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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fehlerkette beim Bau des Rosenplatzes
 
Wie lange bleibt die Johannisstraße so kaputt?
 
Große graue Betonplatten für den Neumarkt?
Zwischenüberschrift:
Stadt fängt bei Beton-Frage wieder von vorne an
 
Gesucht wird der optimale Belag: Hart genug für die Busse, schön genug zum Bummeln
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es gibt nicht eine Ursache für das Bröckeln des Betons auf dem Osnabrücker Rosenplatz, sondern eine Kette von Fehlern, die bei der Planung und Bauausführung gemacht wurden. Das ist das vorläufige Ergebnis der Untersuchungen durch städtische Experten und eines Baustoffprüflabors, wie die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Es werde geprüft, ob Firmen dafür in Regress genommen werden könnten. Die Risse im Beton des Rosenplatzes haben schwerwiegende Konsequenzen für den Umbau des Neumarktes und der Johannisstraße, wo eine vergleichbare Betondecke geplant ist. Für die Geschäftsleute an der Johannisstraße bedeutet das, dass sie wahrscheinlich noch bis weit ins nächste Jahr hinein mit dem schlechten, provisorischen Zustand der Straße leben müssen.

Osnabrück Es wirkt wie blanke Ironie: Eingangs der Johannisstraße hängt ein Transparent, das für die einzigartige Fußgängerzone von Osnabrück″ wirbt und zum Erleben ihrer gesamten Vielfalt″ einlädt. Vielfältig ist zurzeit vor allem das provisorische Straßenpflaster. Es ist möglich, dass sich mindestens ein Jahr nichts an diesem trostlosen Zustand ändert.

Die Johannisstraße ist so oft wie kaum eine andere Straße in Osnabrück in den vergangenen Jahrzehnten unter die Baggerschaufel geraten. Fünfmal 1988, 1994, 1997, 2001 und 2003 musste das Pflaster erneuert oder ausgetauscht werden, weil der Busverkehr tiefe Spurrillen ins Pflaster gedrückt hatte. Es folgte 2013 der Tunnelabriss am Neumarkt, im vergangenen Jahr begannen die Stadtwerke mit der Erneuerung der Kanalisation. Die neuen Kanäle liegen im Boden, die Straßenoberfläche ist nun notdürftig geflickt.

Schon im Mai sollte nach der ursprünglichen Planung mit dem Bau der neuen Straße begonnen werden. Der Termin hat sich auf August verschoben aber nach dem Ärger mit dem Beton, der auf der Johannisstraße und dem Neumarkt verlegt werden soll (Bericht unten), zeichnet sich ab, dass die Johannisstraße bis Mitte 2020 im Wartestand verharren wird.Beton-Prüfung

Das weitere Vorgehen hängt von der Frage ab: Ist die geplante Betondecke den Belastungen des Busverkehrs gewachsen, oder droht ihr ein vorzeitiger Verfall wie jener, die 2012 auf dem Rosenplatz verlegt worden ist?

Im Juni hat die Stadt zwölf Bohrkerne aus den beschädigten Abschnitten des Rosenplatzes gezogen. Fachleute aus der Verwaltung und eines Baustoffprüflabors haben die Betonproben inzwischen analysiert. Das Ergebnis beschreibt Stadtsprecher Gerhard Meyering schriftlich so: Es ist augenscheinlich, dass neben Ausführungs- und Materialfehlern sicher auch Planungs- beziehungsweise Konstruktionsfehler ursächlich für das vorgefundene Schadensbild sind.″ Mit anderen Worten: Alle haben offenbar Fehler gemacht die Planer genauso wie die bauausführenden Firmen.

Die Frage, ob heute nach Ablauf der Gewährleistungsfrist die verantwortlichen Ingenieurbüros und Baufirmen für die Schäden in Regress genommen werden können, werde derzeit mithilfe eines Fachanwaltes geprüft, so Meyering weiter.

Die Experten gehen beim Rosenplatz-Beton nun ins Detail. Sie müssen klären, wer welche Fehler gemacht hat und wie diese Pannen am Neumarkt zu vermeiden sind.

Daraus ergibt sich ein ungefährer Zeitplan, der den Gewerbetreibenden in der Johannisstraße den nächsten Schock versetzen dürfte:

1. Schritt: Die Fachleute müssen jetzt nach der Rosenplatz-Analyse einen Vorschlag für den Straßenbelag auf Neumarkt und Johannisstraße erarbeiten und mit den Architekten abstimmen, die den neuen Neumarkt entworfen haben. Das wird ein paar Wochen dauern. Mindestens.

