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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Die Hitzewellen sind nicht mehr normal″
 
Auf dem Trockenen
 
Viel trinken, lauwarm duschen
Zwischenüberschrift:
Meteorologe Plöger sieht Zeichen des Klimawandels /Bauernverband befürchtet Ernteeinbußen
 
Anhaltende Dürre: Landkreis Osnabrück verbietet Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen
 
Bis zu 38 Grad: Das hilft gegen die extremen Temperaturen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Zwischen Harz und Nordsee bewegen sich die Temperaturen mindestens bis zum Donnerstag auf historische Werte zu: Der Deutsche Wetterdienst erwartet Hitzerekorde. Landwirte und die Feuerwehr warnen unterdessen vor den Folgen der Hitze. Deren Ursache ist für den Meteorologen und Fernsehmoderator Sven Plöger klar.

Die Hitzewellen sind nicht mehr normal″, sagte Plöger unserer Redaktion. Ungewöhnlich sei vor allem die Häufigkeit, mit der solch extreme Temperaturen auftreten. Plögers Schlussfolgerung: Wir haben einen Klimawandel und erleben das jetzt.″ Natürlich ändere sich das Wetter von Zeit zu Zeit; der Trend sei jedoch eindeutig. Hitzewellen und Dürren könnten sich seiner Einschätzung nach in Zukunft noch verstärken. Der Osten Deutschlands und damit auch Mecklenburg-Vorpommern ist eh schon die trockenste Region Deutschlands und sie wird noch trockener.″ Für Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei vor allem der durch den Klimawandel steigende Meeresspiegel eine Gefahr.

Im Raum Osnabrück und im Emsland werden heute Temperaturen von bis zu 38 Grad erwartet. An der niedersächsischen Küste und auf den Inseln immerhin 30 Grad. Der bisherige Rekordwert in Niedersachsen von 38, 6 Grad wurde am 9. August 1992 in der Lüneburger Heide gemessen.

Maßgeblich verantwortlich für die Hitze ist Hoch Yvonne, das für sonniges und zumeist wolkenloses Wetter sorgt und von Süden und Südwesten subtropische Luft nach Deutschland bringt. Hieß es zunächst, dass es am Freitag etwas kühler wird, ist nun wohl erst am Samstag ein leichter Temperaturrückgang in Sicht. Im Raum Köln und Duisburg könnte es sogar erstmals drei Tage am Stück 40 Grad heiß werden. Das wäre eine Sensation und ein Stück deutsche Klimageschichte″, sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst.

Besonders gefährdet durch die Hitze sind laut dem niedersächsischen Gesundheitsministerium ältere Menschen und Kinder. Sie bemerken einen Hitzestau oder Flüssigkeitsmangel häufig nicht rechtzeitig″, sagte Staatssekretär Heiger Scholz. Als Folge drohten Hitzschlag oder Sonnenstich.

Doch nicht nur Menschen sind betroffen. Die extreme Hitze bringt enormen Stress auch für Tiere und Pflanzen″, erklärte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Bernhard Krüsken, unserer Redaktion. Er befürchtet eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Auch um die Futtermittel macht er sich Sorgen. Denn eine schlechte Ernte hat Konsequenzen: Sind die Futterbestände knapp, müssen Kühe früher geschlachtet werden. Deshalb können Bauern in Niedersachsen und Bremen ab sofort auf Antrag auch sogenannte ökologische Vorrangflächen mähen und die dort wachsenden Pflanzen an ihre Tiere verfüttern. Darunter fallen auch Pufferstreifen zwischen Feldern und Grünland oder an Waldrändern.

Vor mehr Bränden auf Feldern und in Wäldern warnt der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Knorr, gegenüber unserer Redaktion. Die Brandgefahr steigt massiv.″ Gleichzeitig könnte die Feuerbekämpfung schwieriger werden. Ein Problem seien niedrige Wasserstände in Löschteichen und Löschwasserbrunnen.

Im Landkreis Osnabrück ist es wegen der Trockenheit seit gestern nicht mehr erlaubt, Wasser aus Flüssen und Bächen zu entnehmen. Das Verbot gilt bis zum 31. August und trifft vor allem Landwirte. Verstöße könnten mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro bestraft werden, teilte der Landkreis mit. Im Emsland gilt derzeit kein Verbot; dort vertraut man auf das Verantwortungsgefühl jener, die die Erlaubnis zur Wasserentnahme haben.

