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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein toter Baum sorgt für neues Leben
Zwischenüberschrift:
Holzkünstler Franz Greife verwertet die gefällte Schlossgartenkastanie
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Vier Jahre nachdem die große Rosskastanie im Schlossgarten gefällt werden musste, treten fünf junge Bäume im Stadtteil Wüste ihr Erbe an. Durch den Verkauf des aufgewerteten Holzes konnte der Holzbildhauer Franz Greife in Baumpatenschaften investieren.

Am 22. Juni 2015 rückte der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) mit der Kettensäge an. Die 90 Jahre alte Kastanie musste wegen Sicherheitsbedenken gefällt werden. Sie hatte zwei Jahre lang kaum Blätter getragen, und es bestand die Gefahr, dass Äste herunterfallen und womöglich Menschen treffen, die es sich unter dem Baum bequem gemacht haben. Viele Osnabrücker waren traurig, denn die Kastanie war gerade unter Studenten ein beliebter Treffpunkt gewesen und hatte für eines der wenigen schattigen Plätzchen im Schlossgarten gesorgt.

Einfach so entsorgt werden sollte der schöne alte Baum aber nicht. Der Bildhauer Franz Greife nahm sich des Holzes an. Zum großen Teil, um daraus Skulpturen zu fertigen, aber auch um daraus 100 verschieden große, zum Verkauf bestimmte Scheiben herzustellen. Durch seine Bearbeitung des Holzes wurden aus den Baumscheiben Unikate. Das Interesse war groß. Mittlerweile sind alle 100 Scheiben verkauft, die Greife aus dem Kastanienholz angefertigt hat. Die meisten gingen an Osnabrücker Bürger, aber auch ein Schotte sei unter den Kunden gewesen, erzählt Greife. Die Preise lagen je nach Größe bei 40, 90 oder 250 Euro.

20 Prozent des Erlöses investierte Greife nun wie seinerzeit versprochen in Baumpatenschaften. Diese werden vom OSB angeboten: Für 300 Euro pflanzt und pflegt dieser einen neuen Baum. Durch die Einnahmen aus den Baumscheiben konnte Greife gleich fünf neue Bäume pflanzen lassen. Es sind Kirschbäume, die zwar noch klein und zart sind, aber schon Früchte tragen. Die Bäume stehen in der Ecke von Schreberstraße und Jahnstraße nahe dem Wüstensee.

Greife wollte den Osnabrückern etwas zurückgeben, wie er sagt. Denn an die Schlosskastanie, deren Holz er verwerten durfte, hätten viele Bürger schöne Erinnerungen. Sie picknickten darunter, trafen sich mit Freunden und einmal habe es unter der Kastanie sogar einen Heiratsantrag gegeben. Zudem habe die Kastanie Osnabrücker Geschichte miterlebt, und zwar auch die schlimmen Zeiten: Aus dem Zweiten Weltkrieg steckten noch Granatsplitter im Baum.

Das habe beim Sägemeister für viel Fluchen gesorgt, erzählt der Künstler. Drei Sägeblätter seien ihm wegen der Splitter kaputtgegangen. Die Geschichte des Baumes will Greife weiter recherchieren. Aus dem restlichen Holz, das noch im Lager trocknet, will er Skulpturen fertigen, die auf die Geschichte der Kastanie eingehen.

Weitere Infos zur Arbeit von Franz Greife gibt es im Internet auf der Seite franzgreife.de.

Bildtext:
Künstler Franz Greife mit einer Scheibe der Schlossgartenkastanie neben einem der Bäume, deren Anpflanzung er durch Baumpatenschaften ermöglicht hat.
Das Foto vom 16. Juni 2015 zeigt, wie mitgenommen die Kastanie war. Wenige Tage später kam die Motorsäge.
Foto:
Stella Essmann, Martens
Autor:
Stella Essmann


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