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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Theater an den Neumarkt?
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Aus für das Neumarkt-Center.

Seit 2016 bin ich Bürger der Stadt Osnabrück, arbeite hier aber oft seit 2003. Als Marktingkaufmann bin und war ich entsetzt von der Entwicklung des Neumarktes und der abgehängten Johannisstraße. Hier entwickelte sich in zentraler Lage ein Immobilienschrottplatz, der leider als Schandfleck für die Stadt bezeichnet werden muss. Maßnahmen einer Gegensteuerung waren nur für den sehr interessierten Bürger als politischer Diskurs wahrnehmbar. Real war nur Verfall zur Kenntnis zu nehmen.

Die Lösung für die Probleme des Quartiers sollte ein weiterer Konsumtempel bringen. Nun ist diese angebliche Lösung auf dem Müllhaufen der Stadtgeschichte gelandet, und das ist gut so. Die Bürger der Stadt und die Gäste haben nämlich gar nicht das Problem, dass es eine mangelhafte Versorgung mit Konsumgütern gibt. Im Gegenteil. […] Die Kaufkraft vieler Osnabrücker ist sehr endlich. Zwar hat sich über die letzten Jahre die Menge der offenen Stellen gebessert, und die Menge der Menschen ohne Arbeit ist gesunken, aber die Wirtschaftsstruktur der Stadt und des Umlandes führt für die Mehrheit nicht zu Arbeitsplätzen, die viel Raum für einen ausgeprägten Konsum lassen. […]

Dass das Marketingumfeld für einen weiteren Konsumtempel suboptimal ist und war, konnte man nach meinem Dafürhalten ohne teure Studien erkennen. Osnabrück braucht vielmehr dringend bezahlbaren Wohnraum, Kindertagesstätten mit langen Öffnungszeiten, in Zukunft mehr Altenheimplätze und eine Mehrung an Studentenwohnheimen.

Investoren zu finden, die im kaufmännischen Bereich Arbeitsplätze in guter Citylage schaffen möchten, wäre eine gute Herausforderung für die Stadtverwaltung. Zwar ist es der Stadt gelungen, einer Verschärfung eines Abwärtstrends entgegenzutreten, aber eine dynamische Aufwärtsbewegung ist das nicht. […] Andere Städte und Regionen in der Nachbarschaft, zum Beipiel Enschede und Münster, zeigen, wie das gehen kann. [...]″

Thomas Häfele
Osnabrück

Die Zeitung zitiert den Osnabrücker Geschäftsmann Theodor Bergmann mit seinem Kommentar des , Schlags in die Fresse aller, die sich für das Projekt [Einkaufscenter] starkgemacht haben′. Herr Bergmann orientiert sich in seiner Wortwahl augenscheinlich am Rede-Repertoire von Frau Nahles. Wie gut das tut, hat man ja erlebt. Aber auch abgesehen davon, dass ich in diesem Vokabular (vor allem, weil es so öffentlich gemacht wird) einen Schritt auf dem Niedergang unserer Sprachkultur erblicke, geht dieser verbale Schuss nach hinten los: Herr Bergmann bescheinigt allen am Projekt Interessierten und damit auch sich selbst eine , Fresse′ statt eines Gesichts! So leicht kann man eins verlieren. Wahrlich ein Schlag ins Gesicht aller sensiblen Zeitungsleser, die noch in der Lage sind, Texte interpretierend zu lesen.″

Gerhard Beermann
Bissendorf

Seit Jahrzehnten verfolge ich den urbanen und wirtschaftlichen Niedergang an der Achse Iburger Straße– Johannisstraße–Neumarkt. Mit dem Planungsdesaster am Neumarkt hat sich die Stadt Osnabrück ihren , Stuttgarter Bahnhof′ zugelegt. Die vom Oberbürgermeister und von Ratsfraktionen gegebene Generalempfehlung, , nach vorne zu blicken und nicht zu kritisieren′ (NOZ vom 15. Juni), bedeutet im Klartext: Politik und Verwaltung wollen ihre Fehler nicht aufarbeiten, ihre Verantwortung abstreifen und, bildlich gesprochen, den Hut derer nicht benennen, die ihn eigentlich nehmen müssten.″