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Neue Temperaturrekorde könnten in diesen Tagen aufgestellt werden das hat Folgen.
Foto:
dpa/ Fredrik von Erichsen

Kommentar
Noch kein Weltuntergang, aber ...

Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher″ ist laut Wetterdienst in dieser Woche möglich. Das heißt: Nicht einmal ein Jahr nachdem eine Rekorddürre Deutschlands Pflanzenwelt nachhaltig geschädigt hat und Wasservorräte zur Neige gingen, erwarten wir nun eine Rekordhitze.

Angesichts der Häufung der klimatischen Superlative darf einem schon mulmig werden. Wundern sollten wir uns allerdings nicht. Denn genau davor haben Wissenschaftler doch seit Langem gewarnt: Wetterextreme werden häufiger, einstige Jahrhundertereignisse wie große Fluten oder eben Hitzewellen und Dürren treten häufiger auf. Genau das passiert jetzt.

Haben wir als Gesellschaft diese Warnungen der Wissenschaft ausreichend ernst genommen? Oder sind wir dem sehr menschlichen Drang gefolgt, drohende Probleme auszublenden, bis es dann tatsächlich zu spät ist? Letzteres scheint der Fall zu sein.

Die Fridays for Future″-Bewegung fordert derzeit am nachdringlichsten ein Umdenken in Sachen Klimaschutz. Radikal, ja. Und in einer Rhetorik, die nicht lösungsorientiert ist. Aber es handelt sich um Jugendliche, die sich um die Zukunft sorgen darum, wie es weitergehen soll, wenn der nächste Sommer wieder so heiß oder trocken werden sollte. Diese Sorge verdient es, ernst genommen zu werden. Denn sie ist begründet.

d.fisser@ noz.de

Osnabrück Aufgrund der anhaltenden Trockenheit haben sich in den Gewässern des Landkreises Osnabrück extrem niedrige Wasserstände eingestellt. Deshalb werden Wasserentnahmen aus kleineren Gewässern ab heute bis einschließlich 31. August untersagt.

Die Pegel der kleineren Gewässer sind aktuell extrem niedrig″, sagt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff auf Nachfrage unserer Redaktion. Teilweise sei der Wasserstand so gering, dass es für Fische kritisch werde. Daher sei in der Kreisverwaltung die Entscheidung gereift, Wasserentnahmen aus diesen Gewässern für die kommenden Wochen zu verbieten.

Konkret betroffen sind die sogenannten Gewässer 2. und 3. Ordnung: Erstere haben überörtliche Bedeutung für das Gebiet eines Unterhaltungsverbandes. Als Gewässer 3. Ordnung gelten alle kleineren Bäche. Im Landkreis Osnabrück gilt das Verbot somit für Gewässer wie beispielsweise die Düte, die Else oder die Nette. Bisher waren nach Angaben des Landkreises in erster Linie die Oberläufe und kleinere Gewässer von der Trockenheit betroffen. Die Pegel der Gewässer zeigen jedoch nun deutlich, dass auch in den Mittel- und Unterläufen der Gewässer die bisherigen Tiefststände erreicht oder bereits unterschritten sind.

Grundsätzlich gilt in normalen Zeiten, dass das Entnehmen von Wasser aus einem oberirdischen Gewässer etwa zur Beregnung erlaubnispflichtig ist. Eine Zulassung gibt es nur dann, wenn eine gewisse Abflussmenge erhalten bleibt. Diese Mindestwasserführung ist nach Angaben des Landkreises jedoch mit den historischen Tiefstständen zurzeit nicht mehr gewährleistet.

Da eine Änderung wegen der Wetterprognosen derzeit nicht absehbar ist, hat die Untere Wasserbehörde des Landkreises Osnabrück eine Regelung zur Vermeidung von Beeinträchtigungen der Gewässer getroffen: Mit der Allgemeinverfügung zur Beschränkung der Wasserentnahme aus Fließgewässern auf dem Gebiet des Landkreises Osnabrück″ sind Wasserentnahmen aus Gewässern zweiter und dritter Ordnung zu Bewässerungs- und Beregnungszwecken ab Dienstag, 23. Juli, bis einschließlich 31. August untersagt.

Zuwiderhandlungen stellen laut Riepenhoff eine Ordnungswidrigkeit dar und können im Einzelfall mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

Dieses Verbot gilt auch für Wasserentnahmen, für die eine gültige wasserrechtliche Erlaubnis vorliegt und somit beispielsweise auch für Landwirte. Der genaue Wortlaut der Allgemeinverfügung kann auf der Homepage des Landkreises Osnabrück unter www.landkreis-osnabrueck.de/ bekanntmachungen eingesehen werden.

