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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die letzte Postkarte kamaus Theresienstadt
Zwischenüberschrift:
Die Hoffnung trog: Minna Dessauer sah ihre Verwandten nie wieder
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ein Abschiedsbrief aus dem sogenannten Judenhaus an der Kommenderiestraße und Postkarten aus dem Konzentrationslager Theresienstadt sind von Minna Dessauer überliefert. Doch als sie 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt wurde, hörte die Familie ihres Schwagers Fritz Schönfeld nichts mehr von ihr. Jetzt erinnert ein Stolperstein an die jüdische Frau aus Osnabrück.

Minna Dessauer arbeitete als Erzieherin und lebte ander Liebigstraße 8 bei ihrer Schwester Grete und deren Ehemann Fritz Schönfeld, der evangelisch-lutherischer, Konfession war. Die Nationalsozialisten rissen die jüdisch-christliche Lebensgemeinschaft auseinander. Minna Dessauer wurde das erste Opfer, später drangsalierten die Nationalsozialisten auch die anderen Familienmitglieder.
Bei den Recherchen für das Buch Stationen auf dem Weg nach Auschwitz″ stießen die Autoren Peter Junk und Martina Sellmeyer auf die Post von Minna Dessauer. Während der Stolpersteinverlegung zitierte Christine Grewe vom Osnabrücker Friedensbüro aus dem Werk.
Minna Dessauer war Anfang 60, als die Nationalsozialisten sie zwangen, ihr Zuhause an der Liebigstraße zu verlassen und in das sogenannte Judenhaus in die Kommenderiestraße zu ziehen. Kurz bevor sie 1942 nach Theresienstadt verschleppt wurde, sah sie ihre Verwandten ein letztes Mal. Sie schrieb ihnen: Der Abschied ist mir furchtbar schwer geworden, doch ich habe es nicht gezeigt. Ich gehe mit der festen Hoffnung von hier, Euch alle, meine Lieben, in absehbarer Zeit gesund wieder zu sehen . . .″
Auch aus dem Lager in Theresienstadt, das die Nationalsozialisten als Seniorenanlage getarnt hatten, schrieb sie allerdings so, dass die Postkarten unzensiert blieben. Dass dort 1942 etwa die Hälfte der dorthin verschleppten Juden an Hunger, Kälte und Krankheiten starb, drang nicht nach Osnabrück durch. Einer weiteren Schwester in Wetzlar schrieb Minna Dessauer ein Jahr später: Ich bin gesund, habe Landsleute um mich und eine leichte, angenehme Beschäftigung als Kartoffelschälerin.″ Doch Überlebende berichteten etwas anderes. Einer von ihnen war der Rabbiner Leo Baeck: DieLuft in den überfüllten Räumen war zum Ersticken. Die Frauen saßen auf den harten Brettern, bis sie kaum mehr sitzen konnten, und schälten, bis ihre Hände wund waren.″
Als das Lager Theresienstadt längst überfüllt war, begannen die Deportationen ins Vernichtungslager Auschwitz. In einem der Züge saß Minna Dessauer. Wann die Nationalsozialisten sie ermordeten, ist nicht bekannt.
Ihre Schwester Grete wurde 1945 nach Theresienstadt verschleppt, überlebte jedoch die Diktatur der Nationalsozialisten. Auch ihr Mann Fritz Schönfeld geriet in die Fänge der Nationalsozialisten, weil er eine Jüdin geheiratet hatte. Von 1942 an musste er Zwangsarbeit leisten. Zu den Schikanen gehörte auch die Vertreibung aus dem Zuhause an der Liebigstraße.

Bildtexte:
Heimat: Hier lebte Minna Dessauer, bevor die Nationalsozialisten sie 1942 zum Auszugzwangen.
Ein Bild aus guten Zeiten: 1935 entstand dieses Foto. Es ist vermutlich das letzte, das von Minna Dessauer gemacht wurde.
Stolperstein an der Liebigstraße
Fotos:
Klaus Lindemann, Privat

Stolpersteine
Messingtafeln in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine.Schüler vom Berufsschulzentrum am Westerberg haben den Gedenkstein für Minna Dessauer verlegt: Pascal Aistermann, Simon Bartsch, Jannik Hollenborg, Maurice Hüpel, Sebastian Kemme und Francesco Russello. Patin dieses Stolpersteins ist Hildegard Oberholthaus. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimesentgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 3 23 22 87. Weitere Stolpersteine werden im kommenden Frühling verlegt.
Autor:
Jann Weber


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