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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bahn fährt bald mit Akku
 
Dieselzüge aufs Abstellgleis
Zwischenüberschrift:
Systemwechsel im OWL-Dieselnetz
 
Haller Willem soll künftig mit Batterie fahren / Brennstoffzellen-Antrieb auf Nordlinien möglich
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) strebt im sogenannten OWL-Dieselnetz den Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben an. Zu diesem Netz gehört auch die als Haller Willem″ bekannte Regionalbahn-Linie RB 75 Osnabrück–Bielefeld. Wie NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte, kommen als Ersatz für heutige Dieselfahrzeuge vor allem elektrohybride Züge mit aufladbarer Traktionsbatterie infrage. Die Systemumstellung soll mit der Neuvergabe des OWL-Netzes Ende 2025 erfolgen.

Osnabrück Revolution im regionalen Bahnverkehr: Im OWL-Dieselnetz, zu dem auch die Linie RB 75 Osnabrück–Bielefeld (Haller Willem) gehört, sollen künftig Züge mit alternativen Antrieben fahren. Auftraggeber NWL favorisiert Batteriezüge. Für das niedersächsische Weser-Ems-Netz könnten auch Wasserstoffzüge in Betracht kommen.

Im Osnabrücker Rat fand CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde neulich deutliche Worte, als es darum ging, wie der regionale Bahnverkehr umweltfreundlicher werden könnte. Dieselloks sind entsetzliche Stinker! Wir müssen uns so schnell wie möglich davon trennen″, forderte er. Tatsächlich werden schon heute bei den hiesigen Aufgabenträgern die Weichen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben gestellt. In wenigen Jahren könnten die ersten von ihnen zum Einsatz kommen.Ausschreibung in Arbeit

Auf der Linie RB 75 Osnabrück–Bielefeld über Halle (Westfalen) zum Beispiel. Der sogenannte Haller Willem ist eine von insgesamt acht Verbindungen im OWL-Dieselnetz, das zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 nach 15 Jahren neu vergeben wird. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren: Bis November 2019 wollen sich die Verantwortlichen auf eine Ausschreibung festlegen.

Federführend ist dabei der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Ihm schwebt im Zuge der Neuvergabe ein Wechsel von Diesel- auf Stromfahrzeuge vor. Dies werden aus heutiger Sicht batterie-elektrische Triebwagen sein″, sagte Geschäftsführer Joachim Künzel unserer Redaktion auf Anfrage. Fahrzeuge also, die ergänzend zum E-Motor über Akkus als Stromspeicher verfügen. Mit ihnen können nicht-elektrifizierte Abschnitte überbrückt oder Stichstrecken befahren werden.

Dem NWL gehe es bei der geplanten Systemumstellung im OWL-Netz aber nicht nur um einen lokal emissionsfreien Betrieb″ sprich weniger Lärm und saubere Luft in den Bahnhöfen und entlang der Strecke, sondern auch darum, dass wir dort klassisch elektrisch fahren könnten, wo wir heute teilweise auf langen Streckenabschnitten mit Dieselantrieb unter Fahrdraht unterwegs sind″. Ein weiterer Vorteil der Batteriezüge bestehe in ihrer besseren Fahrdynamik, die sich positiv auf Angebotsqualität und Fahrplangestaltung auswirken könnte.

Einzelheiten würden derzeit untersucht, erklärte Künzel. Auf einigen Linien seien die Voraussetzungen jedoch sehr gut. Unsere Idee ist, ein Netz auf alternative Antriebe umzustellen, ohne für die Umstellung in Infrastrukturen investieren zu müssen.″Option Wasserstoffzug

Züge mit Brennstoffzellen-Antrieb hingegen, wie sie bislang weltweit einzigartig in Niedersachsen gebaut und ausprobiert werden, scheinen für das OWL-Netz von morgen noch keine Option. Dies ist dann aber keine grundsätzliche Entscheidung gegen die Wasserstofftechnologie″, versicherte Künzel. Der NWL habe noch weitere dieselbetriebene Netze mit anderen Voraussetzungen, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Wettbewerb gehen. Für diese werde der Aufgabenträger die Frage der Antriebstechnik immer wieder neu stellen, und zwar auf Basis der konkreten Situation und der technologischen Entwicklung″.Gute Erfahrungen

