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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum nicht jedes grüne Dach gut für die Umwelt ist
Zwischenüberschrift:
Feldversuch der Hochschule Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Weil Städte immer größer werden, geht der Lebensraum zahlreicher Wildpflanzen zurück. Ist vielleicht auf den Häusern Platz für sie? Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück untersuchen, welche heimischen Arten sich besonders zur Dachbegrünung eignen.

Für den Kleinen Vogelfuß wird es zunehmend enger. Genauso für das Berg-Sandglöckchen, die Platterbsen-Wicke oder die Heide-Nelke. Grund: Ihr Lebensraum schrumpft. Es gibt immer weniger Sandmagerrasen in Nordwestdeutschland. Die Arten sind unter anderem durch städtische Verdichtung und durch die Umwandlung von Flächen in Ackerland bedroht″, erklärt Kathrin Kiehl, Professorin für Vegetationsökologie und Botanik. Deshalb forscht sie gemeinsam mit ihren Kollegen Roland Schröder und Daniel Jeschke daran, für die heimischen Wildpflanzen neue Räume zu schaffen und zwar auf Dächern.

54 quadratische Versuchsflächen mit einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern haben die Wissenschaftler auf dem Dach des Bibliotheks- und Hörsaalgebäudes am Campus Haste angelegt. Seit September gehen dort drei verschiedene Saatmischungen mit jeweils mehr als 40 gebietseigenen Arten auf.Großes Potenzial

Sie wachsen mal in der Sonne, mal im Schatten oder Halbschatten. Teilweise unter Beigabe spezieller Pilzkulturen, die dem Boden Leben einhauchen sollen. Denn gepflanzt wurde wegen der begrenzten Dachtraglast auf Substraten, die leicht sind und Wasser speichern können darunter Naturbaustoffe wie Lava, Bims und Tuff, aber auch Recycling-Materialien wie etwa Ziegelbruch, die in verschiedenen Zusammensetzungen erprobt werden. Wie gut das jeweils funktioniert, interessiert auch die EU: Sie fördert das Forschungsprojekt Roofs for Biodiversity″ (Dächer für Artenvielfalt) mit 250 000 Euro aus ihrem Fonds für regionale Entwicklung.

Tatsächlich ist das Potenzial von Dachbegrünungen laut Hochschule beachtlich. Nach Schätzungen der European Federation Green Roofs & Walls gab es allein in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 86 Millionen Quadratmeter begrünter Dachflächen. Jährlich kommen acht Millionen hinzu.

Allerdings: Herkömmliche und mit vergleichsweise geringem Aufwand (extensiv) betriebene Dachbegrünungen bieten kaum Lebensraum, wie ihn etwa die mehr als 350 niedersächsischen Wildbienenarten brauchen. Denn sie bestehen in der Regel aus gebietsfremden, gezüchteten Pflanzenarten. Das sind vor allem verschiedene Sedum-Arten und - Sorten aus der Familie der Dickblattgewächse″, erklärt Jeschke.

Die Wissenschaftler setzen in ihrem Experiment deshalb auf eine intensive Dachbegrünung mit Wildpflanzenarten, die typischerweise in Niedersachsen oder auch Teilen von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vorkommen. Ein Stück norddeutscher Wildnis auf den Dächern Osnabrücks also.Bares Geld sparen

Doch begrünte Dächer sind nicht nur dem Artenschutz dienlich, wie Franz-Georg Elpers, Sprecher der Umweltstiftung DBU in Osnabrück, auf Anfrage unserer Redaktion feststellt. Darüber hinaus seien sie in der Lage, Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft zu filtern. Wegen ihrer Funktion als natürliche Klimaanlagen könne sich eine Dachbegrünung für Hausbesitzer sogar finanziell lohnen.

Die Wärmeverluste in den Wintermonaten seien mit Gründächern bis zu 19 Prozent geringer als bei anderen Flachdächern. Bewachsene Dächer leisten somit einen Beitrag zu mehr Energieeffizienz und eingesparten Heizkosten.″ Im Sommer wiederum könnten Gründächer zusätzlich vor Hitze schützen.

Bildtexte:
Sand-Mohn blüht auf einer von 54 Versuchsflächen auf dem Dach des Bibliotheks- und Hörsaalgebäudes am Campus Haste.
Professorin Kathrin Kiehl mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern Daniel Jeschke (links) und Roland Schröder vor den Versuchsflächen am Campus Haste.
Fotos:
Hochschule Osnabrück

Wildpflanzen

Deutschland ist in 22 Herkunftsregionen von Wildpflanzen eingeteilt. Innerhalb dieser Gebiete wird Saatgut aus Naturbeständen gesammelt, vermehrt und zur Begrünung eingesetzt. Diese Vorgehensweise fördert sowohl die regionaltypische Artenvielfalt als auch die genetische Vielfalt der Wildpflanzen. Die Einteilung bildet die Grundlage für marktfähige Saatmischungen, die an der Hochschule Osnabrück im Forschungsprojekt Roobi (Roofs for Biodiversity) entwickelt werden sollen.
Autor:
Leon Walter


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