2. Schritt: Der Vorschlag der Verwaltung muss dem Rat zur Entscheidung vorgelegt werden. Der Rat tagt das nächste Mal am 3. September. Unklar ist: Ist der Rat dann schon zu einer schnellen Entscheidung in der Lage oder brauchen die Fraktionen noch Zeit zur Meinungsbildung?

3. Schritt: Stimmt der Rat zu, muss eine neue, europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht werden. Die Ausschreibung selbst dürfte vier Monate dauern. Wir sind dann, im optimalen Fall, bereits im ersten Quartal 2020.

4. Schritt: Theoretisch könnten die Bauarbeiten nach der Vergabe im ersten Quartal des kommenden Jahres beginnen, doch ein Baubeginn im Winter ist eher unwahrscheinlich. Mutmaßlicher Start der Johannisstraßen-Erneuerung daher: Frühjahr/ Sommer 2020.Ein wenig Kosmetik

Claas Beckord, Teamleiter Strategische Stadtentwicklung und Koordinator der Neumarkt-Baustellen, schließt nicht aus, dass die Johannisstraße in der Zwischenphase provisorisch asphaltiert wird. Es gehe nicht nur um den optischen Eindruck, wir müssen auch aus Sicherheitsgründen was machen″, sagte Beckord unserer Redaktion.

Wie hoch sind die Kosten eines Schutzasphalts, wie lange soll er halten, wie belastbar muss er sein? Fragen, die aktuell keiner beantworten kann. Und solange es darauf keine Antworten gibt, bleibt die Johannisstraße, wie sie jetzt ist: ein Flickenteppich und eine in der Tat einzigartige Fußgängerzone″.

Bildtexte:
Der Straßenbelag der Johannisstraße ist nach Abschluss der Kanalarbeiten ein Flickenteppich. Bis zum endgültigen Ausbau soll möglicherweise eine provisorische Asphaltschicht aufgebracht werden. Aber auch das ist ungewiss wie so vieles im Moment.
Ein Banner wirbt für eine einzigartige Fußgängerzone″. Angesichts des Zustandes der Johannisstraße wirkt das fast ironisch.
Fotos:
Michael Gründel

Osnabrück Beton oder nicht Beton? Das ist für die Experten beim Blick auf den Neumarkt keine Frage: Nur Beton hält dem Druck der Busse stand. Warum das Desaster auf dem Rosenplatz das Vertrauen der Fachleute in diesen Baustoff nicht erschüttert.

Auf dem Neumarkt und der Johannisstraße ist eine grau gestreifte Betondecke geplant. Die vorgesehene Bauweise entspricht exakt jener, die 2012 beim Rosenplatz angewendet wurde. Der Rosenplatz-Beton zeigt allerdings Risse. Untersuchungen haben ergeben, dass offenbar in der ganzen Kette von der Planung bis zum Bau Fehler gemacht worden sind, die den roten Beton jetzt brüchig werden lassen.

Die Fachplanung beim Rosenplatz lag in den Händen des Schweizer Bauingenieurs Rolf Werner. Die Stadt Osnabrück hat ihn über die Probleme mit dem Rosenplatz-Beton informiert, aber bislang nicht um eine Begutachtung gebeten. Ich stehe zur Verfügung″, sagte Werner unserer Redaktion. Aus der Ferne könne er nicht beurteilen, was in Osnabrück schiefgelaufen ist. In der Schweiz gebe es mit dem Betonbauverfahren, das auf Brücken und Plätzen zum Einsatz komme, keine Probleme.

Der Schweizer sagt, nur Beton werde die Last der Busse auf dem Neumarkt und der Johannisstraße über einen langen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren ertragen. Das Problem ist, dass die Busse sehr langsam fahren und dadurch sehr spurtreu sind″, sagt Werner. So entstehen auf Pflaster- oder Asphaltdecken nach und nach tiefe Spurrillen. Die Johannisstraße musste deshalb schon mehrfach erneuert werden.Zwei Schichten

Das Konzept beim Rosenplatz zielte darauf ab, den früher vorherrschenden Charakter eines Straßenraums mit seitlichen Randflächen zu überwinden und stattdessen den Eindruck einer durchgehenden Platzoberfläche zu erzeugen″. So beschrieb es Werner 2013 in einer Fachzeitschrift.