Prof. Dr. Reinhard Liess
Georgsmarienhütte

Dass das große Einkaufszentrum am Neumarkt nicht gebaut wird, muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Wie wäre es denn, wenn man die hierdurch frei gewordene attraktive und zentrale Situation nutzen würde, um hier ein neues Theater zu bauen? Die Sanierung des jetzigen Stadttheaters soll stolze 80 Millionen Euro kosten. Damit während der dreijährigen Schließung des Hauses wegen der Erneuerungsmaßnahmen trotzdem Schauspiel- und Musikaufführungen stattfinden können, soll entweder ein Ersatzhaus auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs errichtet oder eine leer stehende Industriehalle entsprechend eingerichtet werden. Für die hierdurch entstehenden Gesamtkosten wäre sicher ein representatives Theater am zentralen Neumarkt zu errichten. Bis zur Fertigstellung könnte vermutlich das alte Haus weitergenutzt werden.

Da wir mit Theater und Lutherkirche nur zwei schöne Jugendstilgebäude in Osnabrück haben, sollte der Bau an der Kleinen Domsfreiheit erhalten bleiben und könnte sicher einer anderen Nutzung zugeführt werden. Auf dem für das Einkaufszentrum vorgesehenen Gelände am Neumarkt könnten außer dem neuen Theater ohne Weiteres auch noch Einzelhandelsfunktionen sowie Bibliothek und Wohnungsbau angeordnet werden, wodurch auch die Johannisstraße aufgewertet würde. Überflüssig zu erwähnen, dass der Neumarkt vor dem Gesamthintergrund natürlich vom Autoverkehr befreit werden sollte.″

Rolf Brinkmann
Osnabrück

„[...] Historisch und merkantil gesehen, gehört das ins Auge gefasste Quartier zur Neustadt. Für sie gelten ganz andere Prioritäten, obwohl sie einst durch den direkten Anschluss der Straßenbahn mit der Großen Straße verbunden war. Diese Verbindung wurde durch Fehlplanung der Infrastruktur unterbrochen.

Die bislang einzig richtige Entscheidung für den Neumarkt ist die Verwirklichung von Baulos 2, weil es den Neumarkt städtebaulich abschließt. Der Rest war und ist der Neue Graben. Als , Leitplanke′ zur Neustadt wurde das Baulos freilich nicht konzipiert. Jedem, der die Entwicklung von L& T und der Kamp-Promenade verfolgte, musste bereits 2006 klar gewesen sein, dass ein wie auch immer aufgestellter Konkurrent am vorgesehenen Standort wenige Chancen auf Erfolg haben konnte. Dieser wurde dann auch noch durch Entnahmesicherung der Kerngrundstücke von Käufern gegenläufiger Interessen und unsinnige Auflagen seitens der Stadt gemindert. Das alles war vorauszusehen. Möchtegern-Erfolge haben Rat und Verwaltung die Sicht vernebelt. Sie haben sich nach allen Regeln kapitalistischer Insekten, denen jedes Interesse am Wohl der Stadt Osnabrück zu fehlen scheint, von diesen über den Tisch ziehen lassen.

Ich glaube nicht, dass die Stadt die Grundstücke für 30 Millionen Euro zurückkaufen kann. Sie hat auf das, was hier gebaut werden wird, allenfalls planerischen Einfluss. Und der ist, wie die Planungen und der gescheiterte Wettbewerb für den Berliner Platz zeigt, gering. [...]″

Stefan Middelberg
Osnabrück

Bildtext:
Lässt sich der Stillstand am Neumarkt überwinden? Darüber gehen die Meinungen der Leser auseinander.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Thomas Häfele, Gerhard Beermann, Prof. Dr. Reinhard Liess, Rolf Brinkmann, Stefan Middelberg


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