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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Farbe und Mittelinseln gegen den Westerberg-Verkehr
Zwischenüberschrift:
„Ein falsches Spiel″: Anwohner der Gluckstraße bitter enttäuscht vom Runden Tisch
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Autofahrt über den Westerberg wird in Zukunft ein bisschen beschwerlicher. Der Runde Tisch Westerberg, hat, umgeben von großer Geheimniskrämerei, beschlossen, den Autofahrern kleine Hindernisse in den Weg zu legen. Anwohner sind stinksauer″.

Die Öffentlichkeit war ausgesperrt, als sich am 2. Juli 20 Mitglieder des Rundes Tisches zur siebten und wohl letzten Sitzung des Gremiums trafen. Offiziell drang bislang nichts über etwaige Beschlüsse nach außen. Die Stadt will die Deutungshoheit behalten und hat den Teilnehmern Maulkörbe verpasst. Intern feilt die Verwaltung seit über einer Woche an einer Pressemitteilung, die jetzt den Teilnehmern zum Gegenlesen zugeleitet wurde und einige tief enttäuscht.

Von einem falschen Spiel″ spricht etwa Michaela Ramm, Anwohnerin der Gluckstraße. Sie sei stinksauer″ und wütend″. Die Anlieger würden mit etwas Farbe und kleinen Einbauten abgespeist. Man hätte von Anfang an ehrlich sagen sollen, dass nicht mehr geht oder gewollt ist″, sagte Ramm unserer Redaktion. Dann hätte man sich fünf Jahre Arbeit sparen können.

Schon zuvor hatte Gluckstraßenanwohner Johannes Lohmöller dem Runden Tisch aus Enttäuschung über dessen Mutlosigkeit den Rücken gekehrt. Der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) zog das Fazit: Der Runde Tisch ist gescheitert.″

Anwohner der heimlichen Westumgehung (von Mozartstraße bis Gluckstraße) drängten am Runden Tisch auf eine rasche Umsetzung der ersten Maßnahmen (siehe Kasten oben). In den fünf Jahren seit der Bürgerbefragung über die Entlastungsstraße sei die Lage für die Anlieger immer schlimmer geworden. Die Bebauung des Wohn- und Wissenschaftsparkes habe zu höherem Verkehrsaufkommen geführt. Außerdem sei wegen der zweijährigen Sperrung der Rheiner Landstraße mit weiterem Verkehr auf dem Westerberg zu rechnen. Die Situation sei vor allem morgens gefährlich, wenn Kinder zur Schule unterwegs seien. So steht es im Entwurf der Presseerklärung.

Die Vorschläge der Runden Tisches werden nun dem Rat vorgelegt, der das nächste Mal am 3. September tagt. Am Runden Tisch sitzen Politiker, Fachleute sowie Vertreter von 22 Organisationen, Initiativen und Anliegern zusammen. Er wurde ins Leben gerufen, um nach dem Nein in der Bürgerbefragung zur Entlastungsstraße West einen Plan B zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs zu entwickeln. Ein Ergebnis der Beratungen war, die Durchgangsstraßen mit Berliner Kissen zu versehen, um die Autofahrer zum behutsamen Fahren zu veranlassen oder besser gleich zu einer Umfahrung zu bewegen. Im Januar dieses Jahres wurden die Kissen von der Gluckstraße wieder entfernt, weil es Probleme mit dem Rettungsdienst gab. Daraufhin berief die Stadt den Runden Tisch wieder ein, um alternative Maßnahmen zu erörtern.

Das soll jetzt passieren

Geplant sind:

1. Zwei Mittelinseln, und zwar an der Kreuzung Carl-Cromme-Weg/ Schubertstraße und an der Kreuzung Sedanstraße.

2. Eine Fahrbahn-Einengung in der Nähe der Sedanstraße, die den Radverkehr aber nicht behindern soll.

3. Vier Schachbrettmuster auf dem Asphalt wie beim Theater an den Einmündungen von Schuhmannhof, Brahmshof, Haydnhof und Lieneschweg.

Geprüft werden:

1. Bau eines Minikreisverkehrs an der Kreuzung Lieneschweg/ Händelstraße.

2. Umbau des Knotenpunktes Sedanstraße/ Gluckstraße mit Ausweitung der Tempo-30-Zone.

3. Nächtliche Durchfahrtsperre an der Gluckstraße mit Schranke.

Gefordert wird:

1. Häufigere Geschwindigkeitskontrollen.

Kommentar
Bloß keinem wehtun

Es ist entlarvend, wie Stadtbaurat Frank Otte in der (noch nicht veröffentlichten) Pressemitteilung zitiert wird: Man habe sich auf Punkte geeinigt, die möglichst vielen Menschen keine Nachteile bringen″. Mit anderen Worten: bloß keinem wehtun. So ist auch nur der kleinste gemeinsame Nenner herausgekommen, der wenig ändern wird auf der heimlichen Westumgehung.

Der Runde Tisch ist mal als ehrlicher Versuch gestartet, gegensätzliche Interessen auszugleichen und den Verkehr neu zu ordnen. Wir wissen heute: Die Aufgabe war viel zu groß. Je konkreter die Konzepte wurden, umso härter wurden die Gegensätze.

Eine weitere Lehre aus dem verkorksten Verfahren ist, dass zu einer Bürgerbeteiligung auch die Teilnahme der Öffentlichkeit gehört und zwar nicht in Form einer mehrfach desinfizierten Pressemitteilung, sondern durch offene Türen für die Medien und jeden Interessierten.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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