Der Beton erhielt ein rotes Farbmuster, das Fahrbahn und Umgebung verbindet. Aus gestalterischen Gründen wählten die Planer schmale, lange Platten (5 Meter mal 1, 65 Meter). Da derart schmale Platten ohne massive Bewehrung zu Rissen führen, mussten die Planer einen neuen Weg beim Betonieren finden, wie Werner sagt. Die Lösung: Beton im Verbund. Die Methode stammt aus dem Brückenbau. Dabei werden zwei Schichten nicht frisch auf frisch verlegt, sondern zeitlich versetzt. Erst wenn der Unterbau abgetrocknet ist, folgt die zweite Lage aus farbigen, schmalen Platten.

Die Betondecke auf dem Rosenplatz ist 26 Zentimeter dick (17 Zentimeter Unterschicht, 9 Zentimeter Oberschicht). Entscheidend ist, dass die beiden Schichten auch mithilfe von Dübeln und Ankern optimal aneinanderhaften.Klüger geworden

Rolf Werner schrieb 2013 in der Fachzeitschrift: Dank der hervorragenden Zusammenarbeit sämtlicher Beteiligter an diesem außerordentlichen Projekt ist mit der Um- und Neugestaltung des Rosenplatzes ein qualitativ hoch stehendes, dauerhaftes und europaweit einmaliges Bauwerk realisiert worden.″ Heute sind wir klüger.

Wenn der Stadt Osnabrück die Rosenplatz-Bauweise zu unsicher ist, könnte sich Beton-Experte Werner für den Neumarkt eine Lösung mit einer einzigen Betonschicht aus großen Platten vorstellen, die deutlich größer sind als die schmalen auf dem Rosenplatz. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Zug in der Schweiz liegen nach Werners Angaben auch großformatige Platten, in die aus optischen Gründen sogenannte Pseudofugen″ eingeschnitten wurden, um optisch eine kleinteilige Oberfläche zu erzielen. Ein Farbspiel ist auch bei diesem Verfahren nicht möglich.

Anderes Beispiel: Der Leopoldsplatz in Baden-Baden ist mit Platten im Maß 3, 60 Meter mal 3, 60 Meter betoniert. Die Quadrate sind in unterschiedlichen Grautönen gefärbt. Eine kleinteiligere Farbgebung, wie sie für den Neumarkt vorgesehen ist, wäre damit aber nicht erreichbar.60 Grad heiß

600 Busse queren täglich den Leo″ im Herzen von Baden-Baden. Bisher hat der Boden die Belastung spurlos weggesteckt, wie der Baden-Badener Pressefotograf Klaus Schultes sagt, der seit Jahren die Entwicklung des zentralen Platzes dokumentiert. Von offizieller Seite werde der neue Belag gelobt, sagt Schultes, viele Bürger aber seien der Meinung: Schöner geworden ist er nicht.″ Und: Der graue Beton heize sich im Sommer extrem auf und strahle bis zu 60 Grad Hitze ab. Wir wollten dort schon für ein Foto Spiegeleier braten.″

Kommentar
Jetzt nichts überstürzen

Es wird Zeit, klar. Osnabrück hat genug von der Trostlosigkeit am Neumarkt und in der Johannisstraße. Die Menschen wollen nach über einem Jahrzehnt der Diskussionen und Desillusionierungen, des Streits und Stillstands endlich Fortschritte sehen. Aber: Die Betonfrage ist so essenziell wichtig, dass nichts überstürzt werden sollte.

Wenn es nur um die Haltbarkeit ginge, würde eine Panzerstraße nach Art der Vehrter Landstraße genügen. Aber das würde wohl selbst die radikale Autofraktion nicht wollen, die den Neumarkt gern als Durchgangsstraße erhalten möchte. Wenn es nur um die Optik ginge, könnten die Busse ausgesperrt werden, um die Last von der Straße zu nehmen. Aber da sagen die Stadtwerke: Nein!

Die Planer sind um die Aufgabe unter den veränderten Voraussetzungen nicht zu beneiden. Sie sind in der Pflicht, die optimale Betonmischung zu finden: richtig schön und richtig hart. Sie sollten dafür die Zeit bekommen, die sie brauchen. Gründlichkeit geht vor Eile.

Denn hier in der Mitte von Osnabrück, wo sich täglich so viele Menschen begegnen wie an keiner anderen Stelle der Stadt, muss etwas entstehen, das für mindestens eine Generation Bestand hat.Der Platz darf nicht einer Laune des sich wandelnden Zeitgeistes oder dem physischen Druck der schweren Busse vorzeitig zum Opfer fallen.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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