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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Für Hitler war eine Patientin wie sie ein „unwertes Leben″
Zwischenüberschrift:
Lina Lümkemann starb unter ungeklärten Umständen in einer Anstalt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Wer zur Zeit des Nationalsozialismus Patient einer psychiatrischen Anstalt wurde, befand sich in Lebensgefahr. 1939 setzte Adolf Hitler seine Verwaltung auf Menschen an, die er als unwertes Leben″ bezeichnete. Auch die Osnabrückerin Lina Lümkemann geriet als Patientin der Heil-und Pflegeanstalt am Gertrudenberg in die Fänge der Nationalsozialisten. Sie starb 1943 unter ungeklärten Umständen in der sächsischen Landesheilanstalt Altscherbitz im Alter von 40 Jahren. Vor ihrem ehemaligen Zuhause an der Mittelburgstraße 7 liegen jetzt zwei Stolpersteine. Der erste erinnert an Lina Lümkemanns älteren Bruder August, den Nationalsozialisten bereits 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar in Hessen mit Gas ermordet hatten. Zur Verlegung des Stolpersteins für Lina Lümkemann empfingen Elke Petra Voss und ihre Familie die Teilnehmer der Zeremonie erneut mit Kaffee und Keksen wie schon vor zwei Jahren. Sie bewohnen jetzt das Haus im Schinkel. Elke Petra Voss ist außerdem Patin der neuen Messingtafel. Früher lebten hier der Oberschaffner Heinrich Lümkemann, seine Frau Caroline und ihre sechs Kinder. Eines von ihnen war Lina Lümkemann, die als Plätterin arbeitete und unverheiratet blieb. Zeitzeugen erinnern sich, dass sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in der Wäscherei eines Hilfskrankenhauses in Hellern gearbeitet hat. Weshalb sie im Juli 1942 in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt kam, ist nicht bekannt. Doch wenige Monate später wurde sie nach Hildesheim verlegt und von dort aus im April 1943 zusammen mit 64 weiteren Frauen in die sächsische Landesheilanstalt Altscherbitz bei Schkeuditz gebracht, wo sie zwei Monate später starb. Als offizielle Todesursache wurden eine akute Darmerkrankung″ und Herzmuskelentartung″ notiert. Doch vielfach ist überliefert, dass Angehörige solche Angaben erhielten, um das tatsächliche Geschehen zu verschleiern. Lina Lümkemann gehört damit zu den Opfern der sogenannten Euthanasie (Sterbehilfe). Mit diesem Begriff beschönigten Nationalsozialisten die Morde an 200 000 psychisch kranken oder geistig behinderten Menschen. Gesteuert wurden die Taten von der Berliner Adresse Tiergarten 4 aus. Adolf Hitler hatte der 1939 eigens dafür eingerichteten Verwaltung eine Tötungsermächtigung ausgestellt und die Bürokratie agierte im Auftrag des Rassenwahns.

Bildtext:
In diesem Haus an der Mittelburgstraße 7 lebte Lina Lümkemann, an die jetzt ein Stolperstein erinnert.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Die verlegten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn-oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden.Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts. Patin des Stolpersteins für Lina Lümkemann ist Elke Petra Voss. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafel verlegt: Stefan Bischof, Cengiz Yaman, Francesco Russello und Sebastian Kemme. Das Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Stolpersteine Hinweise von Zeitzeugen entgegen unter Tel.05 41/ 3 23 22 87.
Autor:
Jann Weber


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