Unterdessen bewähren sich die beiden ersten vom französischen Konzern Alstom in Salzgitter hergestellten Wasserstoffzüge seit September 2018 im täglichen Fahrgastbetrieb auf der Pilotstrecke Buxtehude–Cuxhaven. Kein Zug ist bislang liegen geblieben″, berichtete LNVG-Sprecher Rainer Peters auf Anfrage unserer Redaktion. Es habe lediglich eine Handvoll technischer Störungen gegeben, die mit Software-Update bereinigt worden seien.

Delegationen aus aller Welt würden die Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe (EVB) in Bremervörde besuchen, um die Wasserstoffzüge vom Typ Coradia iLint zu erleben. 2021 sollen weitere 14 Stück für den Fahrzeugpool der LNVG ausgeliefert und im EVB-Netz eingesetzt werden. Gleichzeitig nehme die weltweit erste Wasserstoff-Tankstelle für Züge in Bremervörde ihren Betrieb auf.

Geht es nach dem Osnabrücker Rat, darf diese Entwicklung vor unserer Region nicht haltmachen. Bei einer Erweiterung des Pilotprojektes Buxtehude/ Cuxhaven sollte Osnabrück unbedingt berücksichtigt werden″, heißt es in einem Ende Mai beschlossenen Antrag der CDU/ BOB-Gruppe.

Doch welche heimischen Strecken eignen sich konkret? LNVG-Sprecher Peters erklärte: Für den Einsatz von Wasserstoffzügen kommen Diesel-Strecken infrage, die nicht elektrifiziert sind, also keinen Fahrdraht haben. Das sind bezogen auf Osnabrück zum Beispiel die Strecken nach Oldenburg und Bremen, die aktuell von der Nordwestbahn bedient werden.″Entscheidung naht

Ob dort eines Tages wirklich Züge mit alternativen Antrieben fahren werden, sei jedoch völlig offen. Entscheidend für die LNVG sei, ob die genannten Strecken in den nächsten zwei bis drei Jahren″ für eine Elektrifizierung vorgesehen sind. Grund: Die Pool-Fahrzeuge im Weser-Ems-Netz also jene Züge, die der Aufgabenträger an die Eisenbahnverkehrsunternehmen vermietet erreichen in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre das Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer und müssen ersetzt werden.

Peters: Kommt die Elektrifizierung nicht oder ist erst in weiter zeitlicher Ferne damit zu rechnen, sind die genannten Strecken als grundsätzlich geeignet einzustufen für den Einsatz von Zügen mit alternativen Antriebsformen, also auch für den Einsatz von Zügen mit Brennstoffzellen-Antrieb.″

Bildtexte:
Auf Strecken ohne Oberleitung sollen künftig auch in unserer Region Triebwagen mit alternativen Antrieben eingesetzt werden zum Beispiel auf der Linie RB 75 (Haller Willem) zwischen Osnabrück und Bielefeld.
Versorgt sich selbst mit Strom: der Wasserstoffzug von Alstom.
Fotos:
Michael Gründel, Michael Reichel/ dpa

Kommentar
Unter Strom

Die Eisenbahn hat den Ruf, sehr umweltfreundlich zu sein. Vielerorts zu Unrecht, denn auf zahlreichen Strecken fahren mangels durchgehender Fahrdrähte ausschließlich Dieseltriebzüge auch in und um Osnabrück. Die meisten sind älter als 20 Jahre. Bezüglich des Luftschadstoffausstoßes unterliegt ihr Einsatz so gut wie keinen Auflagen.

Oberleitungslücken zu schließen und Elektrotriebzüge zu verwenden läge also nahe, ist aber oft nicht wirtschaftlich. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bieten einen Ausweg aus der Misere: Der Batterietriebzug scheint dabei die beste Lösung auf schwach befahrenen Bahnlinien mit Oberleitungslücken bis 80 Kilometer. Weisen die Strecken größere Oberleitungslücken auf oder sind überhaupt nicht elektrifiziert, wäre der Wasserstoffzug optimal geeignet.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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