandsvorsitzenden von Unibail Rodamco Westfield, Christophe Cuvillier, eine Mail, in der er seinen Anruf im Laufe des Tages ankündigte und um einen Gesprächstermin in nächster Zeit in Paris ersuchte. Die Sache sei dringlich.

Zum Telefonat kam es nicht. Die Pariser Zentrale leitete die Mail an die deutsche Unibail-Tochtergesellschaft mit Sitz in Düsseldorf weiter. Zwei Stunden nachdem Seidler die Mail an Cuvillier abgesetzt hatte, meldete sich bei ihm ein anderer Manager: Olaf Ley, in der Branchensprache Director Investment/ Asset Management bei Unibail-Rodamco-Westfield in Deutschland. Man kann sagen, Ley ist der Herr über Investitionen und Vermögensverwaltung und damit ein wichtiger Mann auch beim Thema Einkaufszentrum Oskar″ am Osnabrücker Neumarkt.Als Drohung empfunden

Es wurde ein ziemlich unfreundliches Gespräch″, wie Seidler auf Nachfrage unserer Redaktion berichtet. Der Manager habe darauf verwiesen, dass Unibail Rodamco Westfield zwar öffentlich vom Bau eines Einkaufszentrums Abstand genommen habe, der Bauantrag für Oskar″ aber bislang weiter Bestand habe. Den weiteren Verlauf des Gesprächs habe er als Drohung verstanden, sagte Seidler. Ley habe durchblicken lassen, die Stadt Osnabrück solle vorsichtig sein″, wenn sie den Bebauungsplan für das Einkaufszentrum aufzuheben gedenke.

Wie genervt ist die Düsseldorfer Zentrale von Oskar″, dem eigentlich zu klein geratenen Projekt, das über fünf Jahre nicht in die Gänge gekommen ist? Unibail strebt nach eigenen Angaben kein Einkaufszentrum mehr an, sondern eine gemischte Nutzung. Mehr lässt sich der Konzern aber nicht entlocken, und in Osnabrück wächst die Sorge, dass der Konzern derzeit mit dem Milliardenprojekt Überseequartier″ in Hamburg so viel zu tun hat, dass die Schrottimmobilien am Neumarkt aus dem Blick geraten.

Die Stadt hat wenig Handhabe, den Investor zum Abstellen des städtebaulichen Elends am Neumarkt zu zwingen. Robert Seidler sieht aber eine Möglichkeit, den Investor unter Druck zu setzen: Die Stadt sollte den Bauantrag ablehnen und den Bebauungsplan aufheben.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan 600 für das Einkaufszentrum hat seit dem 9. März 2018 Rechtskraft. Laut Durchführungsvertrag hätte der Investor spätestens ein Jahr nach Rechtsgültigkeit des B-Plans einen vollständigen und genehmigungsfähigen Bauantrag″ stellen müssen. Der Bauantrag ist im Juni 2018 eingereicht worden allerdings bis heute nicht vollständig und genehmigungsfähig″, wie Seidler betont. Es fehlen nämlich ein paar Unterlagen zum Brandschutz.

Die Stadt könnte nach Ablehnung des Bauantrages einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Doch was nutzt es, Ideen und Konzepte zu entwickeln, wenn der Eigentümer Unibail Rodamco Westfield kein Interesse daran hat? Der börsennotierte Konzern ist seinen Aktionären verpflichtet, nicht der Stadt Osnabrück. Daher setzt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert derzeit auch mehr auf Gespräche und Verhandlungen.

Aus der Politik mehren sich die Stimmen, die den Kauf der Liegenschaften durch die Stadt fordern. Seidler weiß nach eigenen Worten aus einer zuverlässigen Pariser Quelle″, dass die Unibail Rodamco Westfield schon vor längerer Zeit versucht habe, die Immobilien am Neumarkt im Paket zu verkaufen. Es habe sich aber kein Käufer dafür gefunden.

Bildtexte:
Los geht′s″ am Neumarkt so schnell nicht. Eher ist mit einem jahrelangen Stillstand zu rechnen.
Streitbar: Robert Siedler (FDP).
Fotos:
Jörn Martens, Archiv/ H. Pentermann

Kommentar
Osnabrück-Fonds für den Neumarkt

Das schlimmste Szenario für den Neumarkt wäre: Die Stadt und der Investor zerstreiten sich. Im Falle einer Konfrontation hätte Unibail Rodamco Westfield das größere Stehvermögen, denn die 30, nach neueren Schätzungen vielleicht 50 Millionen Euro, die als Wert für die Neumarkt-Immobilien in der Bilanz stehen, jucken den Milliardenkonzern nicht wirklich. Osnabrück hingegen kann sich weiteres Siechtum an Neumarkt und Johannisstraße nicht erlauben.

Ob Alleingänge wie der von Robert Seidler hilfreich sind, die Gesprächsatmosphäre zu pflegen und zu verbessern, sei dahingestellt. Die Stadt verfügt über planungsrechtliche Mittel, um Druck auf den Investor auszuüben, aber zwingen kann sie ihn letztlich zu nichts.

Und wenn auch warme Worte und die Erinnerung an die grundgesetzliche Maßgabe, wonach Eigentum verpflichtet, nichts bewegen, kann vielleicht ein Impuls aus der Bürgerschaft helfen: Wie wäre es mit einem Osnabrück-Fonds zu Kauf und Entwicklung des Elendsgebietes am Neumarkt? Vermögende Menschen, die sich Osnabrück verbunden fühlen und womöglich noch Anlagemöglichkeiten für ihr Kapital suchen, könnten den Neumarkt als gemeinsames Projekt begreifen, dem Investor ein Angebot machen und im Konsens mit der Politik ein neues Quartier aufbauen.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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