Schon seit einigen Wochen galt im Landkreis die Phase zwei des Wassersparens: Wegen der Trockenheit hatte die Kreisverwaltung Ende Juni zunächst Privathaushalte und später auch Sportvereine, Feuerwehren und Großverbraucher wie Landwirte zum schonenden Umgang mit dem kühlen Nass aufgerufen.

Bildtext:
Der Pegel von Gewässern wie der Nette stehen auf dem Tiefststand.
Foto:
Gert Westdörp

Offenbach Temperaturen von bis zu 40 Grad bedeuten nicht nur Badespaß, man muss den Körper auch davor schützen. Hitze-Ratgeber und Bauernweisheiten liefern unterschiedliche, teils widersprüchliche Tipps. Dusche ich besser kalt oder warm? Lüfte ich nur morgens und abends oder auch tagsüber? Was hilft wirklich?

Trinken: Regel Nummer eins: Wasser trinken. Zweieinhalb bis drei Liter Wasser am Tag, und ich betone Wasser. Das geht nicht mit süßen Limonaden, die durstig machen, und erst recht nicht mit Alkohol″, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Pneumologie an der Uniklinik Bonn, Dirk Skowasch. Kranke mit Herz- oder Bluthochdruckproblemen sollten mit ihrem Arzt ein passendes Konzept fürs Trinken besprechen. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt vor alkoholischen Getränken. Bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung wirkt Alkohol schneller und intensiver″, so Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

Ausruhen: Kein Sport in der Mittagshitze und bei so hohen Temperaturen am besten gar nicht″, rät der Bonner Mediziner Skowasch. Bei Hitze kann man also von der Siesta″ der Spanier lernen. Aktivitäten draußen sollten in die Morgen- oder Abendstunden verschoben werden. Und auch beim Essen empfiehlt Skowasch, langsam zu machen: Lieber mehrere kleine Mahlzeiten, Obst und Gemüse.″ Auch für Vierbeiner gilt laut Lea Schmitz vom Tierschutzbund viel trinken und lange Gassirunden in der Hitze vermeiden.

Lauwarm duschen: Wenn die Sonne brennt und der Schweiß läuft, erscheint oft nichts besser als eine kalte Dusche. Die ist für den Körper aber leider mehr Belastung als Erfrischung. Das ist wie mit eiskalten Getränken. Der Körper muss sich danach wieder aufwärmen auf Außentemperatur. Das kostet Energie″, sagt Skowasch. Also lieber lauwarm duschen.

Richtig lüften: Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, nachts lang zu lüften und tagsüber nur kurz. Auch Luftbewegung etwa durch einen Ventilator lindere das Hitzegefühl. Zusätzliche Wärmequellen sind laut Verbraucherzentrale Kühlschränke und Heizungsrohre.

Schatten: So schön der lang ersehnte Sommer auch ist, ein Baum oder Sonnenschirm spendet Schatten und kühlt ab. Aus der Hitze raus, in den Schatten, luftige Kleidung das klingt banal, ist aber wichtig″, so der Bonner Mediziner Skowasch.

Aufpassen: Für Babys und Kleinkinder ist Hitze besonders gefährlich. Sie können ihren Wärmehaushalt noch nicht so gut regulieren, warnt die BZgA. Deshalb sollten Kinder mit Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille gegen die Strahlen geschützt werden und am besten im Schatten spielen. Hundebesitzer sollten ihre Tiere nicht im heißen Auto lassen, warnt Lea Schmitz vom Tierschutzbund. Grundsätzlich sollte man den Hund bei den hohen Temperaturen gut beobachten. Sehr starkes Hecheln, glasiger Blick und tiefrote oder blasse Schleimhäute seien Alarmzeichen.

Alarmsignale beachten Hitzschlag: Ein Hitzschlag ist ein echter Notfall, in dem man sofort den Notarzt rufen sollte″, so Skowasch. Symptome seien Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübungen, Erbrechen, Krämpfe bis hin zum Schock, der tödlich enden könne.

Bildtext:
Heiße Tage: Kopfbedeckung und viel Wasser helfen, mit der Hitze zurechtzukommen.
Foto:
dpa/ Oliver Berg
Autor:
Vincent Buß, Dirk Fisser, dpa, AFP, Sebastian Philipp


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