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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Calmeyer-Haus und kein abstruses „Friedenslabor″
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zu den Artikeln Namensstreit um das Calmeyer-Haus″ (Ausgabe vom 5. Juli). und Streit um Calmeyer: Beirat ohne die Uni″ (Ausgabe vom 6. Juli) erhielten wir folgende Zuschriften, u. a. von Ralf Steiner, Vorsitzendem der Hans-Calmeyer-Initiative.

Den Calmeyer-Ambivalenz-Vertretern sei Folgendes ins Stammbuch geschrieben:

Laut Fremdwörterduden bedeutet Ambivalenz , Doppelwertigkeit′, und genau das war Hans Calmeyer in seiner geistigen Haltung und seinem Rettungswiderstand nicht. Der gegenwärtige Forschungsstand lässt keinen Raum für Zweifel. Dies einmal deutlich zu sagen und betreffende Historiker an ihr elementares Handwerkszeug zu erinnern, dass sie Personen und ihre Handlungsmotive aus der Perspektive ihrer Zeit zu verstehen und nicht aus der , Hinterher-ist-man-immer-schlauer′-Retrospektive zu relativieren haben, scheint offensichtlich notwendig zu sein.

Wenn man jedoch unter Ambivalenz , innere Zerrissenheit′ versteht, so ist es bei Hans Calmeyer die Tragik von Rettungswillen und ausweglosem Schuldigwerden. Unter der Last dieser Schuld hat er lebenslang gelitten.

Dass eine Ambivalenzdebatte überhaupt wieder aufkommt und zugelassen wird, droht selbst schon zu der Provinzposse zu werden, welche die Stadt in ihrem eigenen Interesse zu verhindern hätte.″

Ralf Steiner
Osnabrück

Ich war Besucher der Podiumsdiskussion in der VHS. Es hat sich leider gezeigt, wie recht Dr. Castan damit hatte, die Öffentlichkeit per , Brandbrief′ zu alarmieren. Im Beirat sitzen ganz offensichtlich Personen, die den Beschluss des Stadtrates, ein echtes Calmeyer-Haus zu schaffen, sabotieren wollen.

Der abstruse Name , Friedenslabor′ zeigt das ganze Problem. Jeder soll ein bisschen rumprobieren dürfen, wichtig sind bunte Blasen, nicht Inhalte. Aber am Ende knallt und stinkt es!

Die einmalige Chance, Hans Calmeyer als tausendfachen Judenretter bekannter zu machen und aus seinem Lebenslauf zu lernen, wird fahrlässig aufs Spiel gesetzt. Dabei geht es hier nicht um Heldenverehrung, sondern um die kritische Würdigung eines mutigen Mannes, mit all seinen Fehlern. Der von israelischer Seite als , Gerechter unter den Völkern′ geehrt wird. Dessen trickreicher Widerstand gegen das NS-Regime unbestritten ist. Aber in Osnabrück darf kein Haus nach ihm benannt werden? , Inakzeptabel′, so Professor Rass [...]. Warum greifen Stadtrat und Oberbürgermeister hier nicht ein? Warum sind die Sitzungen des Beirats nicht öffentlich?

Osnabrück braucht ein Haus, wo Calmeyer draufsteht und Calmeyer drin ist. Für Dilettantismus und Profilierungsversuche aber darf kein Platz sein!

Oliver Altmann
Osnabrück

Es ist schon merkwürdig, wie schwer sich immer noch ein Teil der Osnabrücker Bürgerschaft mit dem Namen Hans Calmeyer tut. Erinnert sich eigentlich jemand daran, dass es eine Schule gab, die nach gründlicher Vorbereitung (unterstützt von Peter Niebaum) und zum Teil heftigen Diskussionen, dann aber mit Stolz den Namen übernahm ? Von 1998 bis zur Auflösung der Orientierungsstufen 2004 war das die Hans-Calmeyer-Orientierungsstufe Innenstadt.

Auch damals fiel das Wort , ambivalent′, und wir Beteiligten wurden mit Bemerkungen wie , Ja, wie viele Juden hat er denn schon gerettet? konfrontiert. Das fand ich damals schon schlimm, und heute gut 20 Jahre später denke ich, dass es leicht ist, Zivilcourage zu fordern, wenn man sie selbst nicht unter Lebensgefahr erbringen muss. Wie selbstverständlich helfen wir denn Menschen, die Not und Verfolgung ausgesetzt sind?! Hans Calmeyer hat es getan, und dafür sollte Osnabrück ihm Respekt erweisen.″

Anke Fedrowitz
Osnabrück

Es gibt offensichtlich nicht mehr viele, die sich an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern können. Wir Jungvolkjungen (Pimpfe) wurden angehalten, Meldung zu erstatten, wenn in der Familie oder bei Freunden , Feindsender′ gehört wurden. Darauf stand KZ oder Todesstrafe.

Ein verantwortlicher Parteigenosse, der sich den Luxus eines Gewissens leistete und gar noch einem oder vielen Juden half zu überleben, wusste, dass er in Lebensgefahr war. Das war Mut nicht ambivalent. Das Wort , ambivalent′ in diesem Fall scheint mir eine grobe sprachliche Manipulation zu sein, entsprechend dem , Wahrheitsministerium′ in , 1984′. Eine offizielle Unterstützung finde ich empörend.″

Ulrich Stein
Osnabrück
Autor:
Ralf Steiner, Oliver Altmann, Anke Fedrowitz, Ulrich Stein


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