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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Trumpf für die Zukunft
Zwischenüberschrift:
Neue Studie sagt größere Zuwachsraten für erneuerbare Energien voraus als die EU
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Das Datum war purer Zufall. Bei seinem Neujahrsempfang Anfang Februar hatte sich der Bundesverband ErneuerbareEnergie (BEE) darauf verständigt, eine Untersuchung zu Marktchancen von erneuerbarer Energie Mitte Märzvorzustellen. Heute ist es soweit. Doch niemand konnte damals ahnen, dass die Veröffentlichung mitten in dergrößten Natur- und Nuklearkatastrophe Japans geschehen würde.
Die aktuelle Studie dürfte der von der Bundesregierung abrupt eingeleiteten Atomwende inklusive Moratorium für die AKW-Laufzeitverlängerung und des vorläufigen Aus alter Meiler zusätzlichen Schub verschaffen. Denn der Report hält einen weitaus größeren Zuwachs bei erneuerbaren Energien für möglich als bislang von der EU angestrebt, erläutert Rainer Hinrichs-Rahlwes. Die Untersuchung wurde von europäischen Verbänden für erneuerbare Energie erarbeitet″, erklärt der Präsident des Europäischen Verbands für Erneuerbare Energien (EREF), der auch Vorstandsmitglied im BEE und im Europäischen Rat für Erneuerbare Energien (EREC) ist.
Beteiligt waren an der Studie auch Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sowie der Technischen Universität Wien. Die Studie sei Teil eines EU-mitfinanzierten Projekts, das Ende September 2011 auslaufe, sagt Hinrichs-Rahlwes. Wichtigste Erkenntnisse: Erneuerbare Energien (EE) können nach Ansicht der Forscher bis 2020 in Europaeinen Anteil von 24, 4 Prozentam Brutto-Endenergieverbrauch haben. Die EU geht bisher von lediglich 20 Prozent aus.
Auch der EE-Anteil an der Stromproduktion wird laut Studie höher liegen, als die Regierungen in der EU im Durchschnitt anstreben: Die EE-Industrie geht von rund 42 Prozent aus. Die 27 EU-Mitgliedstaaten spielen dagegen lieber die defensive Karte, halten einen Anteil von nur 34 Prozent für möglich. In Deutschland sieht der EREF-Chef indes ganz andere Optionen. Hierzulande könnten wir bis 2050 sogar eine fast vollständig auf erneuerbaren Energien basierte Wirtschaft haben″, sagt Hinrichs-Rahlwes.
Das alles funktioniere jedoch nur unter der Bedingung, dass die Politik das Regelwerk nicht zusammenstreicht″. Seine Forderung an die Bundesregierung: Erneuerbare Energien müssen Vorrang behalten, die Förderung muss weiterlaufen.″ Schon in zehn Jahren sei es möglich, so der Energieexperte, dass Deutschland die Hälfte seiner Stromproduktion durch regenerative Energie abdeckt″.
Beim Stichwort Strom nimmt sich Hinrichs-Rahlwes die Kritiker vor, die einen Verzicht auf Atomkraft für schlicht undenkbar halten und vor Versorgungsengpässen warnen. Bei Atomkraftkann es immer nur einzig um Strom gehen. Energie für Wärme und den Transportsektor kann sie fast überhaupt nicht bereitstellen.″ Eines räumt das BEE-Vorstandsmitglied aber ein: In Europa haben nur wenige Staaten bei Ressourcen und Politikvorgaben ähnlich gute Voraussetzungen wie Deutschland.″ Lediglich Spanien, Österreich und Dänemark könnten da noch mithalten.
Um potenzielle Zuwachsraten für erneuerbare Energien in Deutschland nicht zublockieren, ist es nach Ansicht von Hinrichs-Rahlwes unbedingt notwendig, auch weiterhin nach Technologie und Größe differenziert zu fördern″. Das gelte etwa für die Windkraft, für die weniger Subventionen vonnöten seien als für Solarenergie. Eines steht für ihn fest: Es dauert nicht mehr lang, bis man Ökostrom aus Windkraft billiger produzieren kann als Strom aus konventionellen Quellen.″
Damit aber erneuerbare Energien auch in Europa zu einer Erfolgsgeschichte werden, kommt man um einen intensiven Ausbau der Netze nicht herum, weiß Hinrichs-Rahlwes. Und noch etwas seif ürs Erste unverzichtbar: Zwar werde das Speichern von Energie aus regenerativen Quellen stetig verbessert. Aber wir brauchen vorerstweiter etwa flexible Gaskraftwerke, die kurzfristig den Be-arf in Spitzenlastzeiten abfedern können.″ Eines ist für Hinrichs-Rahlwes sicher: Nach dem Unfall in Japan wird in der EU ein Nachdenken dar über einsetzen, ob Atomkraft noch sinnvoll ist.″

Bildtexte:
Option für die Zukunft: Windturbinen in Dabancheng in China, eine Biogasanlage im brandenburgischen Schwedt, ein Erdwärmekraftwerk im mecklenburgischen Neustadt-Glewe, das Pumpspeicherwerk Hohenwarte II im Saaletal, ein Windrad und eine Fotovoltaikanlage auf der Insel Pellworm und ein Gezeitenkraftwerk in der Rance-Mündung bei St. Malo.
Nur noch Notbeleuchtungin Tokio.Japans Regierungrief zum Energiesparen auf.
Bilder einer Katastrophe: Verbogene Schienenstränge, Flugzeugspitze im Fenster.
Fotos:
dpa

KOMMENTAR
Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft

Noch ist nichts überstanden, noch sind die verheerenden Folgen der japanischen Apokalypse nicht einmal annähernd abzuschätzen. Fest steht jedoch, dass abseits üblicher Rituale und Reflexe für politische Flickschusterei die Zeit fehlt. In den nächsten Wochen und Monaten sind klare Bekenntnisse unabdingbar. Die Bürger und vor allem potenzielle Investoren haben die Nase voll von Politik im Vier-Jahres-Takt, gemäß dem Motto: Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg.
Die jetzt von der Bundesregierung vollzogene Volt ein der Atompolitik bedeutet eine große Chance für Strom, Wärme und Mobilitätaus erneuerbarer Energie. Wer allerdings glaubt, Deutschland allein sei Maß aller Dinge, betreibt Augenwischerei. Für Kernkraft wie für regenerative Energie gilt: Der Abschied vom Atomzeitalter und die Weichenstellung für Sonne, Wind und Wasser gelingen nur, wenn eine Mehrheit der Staaten weltweit diesen Wechselwirklich will.
Wie beschwerlich der Weg zu einem solchen dann tatsächlich bahnbrechenden Konsens aber wird, zeigt allein das Beispiel Frankreich. Rund 60 Meiler sorgen für 80 Prozent der Stromproduktion. Präsident Nicolas Sarkozy schließt einen Atomausstieg kategorisch aus.
Doch allen Warnungen vor Versorgungsengpässen zum Trotz: In Kombination etwa mit flexiblen Gaskraftwerken und vor allem mit Energie-Einsparung haben erneuerbare Energien die Kraft, den Menschen eine lebenswerte Zukunft zu sichern.
k.jongebloed@ noz.de
Autor:
Klaus Jongebloed


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